Aufgewachsen ist Daniel Bütler in Sins AG mit sieben Geschwistern. «Wir waren fünf Jungen und vier davon wollten Landwirt lernen», erzählt er an seinem Vortrag am Nordwestschweizer Milchtag. So begann er anfangs eine Lehre als Kaufmann. «Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist», sagt er und lacht. Er brach die Lehre ab und begann die Ausbildung als Landwirt.
2010 übernahm er den Betrieb seiner Schwiegereltern am Jura-Südfuss in Hägendorf SO. Der Betrieb liegt in einer niederschlagsarmen Gegend mit geringem Wasserspeichervermögen der Böden. «Umso höher man kommt, desto flachgründiger werden sie», erklärt Bütler. «Am besten wäre es, wenn es alle 8-10 Tage einmal regnen würde», sagt er und zwinkert.
Seit 2013 melkt ein Roboter
Knapp 60 ha bewirtschaftet Daniel Bütler mit seiner Familie. Rund die Hälfte sehr intensiv, die andere extensiv. «Es bringt nichts die Flächen zu puschen, wenn am Ende das Wasser fehlt.» Angebaut werden Getreide, Mais und Kunstwiesen, der Rest sind extensive Wiesen und Weiden.
Zwischen 48 und 50 Holsteinkühe, 30 bis 35 Aufzuchttiere und 15 bis 20 Sömmerungsrinder aus dem Kanton Uri gehören zum Milchwirtschaftsbetrieb. Seit 2013 wird mit dem Roboter gemolken. Die Holsteinkuh begleitet und begeistert Daniel Bütler bereits ein Leben lang. 2002 bis 2006 amtete er als Geschäftsführer des Aargauer Holsteinzuchtverbands.
Eine gesunde Leber ist zentral
Und was braucht es für die optimale Leistung einer Kuh? Für Daniel Bütler ist es ein Zusammenspiel aus Genetik, Fütterung, Kuhkomfort und etwas Glück. «Und das Glück kann man ein bisschen beeinflussen. Ein alter Tierarzt sagte einmal zu mir: Man hat nicht Glück im Stall, das Glück erarbeitet man sich», erzählt er.
Zentral für eine leistungsfähige Holsteinkuh ist für ihn eine gesunde Leber. «Die Leber ist ein kleines Organ, aber erfüllt mehr als 1500 Funktionen», betont er. Dazu zählen die Umwandlung von flüchtigen Fettsäuren in Glukose, Verstoffwechselung von Proteinen und Fetten, die Entgiftung, Speicherung von Vitaminen und Spurenelementen sowie die Hormonregulation. Gerade bei Hochleistungstieren sei die Leber das anfälligste Organ, weil sie so viele Funktionen erfüllen muss. «Die Challenge ist es, die Leber gesund zu erhalten.»
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Das Gewicht über die Laktation stabil halten
Und wie hält der Landwirt die Leber seiner Tiere gesund? «Die wichtigste Phase ist die Galtphase.» Zentral sei das Gewicht über die Laktation stabil zu halten. «Die Schwankungen von der Startphase bis zum Trockenstellen sollten maximal 150 kg betragen», erklärt Daniel Bütler. In den letzten zwei Monaten der Trächtigkeit nimmt das Kalb 600 bis 650 Gramm pro Tag zu, gleichzeitig sinkt der TS-Verzehr der Kuh auf 12 bis 14 Kilogramm.
«Deshalb ist es falsch, überschwere Kühe in dieser Phase mit Stroh und Heu herunterzubremsen oder sie auf eine schlechte Weide zu lassen», erklärt er. Dann schmilzt die Kuh Fett ein, dadurch werden Ketonkörper frei, die die Leber belasten. «Die Folgen sind unter anderem Klauenprobleme, Aceton sowie Leistungsverminderung», so Bütler. Zwei bis dreimal im Jahr führt er bei allen Kühen gleichzeitig eine Leberkur durch.
«Kühe haben gerne Langeweile»
Bei der Fütterung setzt der Landwirt auf wenige Komponenten und Vormischungen statt Einzelkomponenten. Täglich wiederkehrende Arbeiten will er speditiv, effizient und exakt durchführen können. Übers Jahr setzt er auf die gleichen Komponenten: Grassilage, Maissilage, Dürrfutter, Eiweissmischung, Leinsaat extrudiert, Energiemischung, Mineralstoffe, Salz und ein bisschen Stroh. «Kühe haben gerne Langeweile. Sie mögen es nicht, wenn viel gewechselt wird. Die Pansenmikroben brauchen zwei bis drei Wochen, bis sie sich an die neue Ration angepasst haben», erklärt er.
Saisonale Komponenten wie überschüssige Kartoffeln sind ihm ein Dorn im Auge. «Kartoffeln sind ein super Futtermittel, aber die Kühe suchen sich die Kartoffeln immer zuerst heraus, was wegen der hohen Stärke den Pansen der Tiere belastet. Daher sollten sie, wenn möglich zusammen mit Mais oder Gras einsiliert werden.»
