Simone und Leo Müller sind beide schwingbegeistert. Bevor Tochter Luana 2023 auf die Welt kam, seien sie bestimmt an zwanzig Schwingfesten pro Jahr als Besucher und Fans von Armon und Curdin Orlik vor Ort gewesen. Denn die beiden Brüder sind die Cousins mütterlicherseits von Leo. Jetzt, nach der Familiengründung und der Hofübernahme Anfang 2024, seien es nur noch vier bis fünf Schwingfeste, an denen sie nicht minder begeistert dabei seien.
Drinnen und draussen viel gemacht
Sie sind bereits die sechste Generation Müller auf dem rund 22ha umfassenden Oberhuserhof im aargauischen Unterlunkhofen. Das Besondere: Leo hat den Hof von seiner Mutter übernommen. Sie hatte wie bereits seine Gross- und Urgrossmutter die Betriebsleitung in der Hand. Mit der Übergabe erfolgte auch ein Umbau des Hauses. Dabei wurden die Räume umgestaltet und entsprechend auch Wanddurchbrüche gemacht. Hier kam nun Armon Orlik ins Spiel: Als Bauingenieur berechnete er die Statik des Hauses und nahm so eine wichtige Position bei der Renovierung ein.
Nicht nur im Haus, sondern auch draussen wurde einiges geändert. Es folgten ein Anbau, der Umzug der Kälber und anschliessend ein neuer Miststock mit einer Wand als Abtrennung. Die Wand wurde ungefähr im Zeitraum des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes errichtet. Man könnte sagen, sie ist mit Armon Orlik gross geworden.
Graffiti-Kunst vom Berliner Sprayer «Tank»
Dass auf ebendieser Wand ein Graffiti entstehen soll, sei eher eine Schnapsidee gewesen, erzählt Simone. Kurz überlegten sie und Leo, das Logo des Hofes sprayen zu lassen. Nach dem Sieg von Armon Orlik war für beide aber klar: Wenn ein Graffiti, dann Leos Cousin. Grosse Auswahl an Künstlern hatten Müllers nicht, denn es sei gar nicht so einfach, einen Sprayer zu finden, der Portraits fotorealistisch gestaltet. Vermittelt hat ihnen dann die Bündner Firma Wand AG den Künstler «Tank» aus Berlin. Dieser hat bereits riesige Hauswände, beispielsweise mit Heidi Klum als Sujet, gesprayt. Müllers Wand mit knapp neun Quadratmetern ist somit eher ein winziges Projekt für den Deutschen.
Die Wand wurde vorab grundiert und weiss gestrichen, bevor «Tank» an die Arbeit gehen konnte. «Als Vorlage haben wir ihm mehrere Fotos von Armon und Orlik zugesendet. Welche er dann ausgewählt hat, war auch für uns eine Überraschung», meint Leo. Während der gut vier Tage, in denen das Portrait entstand, konnte «Tank» bei Müllers auf dem Hof wohnen. Denn die beiden haben ein Airbnb-Zimmer, das sie ihm in dem Zeitraum zur Verfügung stellen konnten. Die Entstehung des Kunstwerkes mitzuerleben, sei schon sehr spannend gewesen: «Wir haben gestaunt über sein Talent», schwärmt Simone.
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Eine Schnapsidee erntet positive Reaktionen
Auch die Reaktionen aus dem Umfeld waren rundum positiv. Einige konnten es kaum glauben, dass das Portrait wirklich gesprayt und nicht mit dem Pinsel gemalt worden war. Gerade weil man mit Graffiti häufig eher die Schmierereien in einer Bahnhofsunterführung assoziiere. So hat «Tank» eindrucksvoll bewiesen, dass das Sprayen noch immer eine absolut unterschätzte Kunstform ist.
Die Wand ist von der Strasse her nicht sichtbar; wer sie sehen möchte, muss den Hof betreten. So gebe es auch keinen grossen «Tourismus», erklärt Leo. Die Familien aus dem Dorf, die mit den Kindern die Kühe und Kälber anschauen, oder die Kund(innen) vom Hofladen dürften aber gerne schauen gehen.
Wer die Wand noch nicht gesehen hat, ist Armon Orlik selbst, denn der Schwingerkönig hat bisher noch keine Zeit gefunden. Eine zweite Wand hätten sie noch, meint Simone halb im Scherz. Falls also sein Bruder Curdin das nächste ESAF gewinne, sei er dann vielleicht die nächste «Schnapsidee».