Wer kennt es nicht: Lange Tage auf dem Traktor, keine Position ist mehr bequem. Die Belastung auf den Körper ist bei kleineren Personen oder auch für Frauen, die andere Durchschnittsgrössen haben, umso grösser. Die Landtechnik hat dieses Thema im Visier: Arbeitsergonomie ist mittlerweile ein gängiger Begriff. Und weil vermehrt Frauen in den Traktorkabinen sitzen, beschäftigt diese Thematik die Entwickler intensiv. Das bestätigt Gaël Monnerat, Marketing-Verantwortlicher bei der Serco Landtechnik AG in Oberbipp BE.[IMG 4]

Auf einem Rundgang über das Serco-Gelände zeigt der Fachmann, welche Anpassungen in und um die Traktoren gemacht wurden, um die Arbeit gesünder verrichten zu können.

Modifikationen wurden vor allem in den Bereichen Komfort, Licht, Lärmschutz, Wärme und Sicherheit vorgenommen.

Komfort

  • Vibrationsschutz
  • Kompatibilität Telefon-Traktor-Verbindung/ Freisprechanlage
  • Positionierung Joystick
  • Steuerrad-Einstellung

Licht/Beleuchtung

  • Farbe des LED-Scheinwerfers eher weisses Licht, damit es für die Augen angenehmer ist

Lärmschutz

  • Lärmdämmung

Wärme

  • Sitzheizung
  • Sitzbelüftung

Sitzeinstellung

  • Einstellung des Sitzes nach Gewicht und Beinlänge
  • Anpassung der Armlehnen anhand von Schaltern/Schiebern oder Knöpfen.

Sicherheit

  • Spiegelvorrichtung am Heck, damit Anhänger einfacher angehängt werden können. Das Sichtfeld zur Dreipunktaufhängung ist vor allem bei grossen und neuen Traktoren nicht mehr gegeben.
  • Ausstattung der Traktoren und Stapler mit (besseren) Kameras oder mit Warnsignal für Mitmenschen und Fahrer.
  • Personensensor: Fahren des Mähdreschers nur möglich, wenn Gewicht auf Sitz registriert wird.
  • Sichtbarkeit der Maschinen verbessert durch Reflektoren.

Effizienz

  • Digitale Dokumentation der Erträge
  • Neu: Software der Landmaschinen kommuniziert direkt mit Barto. Das soll die administrative Arbeit für Lohnunternehmer und auch für die Privatkund(innen) vereinfachen.
  • Erfassung der Messerschärfe via Sensor

Gaël Monnerat ist überzeugt: Wenn der Arbeitsplatz komfortabel ist, ist der ganze Prozess produktiver. Viele Anpassungen wurden also schon gemacht, um die langen Tage auf dem Traktor, dem Häcksler oder dem Mähdrescher erträglicher zu machen. Was können die Fahrer und Fahrerinnen für die Zukunft erwarten?

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An den Messen gibt es Einblicke

Der Fachmann ist besonders betreffend der Automatisation zuversichtlich, welche den Arbeitskomfort weiter steigern sollte. Diverse Marken forschen momentan an diesem Thema und werden an den bevorstehenden Messen auch gewisse Lösungen vorführen, wie er weiss. Ein guter Grund also, bei den Messen wie der Tier&Technik (19.–22. Februar 2026 in St. Gallen), der Agrimesse (26. Februar–1. März 2026 in Thun BE), der Agrovina (27.–29. Jan. 2026 in Martigny VS) oder der Agrama (26. bis 30. November 2026 in Bern) vorbeizuschauen.

2026 ist gut gestartet

Gaël Monnerat weiss, dass 2025 insgesamt ein gutes Jahr war für die Bauernfamilien die Erwartungen für 2026 sind hoch. Die letzten Monate dämpfen diese Hoffnungen jedoch. Gründe dafür sieht Monnerat im tiefen Milchpreis und in den Anspannungen auf dem Schweinemarkt.

Komfort bei der Arbeit mit Motorsägen
Auch der Motorsägen-Hersteller Stihl erklärt auf Anfrage, dass im Bereich der einfacheren Bedienung, des geringeren Gewichts und der kompakteren Abmessung Veränderungen an den Geräten vorgenommen wurden. Die Firma betreibt laut eigenen Aussagen «sehr viel Forschung, um potentielle, neue Produkte zu entwickeln oder um bestehende Versionen zu verbessern».

Anpassungen dienen nicht nur den Frauen
In den letzten Jahren wurde das Sortiment an kleineren, handlichen Geräten vor allem im Akkubereich ausgebaut, schreibt Stihl. So entstand das AS-System, das sich vor allem an Endkund(innen) richtet, die für den Garten kleine Geräte suchen, die auch einfach in der Bedienung sind. Zielkund(innen) seien hierbei nicht explizit Frauen oder kleinere/schmalere Personen. Durch das Gewicht, die Abmessungen oder die Ergonomie seien diese Geräte für sämtliche Anwender(innen) geeignet.

Leichteres Starten mit Ergostart
Bei den Benzingeräten wird in der Entwicklung darauf geachtet, dass neue Maschinen sparsamer arbeiten und so weniger Emissionen verursachen. Eine Reduktion des Gewichts wird zwar angestrebt, ist aber gerade aufgrund der neuen Komponenten nicht immer möglich.

Eine Arbeitserleichterung ist laut Stihl beispielsweise der «Ergostart», welcher das Starten des Geräts kräfteschonender macht, sodass nicht am Anwerfseil gerissen werden muss. Denn das erfordert ruckartige Bewegungen, die körperlich belastend sind. Negative Auswirkungen auf Hand- und Schultergelenke können die Folge sein. Eine Motorsäge, die über das Ergostart-System vefügt, hat eine zusätzliche Feder zwischen Kurbelwelle und Anwerfseilrolle. Stihl-Geräte mit Ergostart tragen ein «E» in der Modellbezeichnung.

Ein ähnliches Element der Motorsäge, das die Arbeit erleichtert, ist der «Elastostart». Dieser Spezialanwerfgriff sorgt für einen gleichmässigen Start ohne ruckartige Bewegungen. Der Griff ist mit einem integrierten Dämpferelement ausgestattet, das die beim Anwerfvorgang entstehenden Belastungsspitzen am Anwerfseil auffängt und gleichmässig ausleitet. Es nimmt entsprechend dem Verlauf der Kompression abwechselnd Kraft auf und gibt sie wieder ab. Dies bewirkt gemäss Hersteller einen gleichmässigen Anwerfvorgang. Ob eine Motorsäge mit dem System ausgestattet ist, sieht man am Anwerfgriff. Unterhalb des Griffes gibt es eine Gummikomponente, welche sich beim Ziehen ausdehnt und Schläge abfedert.

«M-Tronic» passt die Kraftstoffmenge im Vergaser elektronisch und vollautomatisch an. Die Komponente ist von aussen nicht sichtbar. Dies geschieht unter Berücksichtigung der äusseren Temperaturen und für alle Betriebszustände wie Start, Leerlauf, Teil- und Volllast. Die Vorrichtung regelt zudem den Zündzeitpunkt. Dabei werden Temperatur, Höhenlage und Kraftstoffqualität berücksichtigt.

Arbeitskleidung passt sich dem Klientel an
Auch das Sortiment an Arbeitskleidung wurde laufend ergänzt. Die Stoffe seien laut Hersteller einerseits angenehmer und der Tragekomfort verbessert. Zudem würden mittlerweile die meisten Jacken und Hosen bereits ab der Grösse XS oder auch in speziellen Kurzgrössen angeboten.

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