Die Erträge dürften vergangenes Jahr kaum zur guten Stimmung in der Schweizer Landwirtschaft beigetragen haben. Die Statistiken aus dem kürzlich publizierten, aktuellen Agrarbericht liefern die Zahlen zu den schlechten Ernten eines nass-kühlen Jahres, in der es z. B. 17 Prozent weniger Verarbeitungsgemüse gab (siehe Link auch am Ende des Textes).
Höhere Einzelkulturbeiträge sollen Anreize für Pflanzkartoffeln verbessern
Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), stellte den versammelten Medienschaffenden in Bern die Daten vor. Er nutzte die Statistiken, um auch darauf einzugehen, wie die Politik und Ämter auf die jeweiligen Entwicklungen einzugehen versuchen.
Zur schwachen Kartoffelernte 2024 erinnerte der BLW-Direktor an die rückläufigen Anbauflächen von Pflanzkartoffeln: «Der Anbau von Saatkartoffeln wäre aber für die Ernährungssicherheit wichtig, weshalb der Bundesrat mit einer Erhöhung der Einzelkulturbeiträge reagiert.» Damit soll der Anreiz für die Produktion von Pflanzkartoffeln steigen.
Runder Tisch gegen die Weinkrise und Hilfe für Betriebe
Die Weinernte war letztes Jahr historisch tief. «Heute sprechen wir von einer Weinkrise, weil die Keller voll sind und der Konsum sinkt», ergänzte Christian Hofer. Insbesondere der Konsum von Schweizer Wein ist 2024 gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent eingebrochen, was mit den heurigen guten Erträgen zusammenfällt. Im August 2025 hat Bundesrat Guy Parmelin laut Hofer einen Runden Tisch mit der Weinbranche einberufen. «Es wurden Massnahmen vorgeschlagen und eine Arbeitsgruppe eingesetzt, bei der das BLW im Lead ist.» Bei Liquiditätsproblemen könnten betroffene Weinbetriebe z. B. mit Geldern aus dem Betriebshilfefonds unterstützt werden.
Mehr Milchwirtschaftsbetriebe im Berggebiet – «das ist gut»
Im Gegensatz zum Pflanzenbau mit naturgemäss schwankenden Erträgen erweist sich die Schweizer Milchproduktion als stabiler. Mit 2,8 Milliarden Franken Produktionswert sei sie «das Herzstück der Schweizer Landwirtschaft, dem es Sorge zu tragen gilt», sagte Christian Hofer. Strukturwandel und Spezialisierung setzen sich auch im Milchsektor fort, man verzeichne aber mittlerweile leicht mehr milchproduzierende Betriebe im Berggebiet als in der Talzone. «Das ist gut, weil wir die Milchproduktion dort halten sollten, wo das Grünland ist: in der Berg- und Hügelzone.»
Mehr Betriebe über 50 ha, die kleinen bleiben stabil
Von 2023 auf 2024 sank die gesamte Anzahl Betriebe in der Schweiz um 1,3 Prozent auf 47 075 Höfe. Grosse Betriebe mit über 50 ha wachsen offenbar vor allem auf Kosten mittelgrosser und haben um 3 Prozent zugenommen. «Die Zahl kleiner Betriebe mit unter 3 ha ist stabil», bemerkte Christian Hofer. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass der Strukturwandel vor allem sozialverträglich vonstatten gehen müsse. «Das heisst, über Generationen, statt dass Betriebe zum Aufgeben gezwungen werden.» Wenn Höfe nicht weitergeführt würden, könnten andere wachsen und erhielten so eine Perspektive. Erfolgreiche Betriebe sollen sich am Markt etablieren können. «Wir haben aber kein Ziel mit einer genauen Anzahl der Höfe», beantwortete der BLW-Direktor die Frage eines Anwesenden.
Nicht aufgrund von Notlösungen mehr Betriebsleiterinnen
Sehr positiv wertet Christian Hofer, dass 2024 3,9 Prozent mehr Höfe von Frauen geleitet werden. Man habe zwar nicht explizit erhoben, ob die Überschreibung an die Ehefrau in gewissen Fällen ein Ausweg war, wenn der bisherige Betriebsleiter über 65 Jahre alt ist. «In der Ausbildung gibt es auch mehr Frauen, und ausserdem hätte man auch schon früher Betriebe aus diesem Grund überschreiben können», gab er zu bedenken. Hofer bezweifelt, dass die Zunahme der Betriebsleiterinnen in den letzten Jahren darauf zurückzuführen ist.
Halb so viele Befragte beklagen zu geringe Wertschätzung
Zu den erfreulichen Resultaten des Agrarberichts 2025 zählen die Ergebnisse der Umfrage zur Lebensqualität, die vom BLW alle vier Jahre durchgeführt wird. Generell schätzen die im Frühling 2025 befragten Bauernfamilien – offenbar den schlechten Ernten zum Trotz – ihre Lebensqualität höher ein als noch 2021. Hauptgrund dafür sei eine markante Verbesserung bei den Themen Wertschätzung und Arbeitszeit. «Bei der Umfrage werden 12 Bereiche abgefragt», erläuterte BLW-Mitarbeiter Simon Lanz die Details. «Bei den meisten gibt es tendenziell eine Verbesserung.» Noch 15 Prozent der Umfrageteilnehmenden beklagen sich demnach über eine zu geringe Wertschätzung ihres Berufsstandes. 2021 waren es noch doppelt so viele gewesen. Auch bei der Arbeitszeit werde die Situation deutlich weniger negativ beurteilt. Nach wie vor am meisten schätzen Landwirt(innen) und Bauern und Bäuerinnen ihre Selbstständigkeit und die Natur- bzw. Tierverbundenheit ihrer Arbeit.
Auf drei Pisten den administrativen Aufwand senken
Zur weiteren Verbesserung der Lebensqualität in der Landwirtschaft soll nicht zuletzt die Vereinfachung der Administration beitragen. Der BLW-Direktor nannte die drei Pisten, auf denen derzeit gearbeitet wird: Die Umsetzung des Aktionsplans zur Vereinfachung des Kontrollwesens soll ab 2026 starten, für 2027 ist ein Monitoring vorgesehen.
Weitere Massnahmen seien im Verordnungspaket 2026 geplant, mit Umsetzung ab 2027. Christian Hofer stellte hier etwa in Aussicht, dass der Produktionssystembeitrag für schonende Bodenbearbeitung nicht mehr auf einem gewissen Teil der Anbaufläche eingehalten werden muss, sondern parzellenspezifisch. Die dritte Piste zur Reduktion des administrativen Aufwands ist die AP 30+, zu der im zweiten Semester 2026 die Vernehmlassung folgen soll.
Der Agrarbericht erscheint immer im November und ist daher mit Zahlen zum Vorjahr nicht gerade brandaktuell. Man sei angewiesen auf die Statistiken, die nicht früher vorlägen, erklärte Christian Hofer. Künftig wolle das BLW Analysen zeitnaher laufend auf seiner neu gestalteten Website veröffentlichen, statt am Ende des Folgejahres in Form eines Agrarberichts mit separater Website.
1