Entscheidende Informationen finden sich auf der Seitenwand des Traktorreifens. Laut dem Reifenhersteller Bridgestone werden diese jedoch nur selten beachtet. 

Überladungen mit dem Lastindex vermeiden

Der Lastindex kann helfen, Überladungen zu verhindern. Diese führen zu übermässiger Erwärmung und Verformung der Reifen und haben einen vorzeitigen Verschleiss zur Folge. Der Lastindex ist als Ziffer auf dem Reifen zu finden.

Der Geschwindigkeitsindex gibt an, mit welcher maximalen Geschwindigkeit unter voller Beladung gefahren werden sollte. Der Index besteht aus einem Buchstaben oder einem Buchstaben mit nachfolgender Ziffer. Bei Leerfahrten kann der Geschwindigkeitsindex ignoriert werden. Beide Indizes sind standardisiert und können auf verschiedenen Internetseiten in realen Werten nachgeschlagen werden (siehe Link unten). 

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Angegeben werden beide Indizes immer mit dem höchsten Reifendruck gemäss Reifendrucktabelle. Gerade bei Landwirtschaftsreifen ist die alleinige Betrachtung der beiden Indizes wenig aussagekräftig. Es muss immer die gesamte Reifendrucktabelle des Herstellers beachtet werden.

VF- und IF-Reifen: geringerer Reifendruck mit gleicher Last 

Ein Fahren mit geringerem Reifendruck bei gleicher Last ermöglichen die modernen VF- und IF-Reifen. Deren Gewebelagen in den Seitenwänden sind so aufgebaut, dass die Reifen noch stärker «einfedern» können, ohne Schaden zu nehmen. Konkret sind bei VR-Reifen bei einer bestimmten Tragfähigkeit 40 % geringere Reifendrücke oder umgekehrt bei einem bestimmten Reifeninnendruck eine bis zu 40 % höhere Tragfähigkeit möglich. Bei IF-Reifen sind es laut Bridgestone 20 %.

Besonders sinnvoll sind die modernen Reifen laut Stefan Gfeller von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), wenn mit hohen Lasten auf dem Feld gefahren wird. So kann mit dem tieferen Reifeninnendruck die Aufstandsfläche vergrössert und der Kontaktdruck reduziert werden. Ein Beispiel sind die Hofdüngerausbringung oder Erntearbeiten.

Die Vorteile dieser Reifen kann man vor allem richtig ausnutzen, wenn eine Reifendruckverstellanlage auf dem Traktor vorhanden ist. So kann zügig zwischen Feld- und Strassendruck gewechselt werden.

Kompromisse zwischen Feld und Strasse 

Das Fahren mit tiefen Reifeninnendrücken auf der Strasse sei von der Reifentechnik her zwar grundsätzlich möglich, aber nicht optimal in Bezug auf Fahrverhalten, Reifenverschleiss und Rollwiderstand, schreibt Roger Stirnimann von der HAFL in der Zeitschrift «So funktionieren Lohnunternehmen». «Auf dem Feld hingegen haben tiefe Reifeninnendrücke fast nur Vorteile: höhere Zugkraft, weniger Schlupf, geringerer Rollwiderstand und weniger Bodendruck», so der Fachmann weiter.

Die Installation einer Reifendruckverstellanlage auf dem Traktor ist allerdings teuer. Da hohe Radlasten oft bei Fahrzeugkombinationen hinten am Anhänger entstehen, wäre eine Reifendruckverstellanlage auch dort sinnvoll. Arbeiten mit stetigem Wechsel zwischen Strasse und Feld können aber nur mit einem leistungsfähigen Zusatzkompressor auf dem Traktor oder Anhänger vernünftig ausgeführt werden. Das wiederum ist zeitaufwendig.

Höhere Radlasten erhöhen Bodendruck im Unterboden 

Zwar reduzieren sich laut Roger Stirnimann durch die grössere Aufstandsfläche der Reifen die Bodendrücke im Oberboden, doch im Unterboden nehmen sie durch die höheren Radlasten zu. Die Folgen sind Verdichtungen. 

«Diese lassen sich kurz- oder mittelfristig nur mit hohem Energieaufwand beheben», schreibt Stirnimann. Die Tiefenwirkung bei zunehmenden Radlasten hingegen lasse sich nur mit einer überproportionalen Vergrösserung der Aufstandsfläche reduzieren. In den meisten Fällen sei dies aber nur mit einer Mehrfachbereifung oder Raupenlaufwerken möglich.

Regelmässige Kontrolle verlängert die Lebensdauer

Neben den erwähnten Aspekten trägt laut Bridgestone auch die regelmässige Wartung zur längeren Lebensdauer der Reifen bei. Der Reifenhersteller empfiehlt folgende Kontrollstufen:

Statische Kontrolle vor der Einsatzsaison oder nach längerer Standzeit: Sichtprüfung von Flanken, Lauffläche, Wulst, Ventilen und Felgen; Kontrolle auf Risse, Fremdkörper, Korrosion oder lose Befestigungen; Druckanpassung je nach Last und Boden.

Dynamische Kontrolle während des Einsatzes: Achten auf ungewöhnliche Vibrationen, Schwingungen oder Lenkverhalten; regelmässige Überprüfung der Fahrstabilität; Nachregulieren des Luftdrucks, um Unterdruck mit möglichen Folgen wie Felgen- oder Traktionsverlust sowie einen höheren Verbrauch zu vermeiden.

Auch ohne Profil darf gefahren werden

Und wann sollten die Reifen gewechselt werden? «Gemäss Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge müssen landwirtschaftliche Fahrzeuge kein Profil aufweisen. Somit kann und darf mit Reifen ohne Profil gefahren werden, solange die Karkasse nicht sichtbar oder verletzt ist», erklärt Stefan Gfeller.

Für Fahrten auf der Strasse seien Reifen mit wenig Profil auch längst ausreichend. Auf dem Feld hingegen verringert sich mit geringem Profil die Traktion, und der Schlupf nimmt zu. Dies führt zu Effizienzverlusten und Bodenschäden.

«Für mehrheitlich Feldeinsätze mit hohem Zugkraftbedarf ist es sinnvoll, die Reifen frühzeitig bei noch etwa 50 % Profil zu wechseln», erklärt Gfeller. Bei leichten Arbeiten, wie beispielsweise im Futterbau, könne mit dem Wechsel deutlich länger gewartet werden. Steht der Kauf von neuen Traktorreifen bevor, gilt es laut Bridgestone unter anderem, den Geschwindigkeitsindex zu beachten. Dieser sollte mindestens dem des ursprünglich gelieferten Reifensatzes entsprechen. Ein höherer Index hingegen sei unproblematisch.

Hier gehts zum Geschwindigkeits- und Lastindex