Vor zwölf Jahren wurden Sie als Nachfolger von Beat Liver zum Präsidenten der Stierenhaltervereinigung gewählt. Nun gaben Sie dieses Amt an den Muotathaler Oswin Betschart weiter. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Franz Winterberger: Trotz abnehmender Betriebszahlen konnten wir unsere Mitgliederzahl bei rund 300 halten. Persönlich habe ich vor allem an den jungen Züchtern Freude, die in den letzten Jahren bei uns Mitglied wurden. Positiv ist sicher auch, dass wir zusammen mit Braunvieh Schweiz und der Genossenschaft Markthalle Sargans erreichten, dass es mit dem Sarganser Stierenmarkt wieder aufwärts ging. Neben der Vermittlung von Natursprungstieren hat sich auch unser eigener Genetik-Katalog mit abgesamten Stieren von interessierten Vereinsmitgliedern etabliert. In unserem Angebot finden Züchter vielfach Genetik aus noch weniger stark verbreiteten Blutlinien. Alljährlich präsentieren unsere Züchter zudem auf ihren Betrieben Halteprämien oder sogar männliche Zuchtfamilien und geben so einen Einblick in das Vererbungsmuster ihrer Stiere.
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Welche Vorteile sehen Sie denn bei einem Natursprungstier? Sie züchten mit dieser Strategie ja eigentlich immer mit ungeprüfter Genetik?
Dank einem eigenen Stier im Stall wird die Herde ausgeglichener, was die tägliche Arbeit vereinfacht. Finanziell ist ein Zuchtstier ebenfalls interessant, da die Kosten für die künstliche Besamung wegfallen. Zudem zeigen die Kühe im Stall ihre Brunst ausgeprägter. Bei den aktuellen Schlachtviehpreisen ist auch der Erlös eines abgehenden Stieres interessant. Ich selber achtete beim Jungstier-Ankauf immer auf starke und gut abgesicherte Kuhfamilien. Zudem vertraute ich auf mein Züchterauge. Entsprechend kamen wir, obwohl wir mit Genetik ohne ein Nachzuchtprüfungsresultat arbeiteten, in der Zucht klar vorwärts.
Sie führten zusammen mit Ihren beiden Brüdern Albin und Fred während 40 Jahren gemeinsam einen 50 Hektar grossen OB-Zuchtbetrieb im Haslital. Wie viele Original Braune Stiere standen in dieser Zeit in Ihrem Stall?
Einerseits zogen wir Jungstiere auf, die wir an den Stiermärkten in Zug und Sargans und auch privat verkauften. Das waren wohl gegen 200 Stiere. Andererseits hielten wir in dieser Zeit gemeinsam mit unserem Züchterkollegen Dres Anderegg auch immer eigene Zuchtstiere. Das waren nur rund zwölf Stiere, da wir mit diesen mehrheitlich bis ins hohe Alter arbeiteten.
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Welcher dieser Stiere überzeugte Sie am meisten?
Darunter waren mehrere Stiere, die unsere Zucht vorwärts brachten. Stiere wie Nippel, Rampas, Vero U-Bach oder auch Edual kamen infolge ihrer starken Nachkommen später auch in den KB-Einsatz. Die grössten Spuren in unserem Stall hinterliess aber Gral. Seine Töchter, beispielsweise Gral Bea, waren sehr gefällige Tiere und überzeugten auf unserem Betrieb und auf der Alp Breitenboden mit ihrer starken Euterqualität und Wirtschaftlichkeit.
Mit einem Stier im Stall steigt auch die Unfallgefahr. Hatten Sie auch schon einen Muni mit einer Charakterschwäche? Was raten Sie Landwirten, die neu in die Stierenhaltung einsteigen?
Wir hatten in den ganzen 40 Jahren keinen einzigen Stier, der vom Charakter her negativ auffiel. Wichtig im Umgang mit Stieren ist, einerseits Respekt, Autorität und Ruhe auszustrahlen, andererseits den Stier immer spüren zu lassen, wer der Chef ist. Der Stier muss bei Bedarf eng am Ring geführt und mit Wohlwollen und Veränderungen in der Tonlage erzogen werden. Gewalt ist nicht der richtige Weg, denn ein Stier vergisst nie und ist viel sensibler als eine Kuh. Die Haltung eines Zuchtstieres benötigt Zeit, man sollte mit ihm bei der Stallarbeit täglich kommunizieren und ihn immer wieder kraulen. So kann man sein Vertrauen gewinnen und erhalten.