Agroimpact ist ein noch junger Verein, der die Klimatransformation der Schweizer Landwirtschaft begleiten will. An der dritten Generalversammlung in Bern konnte Geschäftsführerin Aude Jarabo hohe Zahlen präsentieren: In zwei Jahren hat Agroimpact 205 Landwirtschaftsbetriebe in sechs Kantonen begleitet, die insgesamt rund 11 000 ha umfassen. Es wurden jeweils Kohlenstoffbilanzen gerechnet und 179 Aktionspläne vereinbart, um Emissionen einzusparen bzw. Kohlenstoff im Boden zu speichern. «Auf diese Weise haben wir zur Reduktion von 125 758 t CO₂-Äquivalenten beigetragen», so Jarabo. Diese Menge sollte den Berechnungen zufolge über einen Zeitraum von sechs Jahren nicht emittiert oder gebunden sein.

14,3 Millionen Franken Klimaprämien zugesagt

Klimaschutz in der Landwirtschaft Agroimpact will schweizweit aktiv werden: Wie funktioniert die Initiative? Sunday, 5. October 2025 An Agroimpact sind neben Landwirt(innen) auch Beratung, Forschung und die Abnehmerseite beteiligt. Die Industrie hat insgesamt bisher 14,3 Millionen Franken Klimaprämien für dekarbonisierte Produkte zugesagt. Der Ansatz ist, für Rohstoffe aus klimaschonender Produktion mehr zu zahlen und so den eigenen Klimazielen (SBTI) zu genügen. Agroimpact bezeichnet das als einzigartiges «In-Setting», da pro kg Ware abgerechnet wird. Für einen Zeitraum von sechs Jahren sind zum aktuellen Stand 3,97 Millionen Franken Prämien an die Landwirt(innen) vergeben.

Der Verein als Plattform will weiterwachsen. Heute gehören ihm 52 Mitglieder aus der ganzen Wertschöpfungskette an, man sieht sich als «unverzichtbares Kompetenzzentrum an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Klima». «Unser Ziel ist 1000 Betriebe bis Anfang 2027», sagte Aude Jarabo. Bis 2028 sollen es 5000 sein.

HAFL, Nationalrat und Agridea in den Vorstand

Im September 2025 hat Agroimpact klargestellt, eine nationale Plattform werden zu wollen. Dazu passt die Deutschschweizer Verstärkung im Vorstand:

  • Peter Spring, Fachbereichsleiter Agronomie an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), wurde an der GV zum neuen Vizepräsidenten gewählt.
  • Der Berner Nationalrat und Landwirt Hans Jörg Rüegsegger vertritt neu die Produzentenverbände.
  • Markus Rombach, Gruppenleiter Tierhaltung und Klima bei Agridea, ist neuer Vertreter der landwirtschaftlichen Beratung.

Biomilchbauer wird neuer Präsident von Agroimpact

Klimaschutz in der Landwirtschaft Vier Betriebe und wie sie via Agroimpact ihre Klimabilanz verbessern Monday, 6. October 2025 Weiter wurden Martin Pidoux, Prométerre (Vertreter der Landwirtschaftskammern),  Benoît Stadelmann (WWF, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen), David Maradan (Geneva School of Business Administration, HEIG, Vertreter der Forschung) und Daniel Imhof (Nestlé, Vertreter für Industrie und Handel) wiedergewählt. Der bisherige Präsident von Agroimpact und Prométerre-Präsident Claude Baehler gibt sein Amt an Marc Benoit ab. Der Landwirt aus Romainmôtier VD führt zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn einen Betrieb mit 69 ha in der Bergzone I, produziert Biomilch für Mooh und Vaccherin Mont d’Or. Ausserdem produziert Benoit auf 10 ha Saatgetreide für die ASS in Moudon VD.

«Als einer der ersten 20 Testbetriebe konnte ich mich von der Seriosität und Professionalität des Verfahrens überzeugen», erklärte Marc Benoit seine Motivation für das verstärkte Engagement bei Agroimpact. Er zeigte sich überzeugt, dass die Arbeitsweise des Vereins die einzige sei, die es der Landwirtschaft ermöglichen wird, die CO₂-Reduktionsziele zu erreichen. «Ich bin daher motiviert, die Kräfte im Vorstand und in der Versammlung zu bündeln, damit Agroimpact in seinem vollen Wert anerkannt und in grossem Umfang genutzt wird.» 

