Minus 15 Prozent Nährstoffverluste beim Stickstoff und 20 Prozent beim Phosphor bis 2030: Bisher ist die etwa die Hälfte des Weges zu den Zielen des Absenkpfads geschafft. So war es an der Nachhaltigkeitstagung von Agroscope in Reckenholz ZH zu hören. «Mittelmässig», so die Einschätzung von Agroscope-Forscher Frank Liebisch zum heutigen Stand der Zielerreichung. Schliesslich stagniere der Trend. Ausserdem sollten die 15 bzw. 20 Prozent seiner Meinung nach nur ein Zwischenziel sein. «Für das Klima und Netto-Null braucht es mehr.» Das sei nicht das Ende der Fahnenstange.
Nicht mehr viele Massnahmen im Köcher
Die jetzigen Ziele des Absenkpfads brachten in Reckenholz aber bereits eine rege Podiumsdiskussion in Gang. Michel Darbellay vom Schweizer Bauernverband (SBV) sprach von einem ambitiösen Niveau. «Die Schleppschlauchpflicht ist umgesetzt, das muss jetzt rollen», gab er zu bedenken. Die nationale Nährstoffbilanzierung beruht auf einem 3-Jahresschnitt und hinkt der aktuellsten Entwicklung daher hinterher. «Aber wir haben nicht mehr viele weitere Massnahmen im Köcher», so Darbellay. Es brauche noch grosse Bemühungen und gute Zusammenarbeit – und es gelte immer das grosse Bild im Blick zu halten. «Das Ziel ist eine höhere Effizienz, und nicht eine kleinere Inlandproduktion.»
Effizienz statt Umweltschutz betonen
Laut Agroscope ist es möglich, den Absenkpfad ohne eine Verkleinerung des Tierbestandes und mit gleichbleibenden Erträgen zu erreichen. «Wir würden dem gerne zustimmen», meinte Michel Darbellay. Seiner Meinung nach ist aber auch zu berücksichtigen, dass eine wachsende Bevölkerung zu versorgen ist. Die Priorität des SBV bestehe darin, das Wissen zur Effizienzsteigerung zu den Landwirt(innen) zu bringen. «Die Leute müssen überzeugt werden.» Daher liege die Betonung auf der Effizienz und weniger auf dem Umweltschutz.
«Viel muss von der Branche selbst kommen»
Gabriele Schachermayr vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gab sich optimistisch, sofern die bekannten Massnahmen breit umgesetzt würden. «Aber viel muss aus der Branche selbst kommen.» Wenn mit der laufenden Überarbeitung der Suisse-Bilanz mehr Vergleiche möglich und die Bemühungen von Einzelbetrieben sichtbar werden, könne das die Landwirt(innen) zusätzlich motivieren. Weiter kann das BLW Anreize schaffen, z. B. mit ergebnisorientierten Direktzahlungen im Rahmen der AP 30+. Frank Liebisch berichtete von einem beiderseits bereichernden Austausch zwischen der landwirtschaftlichen Praxis und der Forschung innerhalb von Projekten.
Keine Schuld in Sachen Zuströmbereiche
Marc Andrey brachte die Problematik verunreinigten Grundwassers zur Sprache. «Da kann die Landwirtschaft für einmal nichts dafür», sagte Gabriele Schachermayr nachdrücklich. Die Kantone haben ihr zufolge die für den Schutz des Grundwassers nötigen Zuströmbereiche aufgrund von Nutzungskonflikten vielerorts noch nicht ausgeschieden. Sie kämen etwa Infrastrukturprojekten in die Quere. «Jetzt hat ja die Politik gehandelt», ergänzte Michael Schärer, Sektionschef Grundwasserschutz beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). Er findet aber, zum Schutz des Grundwassers sein ein Zusatzeffort nötig. Denn das bedeute auch, für sauberes Trinkwasser zu sorgen.
Freiwillig, kein Zwang
«Es gibt Massnahmen zur Erreichung der Ziele des Absenkpfads. Wir sollten unsere Energie für deren Umsetzung verwenden und parallel dazu Ergänzungen diskutieren», meinte Gabriele Schachermayr in ihrem Schlussvotum. Michel Darbellay versicherte, die Landwirtschaft bemühe sich und suche zusammen mit Wissenschaft und Ämtern nach neuen Möglichkeiten für mehr Effizienz. Einen Zwang lehnt er aber klar ab, ebenso wie Lenkungsabgaben. «Ich wünsche mir von allen Seiten eine gute Zusammenarbeit», meinte Frank Liebisch abschliessend. «Das sind wir der Landwirtschaft und der Gesellschaft schuldig.»
Good Practices, damit es nicht zu neuen Auflagen kommt
Der Schweizer Bauernverband (SBV) engagiert sich in der Reduktion der landwirtschaftlichen Nährstoffverluste, indem er die Akteure vernetzt, erklärt Michel Darbellay auf Anfrage. Mit verschiedenen Ansätzen versuche man, die Wahrnehmung zur Nährstoffeffizienz zu steigern. «Ein Output, der zu wenig bekannt ist, ist die mit Agridea veröffentlichte Massnahmenliste», sagt er (siehe Link zur Website unten). «Wir sind überzeugt, dass die Landwirtschaft mit der Verstärkung von Good Practices wesentlich zur Zielerreichung beitragen kann.» Damit lasse sich auch vermeiden, dass neue Auflagen eingeführt werden.
Der SBV hat laut Michel Darbellay proaktiv die Akteure an einem Tisch versammelt. Eine Plattform Nährstoffe werde vom SBV geführt, wo Agridea, Agroscope, HAFL und das Beratungsforum Schweiz ihre Erkenntnisse und Vorschläge einbringen. «Aus Ressourcengründen ist das BLW ausgestiegen, was wir bedauern.» Weiter gibt es von Seiten SBV das Kompetenznetzwerk Hofdünger, um die Effizienz auch in diesem Bereich zu steigern. Darbellay betont, dass als dies nur dann Früchte tragen kann, wenn der Wissenstransfer gelingt. «Wenn sich die Landwirt(innen) noch mehr bewusst sind, dass jeder vermiedene Nährstoffverlust ein Gewinn ist.»
Liste mit Massnahmen gegen Nährstoffverluste