Swissgenetics muss sich in einem schwierigen Markt behaupten: Immer weniger Kühe, grössere Betriebe, die selber besamen und Seuchen, bereiten dem Genetikanbieter Sorgen. Dennoch zeigte die Delegiertenversammlung, dass im vergangenen Jahr ein gutes Ergebnis erzielt werden konnte. Davon profitieren auch die Kunden, denen insgesamt eine Million Franken rückvergütet wird.
Besamer legen 8 Millionen Kilometer zurück
Rund einmal um die Welt gingen die Stierenpfleger mit den Muni am Produktionsstandort in Mülligen AG, berichtete Verwaltungsratspräsident Ueli Bach in seiner Begrüssung. Es sind rund 40'000 km, die sie mit den Stieren an der Hand zurücklegten. Und natürlich sind auch die Strecken der Besamer eindrücklich. Sie legten auf dem Weg zu den Kunden rund acht Millionen Kilometer zurück und brauchten dazu 300 Fahrzeuge. Insgesamt erzielte Swissgenetics im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 61 Mio Franken und weist einen Gewinn von 87'000 Franken aus.
Produktion von gesexten Samendosen fördern
In Zahlen
844 589 Samendosen hat Swissgentics im vergangenen Geschäftsjahr im Inland verkauft,
12 Prozent davon von der Rasse Brown Swiss
1,2 Prozent von der Rasse Eringer.
13 Prozent und damit den grössten Milchrassenanteil hat Holstein
8,5 Prozent beträgt der Anteil der Red Holstein
1,6 Prozent sind Dosen von Rotfaktorträgern
49,5 Prozent der Besamungen sind mit Beef-Rassen
5,3 Prozent der Samendosen sind Swiss Fleckvieh
2,9 Prozent sind Simmentaler
3,2 Prozent sind Dosen von Original Braunvieh
1,7 Prozent Montbéliarde
1,1 Prozent übrige
Die Anzahl der verkauften Samendosen im Inland ist trotz sinkender Kuhbestände gestiegen. So wurden in der Schweiz 844'598 Samendosen – 0,4 % mehr als im Vorjahr – abgesetzt. Dies könne eventuell auch an der Blauzungenkrankheit liegen, welche Fruchtbarkeitsprobleme verursacht habe, erläuterte Geschäftsführer Matthias Schelling die Zahlen. Deutlich gestiegen ist wiederum der Einsatz von gesexten Dosen. So wurden im abgeschlossenen Geschäftsjahr 241'417 gesexte Dosen übertragen, ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gar noch grösser ist der Zuwachs im laufenden Jahr. Per Ende Oktober sei die Anzahlt gesexter Dosen bei 67'500, was gegenüber dem Vorjahr erneut einen Zuwachs von 13,3 % Prozent bedeute, rechnete Matthias Schelling vor: «Das zeigt, wie wichtig dieser Markt ist und wie wichtig es ist, dass wir ihn selber abdecken können», betonte er die Strategie. Es zeige sich, dass die Züchter immer gezielter Kühe zur Nachzucht gesext besamen und die restlichen mit Mastrassen. Denn auch diese Kategorie legte entsprechend zu. So werden im laufenden Jahr 55 % der Besamungen mit einem Fleischrassenstier gemacht.
Es bräuchte wieder mehr männliche Kälber zur Zuchtstierremontierung
Die Produktionsbetriebe setzen ihre Besamungsstrategie so konsequent um, dass mittlerweile die männlichen Zuchttiere zur Mangelware geworden seien. 55,8 % aller Milchrasssenbesamungen werden mit gesextem Samen gemacht. Hier brauche es Lösungen, damit wieder mehr männliche Kälber zur Zuchtstierremontierung bereitstünden, gab Matthias Schelling zu bedenken. Swissgenetics rechnet mit einem weiteren Wachstum im Markt der Spezialprodukte wie gesextem Sperma und baut auch die Infrastruktur entsprechend um.
So werden künftig in Mülligen deutlich mehr gesexte Samendosen produziert werden können. Aber auch bei Optimis und Spermvital ist die Nachfrage im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. So wurden von Optimis-Stieren im vergangenen Jahr 234'904 Samendosen verkauft. Ein Plus von 6,8 % zeigt das Vertrauen der Züchter in die genomischen Zuchtwerte, welche diese Jungstiere ausweisen.
Auch das Angebot von besonders befruchtungsfähigem Spermvital-Sperma wurde häufiger genutzt. Auch hier dürfte die grassierende Blauzunge zu dieser Entwicklung beigetragen haben. So wurden 67'249 dieser besonders zeugungsfähigen Samendosen verkauft, 4,5 % mehr als im Vorjahr.
Die Angst vor Seuchen geht weiter um
Doch die Seuchenlage sorgt nicht nur für Fruchtbarkeitsprobleme, sie zwingt den Genetikanbieter auch dazu, seine Geschäftstätigkeit für den Seuchenfall umzurüsten. So will man mit Quarantäneställen den Stierenbestand schützen. Sollte es jedoch Lumpy Skin über die Schweizergrenze schaffen, hätte dies verheerende Auswirkungen auf die Arbeit der Besamer, wie Matthias Schelling betonte. Breche diese Krankheit gar in einer Stierenhaltung aus, bedeute das die Keulung aller Tiere dort. Ein Szenario, das es unbedingt zu verhindern gelte.
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