Ob Schwingerkönig Armon Orlik, Seriensieger Samuel Giger oder Edeltechniker Werner Schlegel – die Nordostschweizer Spitzenschwinger werden es den Gästen am diesjährigen Nordostschweizerischen Schwingfestes (NOS) 2026 in Güttingen nicht leicht machen. Entsprechend gross ist die Chance, dass Siegermuni Waldis nach dem Schlussgang von einem Nordostschweizer Schwinger in Empfang genommen werden kann. Dass Stier Waldis aber vom Festsieger auch nach Hause genommen wird, ist eher unwahrscheinlich, denn immer weniger Schwinger sind aktive Rindviehhalter, und noch weniger davon Stierhalter. Somit ist die Chance gross, dass Waldis wieder auf den Hof der Besitzerfamilie Marina und Romeo Wildhaber in Schocherswil zurückkehren wird.
Waldis hat eine ausgeprägte Blüem-Zeichnung
Der aktuell 19 Monate alte Muni Waldis ist ein Brown Swiss Stier. Das Besondere an ihm ist seine ausgeprägte Blüem-Zeichnung. «Waldis ist ein schöner Blüem. In der Zeichnung zeigt er ein schönes Halsketteli.
Allerdings ist die weisse Zeichnung an seinem Kopf auf einer Seite etwas zu wenig gesprenkelt», erklärt Romeo Wildhaber. Der 50-jährige Landwirt gilt als Blüem- und Gurtexperte und ist für seine Zuchttiere bekannt. Rund die Hälfte seiner 75 Kühe hat eine mehr oder weniger ausgeprägte weisse Zeichnung.
Nachfrage etwas zurückgegangen
Romeo Wildhaber, der ursprünglich vom St. Galler Flumserberg stammt, konnte seinen heutigen Betrieb in Schocherswil im Jahr 2000 von seinem Lehrmeister übernehmen. Schon dieser hatte einen Blüem und ein Gurt im Stall. «Ich züchte heute auf Blüem- und Gurttiere, weil ich einerseits selber grosse Freude an diesen speziellen Tieren habe, andererseits ist der Verkaufserlös für diese höher als bei normalen Braunviehtieren», erklärt Romeo Wildhaber.
Die Nachfrage sei immer noch hoch, aber nicht mehr ganz so extrem wie vor einigen Jahren. Das habe auch damit zu tun, dass Stiere wie der reinerbige Gurt-Stier Thom über die künstliche Besamung erhältlich seien. «So ist die Möglichkeit natürlich grösser, dass im eigenen Stall ein Kalb mit einer speziellen Zeichnung zur Welt kommt», so Romeo Wildhaber.
Schöne Zeichnung braucht auch Glück
Wiese ein Elternteil Reinerbigkeit auf, gäbe es sicher ein Gurt- respektive ein Blüemkalb. «Das heisst aber noch nicht, dass dieses Kalb auch eine schöne Zeichnung hat. Es kann auch sein, dass die weisse Zeichnung nur am Schwanz oder an den Beinen auszumachen ist.»
Aber auch eine zu starke Ausprägung der weissen Fellfarbe sei möglich. Um ein schön gezeichnetes Blüem- und Gurttier zu erhalten, brauche es viel Züchterglück. «Entsprechend spannend ist es darum bei uns jeweils bei der Geburt eines Kalbes», so Wildhaber.
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Zucht machte in den letzten Jahren grosse Fortschritte
Blüem- und Gurtkühe gelten in vielen Regionen als Glücksbringer. Der Zuchtfortschritt bei diesen speziellen Tieren sei in den vergangenen Jahren gross gewesen. Heute wünschen sich Käufer nicht nur eine schöne Zeichnung, sondern auch ein ansprechendes Exterieur und eine hohe Milchleistung. Auch auf dem Betrieb von Marina und Romeo Wildhaber ist eine ansprechende Milchmenge wichtig. Der Stalldurchschnitt liegt bei 8000 Kilogramm.
Entsprechend achten sie beim Ankauf eines Jungstieres auf die Milchleistung der Ahnen und die Leistungszuchtwerte. Bei Stier Waldis stimmt beides. Er weist selber einen Zuchtwert Milch von fast 1000 kg auf und seine Mutter Blüemli produzierte schon als Jungkuh über 8000 Liter Milch. Auch Blüem, die Grossmutter von Waldis, ist eine gute Milchkuh, sie hat in sieben Laktationen einen Schnitt von fast 8000 Litern.
Vorbildliches Verhalten beim Fotoshooting
Waldis hatte Mitte März anlässlich eines Fotoshootings zusammen mit den Sponsoren seinen ersten Auftritt als Siegerpreis. «Er präsentierte sich vorbildlich und war ruhig wie ein Lamm», rühmt Romeo Wildhaber seinen Muni. So zeige er sich aber nicht immer: «Kalbt im Stall eine Kuh oder passiert sonst etwas Aussergewöhnliches, macht sich Waldis oft mit kräftigem Brüllen bemerkbar.»
Romeo Wildhaber ist aber zuversichtlich, dass sich Waldis auch in den kommenden Monaten von seiner besten Seite präsentiert: Am 25. April wird seine offizielle Taufe stattfinden, denn eigentlich heisst er aktuell noch Benito. Und am 28. Juni ist dann der grosse Tag, Waldis wird seinen Auftritt in der Schwingerarena in Güttingen haben.