Die Medien-Konferenz des Schweizer Bauernverbandes SBV fand, wie auch in den letzten Jahren, in der ersten Januarwoche statt. Auf dem Hof der Gebrüder Etter in Meikirch erläuterte die Spitze des Bauernverbandes, welche Themen der Agrarpolitik in diesem Jahr wichtig sind. Christoph Etter eröffnete den Anlass und stellte den Betrieb vor, den er zusammen mit seinem Bruder Daniel in einer Gebrüder-Gemeinschaft führt. 

Danach sprach Daniel Etter über die wirtschaftliche Situation des Betriebes. Er betonte, dass sie ihr Einkommen am Markt erzielen, und Direktzahlungen auf ihrem Betrieb nur rund 15 Prozent des Betriebsumsatzes – ohne das Lohnunternehmen – ausmachen. Ihr Betrieb sei darum auf eine verlässliche Agrarpolitik und auf stabile Preise für Agrarprodukte angewiesen. Ihm ist wichtig, das zu produzieren, was am Markt gefragt ist – und nicht, was die Politik vorschreibt.

Agrarpolitik 2030: Versorgung der Bevölkerung

Anne Challandes, Vizepräsidentin des SBV, ging in ihrem Referat auf die Agrarpolitik AP 2030 ein. Sie fordert, dass der Hauptzweck der Landwirtschaft weiterhin die Versorgung der Bevölkerung mit pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln bleibt. Zudem betont sie: «Die Einkommen der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte sind immer noch wesentlich tiefer als in den vergleichbaren Sektoren.» 

Deshalb verlangt sie, dass die AP 2030 die Wertschöpfung stärkt. Und den administrativen Aufwand für die Bauernfamilien reduziert. Der SBV mache sich zudem allergrösste Sorgen, um den heftigen Preiskampf im Detailhandel und das Sparpaket der Bundesfinanzen. 

Zwängerei-Initiative: Die Umsetzung sei schlicht nicht möglich

Martin Rufer, Direktor des SBV, nahm klar Stellung zu der anstehenden Ernährungsinitiative. Er bezeichnete das politische Anliegen als Zwängerei. Die Hauptforderung ist ein Netto-Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent. Im Jahr 2024 erreichte die Schweizer Landwirtschaft einen Selbstversorgungsgrad von 42 Prozent. 

Er betont, dass die Schweiz diesen Wert nur erhöhen könne, wenn die Landwirtschaft ihre Tierbestände reduzieren und die Bevölkerung ihre Ernährungsgewohnheiten komplett umstellen würde. In Kriegs- oder Krisenzeiten könne die Regierung solche Zwangsmassnahmen anordnen – in der heutigen Zeit sei die Umsetzung solcher Vorgaben aber schlicht unmöglich.

Herausforderungen durch Freihandel mit USA und Mercosur

Markus Ritter, der Präsident des SBV, erklärt, dass sich die Schweizer Landwirtschaft 2026 im Auge des Sturms, also in einer relativ ruhigen Zone, befinde. Das letzte Jahr sei für die Landwirtschaft ein gutes gewesen, könne aber die vorhergehenden schwierigen Jahre nicht ausgleichen. Auch das kommende Jahr werde für die Bauernfamilien herausfordernd, betonte er

Ein Augenmerk liegt auf den Produzentenpreisen; der Konkurrenzkampf der Detailhändler dürfe nicht die Preise senken. Der SBV werde mit Argusaugen sehr genau darauf achten, dass die Detailhändler ihre Versprechen halten und keinen Druck auf die Produzentenpreise ausüben würden. 

Zu den Freihandelsabkommen sagt Ritter, dass der vorliegende Deal mit den USA akzeptabel sei, da die gemachten Zusagen innerhalb der WTO-Kontingente liegen. Das Mercosur-Freihandelsabkommen betreffe hingegen 25 bilaterale Kontingente im Agrarbereich. Die Schweizer Landwirtschaft könne deren Umsetzung ohne Begleitmassnahmen nicht tragen. Ritter sagt dazu: «Sonst stimmen wir nicht zu! Ich denke an Strukturverbesserungs-Massnahmen, um die Investitionsfähigkeit und Investitionsbereitschaft der jungen Bauernfamilien zu fördern.»

Das Jahr 2026 ist für die UNO das «Jahr der Weiden und Hirten» – das Grasland Schweiz passt da hervorragend zum Thema. Gleichzeitig ist es das UNO-Jahr der Landwirtinnen. Kaderfrauen in landwirtschaftlichen Betrieben sollen gefördert werden, sei es als Betriebsleiterinnen, Co-Betriebsleiterinnen oder Leiterinnen eines Betriebszweigs.

Betrieb Etter, Meikirch
[IMG 2]
Der Bauernhof der Brüder Etter liegt am Südhang des Frienisberg auf 650 Meter über Meer, in der Talzone. Die Betriebsfläche beträgt 48 ha LN und 16 ha Wald. Familie Etter bauert in der sechsten Generation auf dem Hof. Sie produziert, mit 29 Milchkühen im Laufstall, silofreie Milch für die Emmentaler-Käserei auf der anderen Strassenseite. Beim Ackerbau dominieren Winterweizen mit 14 ha und Kartoffeln mit 10 ha Fläche. Daneben bauen sie Wintergerste, Winterraps, und Zuckerrüben an. Das Getreide vermarktet die Familie als Saatgetreide. 63 Hochstammobstbäume und die 12 Bienenvölker runden das Bild des vielfältigen Bauernhofes ab. Zum Betrieb gehört auch das Lohnunternehmen Agrar-Team Meikirch. Mit modernster Technik führt dieses die vielfältigsten Lohnarbeiten aus. Vom Säen über Düngung und Pflanzenschutz, bis zu Erntearbeiten machen Etters alles. Christoph Etter sagt dazu: «Letztes Jahr haben wir mit unserem Grimme-Vollernter 63 ha Kartoffeln geerntet.»

Webseite des Betriebs