Zwei Jahre ist es her, dass Jasmin Kretz, zwei Tage vor dem Anmeldeschluss, ein spezielles Fotoalbum gebastelt und sich damit ins Rennen begeben hat. Dass sie dann im Sommer 2024 den Wettbewerb «Lehrling des Jahres» (neu: «Lernende des Jahres», Anm. d. Red.) für sich entscheiden würde, hätte sie nie gedacht, betont sie im Gespräch noch einmal. Die BauernZeitung war bei ihr zu Besuch und hat erfahren, wie es ihr in der Zwischenzeit ergangen ist.
Die Lehre abgeschlossen und gleich einen Lehrling betreuen
Seit dem Sommer 2024 ist einiges passiert im Leben der nun 19-Jährigen. Sie hat die Lehre 2025 mit der Note 5.3 abgeschlossen: «Das ist eine schöne Leistung für mich. Wenn man so viel gelernt hat, hat man umso mehr Freude», erzählt Jasmin Kretz strahlend.
Nach dem Abschluss konnte sie auf einem Betrieb mit Ackerbau, 18 000 Legehennen und 66 Holstein-Kühen mit eigener Aufzucht einsteigen. «Die Kühe sind nochmal etwas stärker im Exterieur und der Leistung als unsere, das hat mich sofort gepackt», meint die Landwirtin. Zudem hat sie nun einen Lehrling im zweiten Lehrjahr, dem sie ihr noch sehr präsentes Wissen weitergeben kann.
Die Lehre wird sie «für das Leben prägen»
Die eigenen drei Lehrjahre werde sie nicht so schnell vergessen, sagt die Luzernerin. Jasmin Kretz wählte drei Betriebe in der Umgebung und mit verschiedenen Ausrichtungen aus. Pensionspferde und Kühe im ersten, Melken und Obstbau im zweiten und Schweine im dritten Lehrjahr.
Jedes der drei Lehrjahre sei in unterschiedlicher Hinsicht eine Herausforderung gewesen – besonders aber der Brand im Schweinestall, in dem sie im Herbst 2024 mithalf, die Tiere zu evakuieren. Dieser beschäftige sie bis heute. «Die verschiedenen Erfahrungen in den drei Jahren haben mich geprägt, es war eine grosse Lebensschule.»
Jasmin Kretz hat viel Selbstvertrauen gewonnen
Das Selbstvertrauen sei mit der Teilnahme am Wettbewerb «Lernende des Jahres» gewachsen, erzählt die junge Frau. Denn eigentlich stehe sie nicht gerne im Mittelpunkt – aber genau das sei es, was sie habe wachsen lassen. Vor der Kamera zu stehen, Interviews zu führen und damit auch Werbung für die Landwirtschaft, den Beruf, den sie liebt, machen zu können.
Obwohl sie unglaublich nervös gewesen sei, würde sie jederzeit wieder mitmachen, denn die daraus gewonnene Erfahrung sei für sie rundherum positiv gewesen, sagt die junge Frau. Noch heute werde sie gelegentlich darauf angesprochen, ob sie der «Lehrling des Jahres 2023» sei. Das hat Jasmin Kretz schon einige kurze und gute Gespräche eingebracht. Dass sie auch dieses Jahr mitfiebere und abstimme, gehöre für sie dazu, sagt sie bestimmt.
Sie hat Freude an der Arbeit
Pläne für die Zukunft hat die Landwirtin auch schon: Zuerst will sie Berufserfahrung sammeln, voraussichtlich auf verschiedenen Betrieben, um ein möglichst breites Spektrum gesehen zu haben. Anschliessend möchte sie die Betriebsleiterschule machen und in fernerer Zukunft den elterlichen Betrieb übernehmen.
Auch das Ausland habe sie noch im Hinterkopf, sagt Jasmin Kretz. Dort möchte sie einmal im grossen Stil melken können. Und vielleicht möchte sie auch einmal z’Alp gehen, denn auch die Berge gefallen ihr gut.
Für sie ist es wichtig, dass sie am Morgen aufstehen könne und sich auf die Arbeit freue. Und das tut sie, insbesondere wenn sie mit den Kühen arbeiten darf. Oder, wenn sie bald auf einer Viehschau ein Rind vorführen darf: «Da freue ich mich mega drauf.»
Die BauernZeitung sucht «Lernende des Jahres 2026»
Die BauernZeitung zeichnet Lernende aus, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben, und kürt «Lernende des Jahres 2026». Den Teilnehmenden winken Preisgelder von bis zu 1500 Franken sowie zusätzliche Gutscheine im Gesamtwert von bis zu 1100 Franken.
Weitere Informationen und Anmeldung
«Entweder – oder»
Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Ich bin etwas ein Morgenmuffel und gehe früh schlafen, weil ich viel Schlaf brauche. Wenn, dann aber eher früh aufstehen.
Teamwork oder allein arbeiten?
Teamwork, da kann man miteinander reden und muss nicht alles allein entscheiden.
Kurz- oder langfristige Ziele?
Die Hofübernahme und die Betriebsleiterschule sind eher langfristig, ich schaue gerne weiter in die Zukunft.
Allgemeinwissen erweitern oder Fachwissen vertiefen?
Eher Fachwissen vertiefen; gerade bei den Tieren und im Pflanzenbau will ich Profi werden. Wobei Allgemeinwissen auch wichtig ist.
Geplant oder spontan arbeiten?
Ich schätze es, wenn ich ungefähr weiss, was auf mich zukommt. Gerne mache ich eine Wochenplanung, obwohl es in der Landwirtschaft Flexibilität braucht.