SBV-Präsident Markus Ritter eröffnete die Delegiertenversammlung ohne jede Beschönigung. Er stellte ein Bild ins Zentrum, das die Stimmung des ganzen Tages prägte: Ein Seiltänzer – unten die Schlucht aus steigenden Kosten, Anbaurisiken, Tierseuchen und neuen Gefahren; oben die Erwartungen von Politik und Gesellschaft.

«Auf einem schmalen Seil balancieren wir Bauernfamilien zwischen Politik, Markt und Wetter. Jeder Schritt muss überlegt sein. Stehenbleiben ist keine Option.»

Mit diesen Worten rief Ritter die Delegierten dazu auf, ihre Anliegen noch entschlossener zu platzieren.

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Bürokratie, Vorgaben, Detailhandel – der Druck steigt

Ritter beschrieb eine Belastung, die Jahr für Jahr zunimmt: «Jedes Jahr kommen neue Anforderungen und Vorgaben dazu.» Die administrative Dichte sei enorm; die Geduld in den Betrieben entsprechend gering. Wenn die Verwaltung «immer neue, komplizierte Ideen hervorbringt», steige der Blutdruck grossflächig.

Am meisten beschäftige ihn aber der Markt: «Eine durchschnittliche Bauernfamilie lebt nicht von den Direktzahlungen. Vier von fünf Franken verdienen wir am Markt.»

Doch dieser Markt gerate durch Dumpingaktionen aus dem Gleichgewicht. Ritter nannte das Beispiel Brot für 99 Rappen: «Wer soll daran noch etwas verdienen?» Sinkende Ladenpreise bedeuteten immer sinkende Produzentenpreise. «Unsere Milch ist weiss und damit austauschbar.» Der Preiskampf produzierte vor allem Verlierer – und fördere Lebensmittelverschwendung.

Seine klare Forderung: ein Detailhandel, der Verantwortung und Fairness lebt, statt mit Lockpreisen zu punkten.

Risiken von Klima bis Tierseuchen

Ritter zählte nüchtern die Risikofaktoren auf: Klimawandel, Kirschessigfliege, Japankäfer; bei den Nutztieren Blauzunge, Schweinepest, Vogelgrippe, Lumpy Skin sowie die Maul- und Klauenseuche in Nachbarländern. Dazu der Wolf, der trotz Herdenschutz ein ständiges Risiko bleibe.

Ein neues Sorgenfeld: PFAS. Grenzwertüberschreitungen könnten Betriebe schlagartig existenziell bedrohen. Ritter forderte rasche Abklärungen, praktikable Regeln und finanzielle Sicherheit: Die Betriebe hätten keine Schuld – doch ohne Schutz drohten sie auf massiven Schäden sitzen zu bleiben.

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Bundesfinanzen unter Druck – SBV fordert Fairness

SBV-Direktor Martin Rufer blickte in seinem Jahresbericht auf ein Jahr voller Auseinandersetzungen zurück: friedlich verlaufene Proteste, die Petition an den Detailhandel und die Debatte zur Biodiversitätsinitiative.

«Das liebe Geld hat uns 2024 am stärksten beschäftigt», sagte er. Damit meinte er vor allem die Sanierung der Bundesfinanzen, die 2025 erneut im Zentrum stehen wird. Der Druck wachse – und die Landwirtschaft müsse ihre Position klar verteidigen.

Das dominierende Traktandum war das Entlastungspaket 27, das Einsparungen von 259 Millionen Franken zulasten der Landwirtschaft vorsieht. Für den SBV sei dies nicht nachvollziehbar: Seit 2000 seien die Ausgaben für die Landwirtschaft nominal stabil, real jedoch um 15 Prozent gesunken – bei gleichzeitig steigenden Anforderungen.

Die Delegierten verabschiedeten eine Resolution, die fordert, zuerst dort zu sparen, wo die Ausgaben gestiegen sind. Die Landwirtschaft habe ihren Sparbeitrag längst geleistet.

Neue Kräfte im Vorstand

Die Delegierten erhöhten die maximale Anzahl Vorstandsmitglieder von 25 auf 27 – eine Weichenstellung mit Blick auf die Zeit nach 2028.

Neu in den Vorstand gewählt wurden:

  • Ruedi Thomann (SG), neuer zusätzlicher Sitz
  • Hanspeter Renggli (LU), Nachfolger von Ursin Gustin
  • Cédric Blaser (VD), Nachfolger von Claude Baehler

Auch in der Landwirtschaftskammer kam es zu zahlreichen Wechseln.

Ein Lichtblick: Ehrung der Swiss Skills

Zwischen all den Risiken, Sparpaketen und Marktverwerfungen setzte ein Moment einen hellen Akzent: Der SBV ehrte die Podestplätze der Swiss Skills in den Berufen Landwirt/in, Gemüsegärtner/in und Weinfachleute.

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2025 als Hoffnungsschimmer – Ritter bleibt kämpferisch

Trotz aller Herausforderungen zeichnete Ritter nicht nur ein düsteres Bild. 2025 sei ein erfreuliches Landwirtschaftsjahr mit guten Erträgen gewesen – ein dringend nötiger Aufsteller nach schwierigen Saisons.

Seine Botschaft zum Schluss: Die Lage ist schwierig, aber gestaltbar.

«Wir alle hier im Saal haben es in der Hand, unsere Zukunft zu formen.»

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