Ständerätin Maya Graf (Grüne, BL) ist Stiftungsrätin von Pro Specie Rara (PSR) und übt scharfe Kritik an der totalrevidierten Tierzuchtverordnung (TZV). «Es ist unverständlich, dass ausgerechnet die Erhaltung und die Erhaltungszucht keine Erwähnung mehr finden», schrieb Graf in einer Interpellation. Doch weder davon noch von Warnungen während der Vernehmlassung liess sich der Bundesrat beirren. Die TZV tritt am 1. Januar 2026 in Kraft und setzt – vereinfacht gesagt – eine Verbesserung der Rasse für den Erhalt von Beiträgen an die Zucht voraus. «Ich kann Ihnen versichern, dass der Bund auch mit der neuen TZV sein Engagement für bedrohte Rassen fortsetzen wird», betonte Bundesrat Guy Parmelin in der Grossen Kammer. «Der Bund stellt dafür weiterhin 5,25 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung.»
Egal, wie viele Nachkommen vom selben Elterntier
Für Maya Hiltpold, Projektleiterin Tiere bei PSR, ist die Antwort des Bundesrats überhaupt nicht befriedigend. Sie begrüsse zwar grundsätzlich die Erhaltungsbeiträge für seltene Schweizer Rassen als Biodiversitätsbeiträge. «Wir stellen aber infrage, ob damit das Ziel einer besseren Erhaltung von Schweizer Rassen erreicht wird.»
Hiltpold erklärt das System der Erhaltungsbeiträge: Der Bund legt anhand des Monitoringsystems Genmon den Gefährdungsgrad einer Rasse fest, Züchter(innen) erhalten Beiträge für Elterntiere und lebende Nachkommen – egal, ob diese Nachkommen zur Zucht verwendet werden und unabhängig davon, wie viele Nachkommen vom selben Elterntier stammen. «Es ist problematisch, ein Tier zu stark in der Zucht einzusetzen und zu viele Nachkommen von ihm zu behalten», gibt die Projektleiterin zu bedenken. Dadurch nimmt nämlich die genetische Vielfalt in der Rasse ab – die Inzucht steigt. Gefördert werde so zwar die Vermehrung, aber nicht die genetische Vielfalt einer Rasse, warnt Hiltpold.
Hoffen auf technische Verbesserungen bei Genmon
Gebe es von einer Rasse mehr Tiere, führe das zwar zu einer Reduktion von Zufallseffekten, räumt Maya Hiltpold ein. Mit grösseren Tierzahlen steige aber auch die Versuchung, stärker zu selektieren – was wiederum zu einer genetischen Verarmung innerhalb der geschlossenen Populationen führe. Genmon sei ursprünglich als Überwachungssystem geschaffen worden, nicht um Beiträge festzulegen. Die Gefährdungswerte schwanken laut Hiltpold teils stark von Jahr zu Jahr. «Genmon ist gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft aktuell in Überarbeitung. Wir hoffen, dass zumindest technische Verbesserungen erreicht werden.» Das Grundproblem bleibt aus Sicht von PSR aber bestehen: Die Zuchtorganisationen erhalten keine kontinuierlichen Beiträge für die Lenkung der Zucht.
Nur befristete Beiträge für Erhaltungszucht
Konkret geht es dabei um eine gezielte Auswahl von Tieren für Anpaarungen und Jungtieraufzucht und die Steuerung der Anzahl Nachkommen pro Tier. In Erhaltungsprojekten können nur befristete Massnahmen finanziert werden, «und das Gesamtbudget für Erhaltungsprojekte wurde erst 2024 gekürzt», gibt Maya Hiltpold zu bedenken.
Bundesrat Guy Parmelin begründet die Anpassung des Fördersystems in der Tierzucht damit, dass Forschungsergebnisse in den Zuchtprogrammen umgesetzt werden sollen. «Nur anerkannte Zuchtorganisationen, Hochschulen und Forschungsinstitute sind berechtigt, Anträge für Erhaltungs- oder Forschungsprojekte einzureichen», so der Bundesrat. Parmelin versicherte jedoch, dass PSR weiterhin als Projektpartner mitwirken könne.
«Wir lassen uns nicht entmutigen»
«Aus unserer Sicht ist es nicht ausreichend, nur Projektpartner zu sein», sagt dazu Maya Hiltpold. Offenbar sehe der Bund keine Notwendigkeit für Erhaltungsprogramme zugunsten von Schweizer Rassen, für die es eben noch keine anerkannte Zuchtorganisation gibt und ein Verbesserungszuchtprogramm noch unrealistisch wäre. Solche Fälle fallen demnach durch die Maschen des Systems, da PSR keine Erhaltungsprojekte mehr einreichen kann. «Erhaltungsprojekte sind nur dann sinnvoll, wenn deren Resultate durch Umsetzungspartner implementiert werden», schreibt der Bundesrat. «Für diese Umsetzung sind Zuchtorganisationen zuständig.» Daher sei es sinnvoll, dass Zuchtorganisationen als Gesuchsteller für Erhaltungsprojekte auftreten.
«Kurzfristig lässt sich die TZV nicht mehr ändern», stellt Maya Hiltbold fest. Mittelfristig bleibe PRS aber in Zusammenarbeit mit den Zuchtorganisationen von seltenen Rassen dran. «Wir lassen uns nicht entmutigen und überlegen uns, wie wir weiter vorgehen möchten.»