Ein Drittel der Herde sollte beim Füttern liegen bleiben
Den TS-Gehalt der Teilmischration hält Daniel Bütler konstant bei 39 bis 40% und überprüft ihn wöchentlich. «So weiss ich, wenn sie täglich rund 60 kg fressen, habe ich am Trog einen TS-Verzehr von 24 kg, was ich anstrebe», erklärt er. Beim Vorlegen der Ration sollte mindestens ein Drittel der Herde liegen bleiben. «Das zeigt mir, dass die Kühe ausgefüttert sind und die Ration homogen ist.» Ebenso sollte die Ration von oben nach unten gefressen werde, was wiederum zeigt, dass die Ration nicht selektierbar ist.
Seine Mischration gleicht er nach Eiweiss und Energie aus. «Über den Roboter gibt es ein einfaches Milchviehfutter. Einige Kühe fressen kaum Milchviehfutter, darum ist eine ausgeglichene Mischration umso wichtiger», so der Landwirt.»
Zahnmais im Winter, hartmaisbetonte Sorten im Sommer
Bei den Kunstwiesen sät Daniel Bütler nur eine Mischung an. «Es gibt bereits von Schnitt zu Schnitt eine Futterumstellung, darum sollte, die Mischung immer die gleiche Zusammensetzung haben», erklärt er.
Beim Silomais nutzt er im Winter wegen der höheren Verdaulichkeit Zahnmais. Im Sommer wechselt er auf hartmaisbetonte Sorten, da die Stärke im Zahnmais mit zunehmender Lagerdauer schneller verdaut wird und den Pansen belastet. Ab 25° C stabilisiert er die Mischung mit Kaliumsorbat. Seit 15 Jahren verfüttert er ausserdem extrudierte Leinsaat. «Wir hatten Kühe mit frühembryonalen Fruchttod. Unsere Nachforschungen in der Literatur zeigten, dass das Omega-3 knapp ist, das ist vor allem in maissilagebetonten Rationen der Fall.» Die enthaltenen Fettsäuren hätten zudem den positiven Nebeneffekt, Giftstoffe sowie Methan und CO2 zu binden.
20 bis 30 Prozent der Besamungen ohne sichtbare Brunstsymptome
Erstmelke besamt Daniel Bütler ab 90 Tagen in der Laktation, Kühe ab 80 Tagen. Gemeinsam mit dem neuen Melkroboter zog 2021 auch ein Progesteron Messgerät in den Milchviehstall. «Gerade bei Hochleistungskühen ist das Zeitfenster der sichtbaren Brunst klein bis gar nicht vorhanden», erklärt Bütler. Das Messgerät zeige ihm das Brunstfenster und den idealen Besamungszeitpunkt. Im Sommer besame er 20 bis 30 Prozent der Kühe ohne sichtbare Brunstsymptome, mit gutem Erfolg. Trächtigkeitsuntersuchungen seien nicht mehr nötig und auch Zysten werden mit dem Messgerät erkannt.
Alle zwei Wochen führt Bütler ein Frischabkalbemonitoring mit dem Tierarzt durch. Bei Kühen, die nicht rund laufen, misst er zudem die Ketonkörperkonzentration und behandelt bei Auffälligkeiten stossweise mit Propylenglykol.
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Vom Natursprung zu gesextem Sperma und Mastrassengenetik
Bis 2020 setzte Daniel Bütler zu 80 Prozent auf Natursprung und zog alle Kuhkälber auf. Überzählige Rinder wurden nach dem Abkalben verkauft. Heute setzt er vermehrt auf Mastrassen und gesextes Sperma. Mit der neuen Strategie bleiben praktisch alle Erstmelken auf dem Santelhof, dies ermögliche auch einen besseren Zuchtfortschritt.
«Kühe mit einer Lebensleistung von 100 000 kg habe ich gerne, aber nicht um jeden Preis», so Bütler. Durch die zunehmend fehlenden Arbeitskräfte auf den Betrieben fehle oft die Zeit für die älteren Kühe. «Darum ist es mir lieber, der Kuh einen planbaren Abgang zu ermöglichen. Läuft eine Kuh nicht mehr rund, besame ich sie nicht mehr und melke sie noch, bis sie nur noch 30 Liter Milch gibt – dann verkaufe ich sie an den Schlachter», so Bütler. Das Ziel ist es, eine durchschnittliche Lebensleistung von mehr als 50 000 kg Milch beim Abgang zu erreichen. 2025 habe er rund 3500 Fr. pro geschlachtete Kuh erhalten. «Das habe ich früher für meine verkauften Erstmelken nicht immer erhalten», so Bütler abschliessend.
Herdenleistung Santelhof
5-Jahres-Durchschnitt 305 Tage: 13 061 kg
Aktueller Abschluss des Jahres 2025:
305 Tage: 13 423 kg 4,03% Fett und 3,44% Eiweiss
403 Tage Zwischenkalbezeit
103 Tage Rastzeit
119 Tage Serviceperiode
1,8 Besamungen pro Trächtigkeit
1 Kuh mit über 150 000 kg LL
9 Kühe mit über 100 000 kg LL