Möglichst rasch wieder funktionieren und zum Alltag übergehen. Selbst nach einem Todesfall im engsten Beziehungsnetz. Trauer hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. «Vom Arbeitgeber bekommt man in der Regel nur ein bis drei Tage frei beim Tod eines Angehörigen», sagt Diana Wälti. 

Tod und Trauer haben keinen Platz in der Gesellschaft

«Nur schon das zeigt, was uns unsere Toten wert sind. Es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft: Alles muss schnell gehen.» Dazu passe, dass oft auf die Aufbahrung verzichtet worden ist. «Doch inzwischen sind Aufbahrungen wieder etwas mehr gefragt. Vielleicht als Gegenpol zu unserer schnelllebigen Zeit.»

Diana Wälti weiss, wovon sie spricht. Die Bauerntochter ist ausgebildete Bestatterin und arbeitete ein paar Jahre in den vier Bestattungsunternehmen ihres Schwiegersohnes mit. Mittlerweile ist sie Dozentin für angehende Sterbebegleiterinnen und -begleiter und arbeitet zudem als freie Trauerrednerin.  

Zu wenig Zeit für die Trauernden

«Als Bestatterin hatte ich immer das Gefühl, zu wenig Zeit für die Trauernden zu haben», sagt sie zu ihrem Engagement. «Denn das Bestattungswesen ist ein hartes Business, in dem kaum Raum bleibt, die Hinterbliebenen zu begleiten.» 

Als Sterbebegleiterin unterstützt man schwerstkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase, oder eben auch die Angehörigen vor oder nach dem Tod einer ihnen nahestehenden Person. «Ich habe es als Bestatterin häufig erlebt, dass die Familien nicht wussten, wie die Verstorbene oder der Verstorbene bestattet werden wollte oder ob besondere Wünsche bestanden», sagt Diana Wälti.[IMG 2]

Ein hartes Business

Sterbebegleitungen seien in den letzten fünf bis sechs Jahren vermehrt ein Thema geworden, erklärt Diana Wälti weiter. Die entsprechende Weiterbildung würde vor allem von Pflegefachpersonen, Rettungssanitäterinnen oder auch Polizisten besucht. «In Care-Teams oder bei Bestattungsunternehmen ist ihre Mitwirkung allerdings noch nicht etabliert.» 

Als Dozentin vermittelt Diana Wälti den angehenden Sterbebegleiterinnen und -begleitern Grundlagenwissen über das Bestattungswesen in der Schweiz. «Sie müssen wissen, worüber sie später sprechen.» Wichtig sei ihr auch der Bezug zur Praxis. Daher steht jeweils auch ein Besuch im Krematorium Bern auf dem Stundenplan. «Das ist für viele sehr eindrücklich.»

Für die Kosten muss man selbst aufkommen

Die Kosten für eine Sterbebegleitung müssen die Klientinnen und Klienten selbst bezahlen, was für viele nicht einfach ist. «Wir beerdigten regelmässig Menschen, die am finanziellen Minimum gelebt hatten», erinnert sich Diana Wälti an ihre Zeit als Bestatterin. «Manchmal wussten die Hinterbliebenen nicht, wie sie die Beerdigung bezahlen sollten, und fragten nach Ratenzahlungen.»

Neben Bestattungen im kleinen Kreis organisierte Diana Wälti aber auch diverse Beerdigungen für bekannte Persönlichkeiten, wie etwa im April 2017 für die bekannte Frauenrechtlerin Marthe Gosteli. 

Unter anderem hatte Marthe Gosteli 1982 die Gosteli-Stiftung gegründet. Deren Ziel ist es, die Geschichte der Schweizer Frauenbewegung zu sichern, aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. «Gemeinsam mit einer Kollegin durften wir sie auf ihrem letzten Weg begleiten», erinnert sich Diana Wälti. «Nach ihrem Tod las ich ihre Biografie und war schwer beeindruckt, was Marthe Gosteli alles bewegt hat.»

Zeit, um zu reden

Neben ihren Tätigkeiten als Dozentin und als freie Trauerrednerin betreibt Diana Wälti ein Trauercafé. Es findet jeden letzten Mittwoch im Monat von 18 bis 20 Uhr im Bern Ost Kafi in Worb statt. «Ich suchte lange nach einer Lokalität und im letzten August konnten wir endlich starten.» 

Im Trauercafé treffen die unterschiedlichsten Leute aufeinander. Viele brauchen einfach jemanden, der zuhört. «Ich lasse die Leute reden und biete nur dann Lösungsansätze an, wenn diese auch gefragt sind.»

Diana Wälti beschäftigt sich täglich mit dem Sterben und dem Tod. Ist das nicht schwer zu verkraften? Sie verneint. «Es ist erfüllend, wenn auch manchmal herausfordernd. Mir ist wichtig, dass ich empathisch bleiben und gut schlafen kann. Sonst würde ich aufhören.»