Klima als ein sehr wichtiges Thema in der Karriere

Peter Spring beschrieb die Arbeit bei Agroimpact bzw. fürs Klima als sehr wichtig: «Gegen Ende seiner Karriere sollte man sich noch dem Wichtigsten widmen», meinte er an der GV. «Und weil ich derzeit keine Grosskinder habe, ist das das Klima.» Hans Jörg Rüegsegger ist überzeugt, dass in gewissen Themen die Hoheit bei der Basis liegen sollte – das Klima gehört für ihn dazu. «Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, damit Bauernfamilien und Wertschöpfungskette dieses Thema aktiv angehen.» Als Vertreter der Beratung im Vorstand will Markus Rombach Brücken bauen und «vorhandenes Wissen möglichst schnell in die Praxis bringen.» 

Verstärkt als Kompetenzzentrum aktiv

Für 2026 ist die Suche nach neuen Mitgliedern und Finanzierern für die Plattform geplant. Hier erwähnte Aude Jarabo neben Industrie und Handel auch Mäzene und Stiftungen oder andere Sektoren wie Banken oder Versicherungen, die sich finanziell durch freiwillige Beiträge beteiligen können. Die Verpflichtung mit Zeithorizont sechs Jahre soll für Verlässlichkeit und Planungssicherheit sorgen. Offenbar sind aber diverse Akteure an Agroimpact interessiert. «Wir wollen unsere Rolle als Kompetenzzentrum verstärken», fuhr die Direktorin fort. So könnten Datenbanken und Szenarien für die Dekarbonisierungsstrategien von Industrieunternehmen, Branchen, Produzentenverbänden oder anderen erstellt werden. In diesem Jahr will Agroimpact ausserdem mehr in die Kommunikation investieren.

Zentral sind in diesem Jahr zwei neue Projekte: Die Ausarbeitung eines Biodiversitäts-Indikators mit entsprechenden Prämien und die Vereinfachung der Prozesse.

Indikator und Prämien für Biodiversität, um SBTN-Ziele zu erreichen

Abo Stellten das Projekt vor: Wolfgang Sturny, Swiss No-Till; Daniel Imhof; David Jaccoud; Aude Jarabo, Agroimpact; Eugenio Simioni (v. l. n. r.). Klimaschutz Nestlé belohnt Landwirte, die klimafreundlich wirtschaften Friday, 18. July 2025 Der neue Indikator für Biodiversität soll analog die Berechnung der eingesparten Emissionen und gebundenen Kohlenstoffmenge dazu dienen, die biologische Vielfalt auf den Betrieben zu verbessern. Die damit verbundene Prämie honoriert die Bemühungen der Landwirt(innen). «Die Finanzierung von Massnahmen zur Förderung der Biodiversität wird es den beteiligten Unternehmen ermöglichen, ihre SBTN-Ziele zu erreichen», erklärte Mathilde Delly von WWF Schweiz. SBTN steht für «Science Based Target Network» und erweitert die SBTI (Science Based Target Initiative, für den Klimaschutz) um Umweltziele wie eben betreffend die biologische Vielfalt. An der Entwicklung von Biodiversitäts-Indikator und -Prämie arbeiten bei Agroimpact neben dem WWF Wissenschaftler und Landwirtschaftsorganisationen mit. Eine erste Pilotphase beginnt im Juni 2026, fertig sein soll das Instrument bis 2028.

Digitales Tool als Service für diverse Akteure

Zur Vereinfachung der Prozesse erläuterte Rolf Schweizer von Bio Inspecta, das Ziel sei ein digitales Tool für Landwirtschaftsbetriebe. Es soll sich «wie ein Schweizer Taschenmesser» an die einzelnen Bedürfnisse anpassen lassen, um beispielsweise den Klimafussabdruck eines Produkts oder auf Unternehmensebene zu berechnen – mit maximal zwei Stunden Zeitaufwand für eine CO₂-Bilanz. Das ermögliche z. B. das Erstellen von Aktionsplänen und Szenarien, so Schweizer. «Der Service richtet sich an alle Geschäftspartner», sagte Rolf Schweizer. Das Tool soll demnach dereinst Branchen und Organisationen oder Einkäufern, aber auch Behörden zur Verfügung stehen.

«Die Klimatransition der Landwirtschaft wird nicht verordnet, sondern gemeinsam und dauerhaft aufgebaut», betonte Aude Jarabo abschliessend. Um Agroimpact langfristig im Dienst der Landwirtschaft zu verankern, müssten wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit in Einklang gebracht werden.