Ein Sprichwort besagt: «Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie gross sind, verleihe ihnen Flügel.» Wenn ein Kind gross geworden ist und das Elternhaus verlässt, kann man als Eltern nur hoffen, dem Nachwuchs genug grosse Flügel mitgegeben zu haben. Der Auszug aus dem Elternhaus bedeutet für die Kinder einen grossen Schritt. Doch auch für die Eltern ist dieser Schritt meist einschneidend. Gefühle von Verlust, Leere und auch Trauer können auftauchen.

Die Gefühlslage hat einen Namen

Wie die Schweizer Zeitschrift «Beobachter» vor einigen Jahren schrieb, hat dieser Schmerz der Eltern, wenn die Kinder von zu Hause ausziehen, einen Namen: «Empty-Nest-Syndrom». Das Nest ist plötzlich leer. Damit werde die von Einsamkeit und Trauer geprägte Gefühlslage beschrieben, die sich bei Eltern nach dem Weggang der Kinder einstellen kann. 

«Natürlich ist es normal, dass Kinder die Eltern verlassen – aber das heisst nicht, dass es nicht wehtun darf», erklärt André Dietziker, Psychotherapeut aus dem zugerischen Cham im Artikel. 

Analyse Zieht das Kind aus dem Elternhaus aus, liegen Freud und Leid nahe beieinander Wednesday, 7. January 2026 Und er macht deutlich: «Eltern sollten Gefühle wie Trauer und Leere nach dem Auszug der Kinder anerkennen und zulassen.» Ein Rat, der tatsächlich hilft. Für die Schreibende bedeutete das Akzeptieren der eigenen Gefühle und Tränen, die auch vor dem Kind nicht versteckt wurden, einen ersten Schritt zur Anpassung an die neue Situation.

Der Alltag verändert sich

Ob jemand unter dem Empty-Nest-Syndrom leidet und wie stark, kann individuell sein. Die Symptome können von Niedergeschlagenheit über Schlafstörungen bis hin zur Depression reichen. Aber nicht nur Mütter, auch Väter kann der Auszug eines Kindes im Innersten erschüttern. 

Gemäss einer Studie der Universität Bern werden vor allem jene, die sich über den Auszug der Kinder im Vorfeld nur wenige Gedanken gemacht haben, unvorbereitet und entsprechend hart getroffen.

Psychotherapeut André Dietziker bringt die Elterngefühle auf den Punkt: «Es ziehen Persönlichkeiten mit Fähigkeiten und Charakterzügen aus, die unseren Alltag viele Jahre lang farbig und lebendig gemacht haben. Wir bleiben zurück im gewohnten Umfeld, in dem jetzt etwas Bedeutendes fehlt. Mit dem Moment des Auszugs schliesst sich die Tür zur Kindheit – wir können ihr nichts mehr hinzufügen. Und wir spüren, dass wir nicht mehr den gleichen Einfluss haben werden, dass sich unsere Kinder ohne unser tägliches Zutun, weiterentwickeln.»

Ja, die Zeit heilt Wunden

Die Trauer über den Auszug des Kindes kann eine Zeit lang anhalten. Mit der Zeit erkennen Eltern jedoch, dass die Beziehung trotz räumlicher Distanz weitergeht. Denn sie wird in den meisten Fällen weitergehen – wenn auch anders als gewohnt. 

Die Beziehung verändert sich von «Erwachsenem und Kind» zu «Erwachsenem und Erwachsenem». Die Gespräche drehen sich nicht mehr, um die klassischen Themen, wie schulische Leistungen, Hausaufgaben oder die Bettzeit nach dem Ausgang. Plötzlich begegnen sich Kind und Eltern auf Augenhöhe. Und das kann enorm entlastend sein.

Es wird still am Tisch

Wenn die Kinder ausziehen, verändert sich nicht nur der Alltag, sondern auch die Paarbeziehung. Wo vorher zu einigen Mahlzeiten mehrere Personen am Tisch sassen, sitzen sich nun nur zwei gegenüber. Zwei Menschen, die sich unter Umständen neu finden müssen. André Dietziker weiss, dass es hilfreich sei, den eigenen Bedürfnissen und Träumen wieder mehr Raum zu geben und sich zu besinnen, was einem früher – vor den Kindern – Freude gemacht habe.

Hier einige Möglichkeiten, um die Leere wieder zu füllen:

  • Eigene Bedürfnisse wieder in den Mittelpunkt stellen.
  • Das bestehende ehrenamtliche Engagement erhöhen oder ganz neu eingehen.
  • Eines oder mehrere neue Hobbys suchen.
  • Planung zur Umnutzung und Umgestaltung des leer gewordenen Zimmers.
  • Kontakt zum ausgezogenen Kind als erwachsene Person pflegen, nicht mehr als Administrator des gemeinsamen Haushalts.
  • Gefühle wie Traurigkeit, Freude, Erleichterung zulassen – alles gehört mit dazu.

Daran muss die ausziehende Person denken

Wenn ein Kind auszieht, liegt der eigene Auszug oft schon länger zurück. Hier eine kurze Erinnerung, woran alles gedacht werden muss (Liste nicht abschliessend).

- Frühzeitiger Abschluss einer eigenen Hausrat- und Haftpflichtversicherung.
- Anbieter für TV/Internet auswählen und frühzeitig anmelden.
- Anmelden beim Stromversorger.
- Abmeldung und Neuanmeldung bei den Gemeinden innert 14 Tagen nach dem Umzug (geht heute meist online).
- Nachsendeauftrag bei der Post in Auftrag geben.
- Adressänderung mitteilen bei: 
Krankenkasse, Ärzten, Arbeitgeber, Versicherungen, Banken, Vereinen, Gönnerorganisationen wie Rega, Paraplegikerstiftung, Anbietern von Abos wie Handyabo, SBB, Fitnesscenter, Behörden wie Militär (Sektionschef), Strassenverkehrsamt und auch bei Familie und Freunden.
- Allfällige Mängelliste in der Wohnung innert zehn Tagen nach Einzug an den Vermieter senden.