Am 8. März geht in der Vianco-Arena Brunegg die 23. Eliteschau Aargau über die Bühne. Im OK seit Jahren mit dabei ist Züchter und Milchproduzent Andreas Friedli aus Gebenstorf AG. Aussteller ist er allerdings nicht. Seine letzte Teilnahme sei schon ein paar Jährchen her, sagt er mit einem Schmunzeln. Eigentlich ungewöhnlich für einen engagierten Züchter. Die Zucht sei das A und O auf einem Milchwirtschaftsbetrieb, stellt er klar, seine Holstein-Kühe seien aber wohl zu rund und schwer, um an den Schauen erfolgreich sein zu können. «Fast zu feist für Ausstellungen», schiebt er nach. Eine würde sich in der Herde schon finden lassen, gibt er auf Nachfrage zu.
Eine Teilnahme sei aber nicht zu unterschätzen. Es brauche viel Zeit und vor allem Know-how, um eine gute Falle zu machen. In seinem Fall sei schon das Laufen mit Halfter eine Herausforderung, sagt Friedli, der zwölf Jahre lang im Vorstand von Swissherdbook Aargau war und sich auch in der Rassenkommission von SHB engagiert. Die Eliteschau sei immer ein schöner Treff für die Milchproduzenten, auch wenn die Viehschauen im Aargau nicht denselben Stellenwert hätten, wie teils im Berggebiet.
Die Holstein-Herde produziert 12 000 Kilo im Schnitt
Der 45-jährige Andreas Friedli übernahm mit seiner Frau den elterlichen Betrieb Schwabenberg vor 13 Jahren. Seit rund 25 Jahren spezialisiere er sich auf die Milch, sagt Friedli. 2019 machte der Anbindestall einem neuen Laufstall mit Melkroboter Platz. Nebst den 65 Kühen mit Jungvieh haben Friedlis noch 35 Mutterschafe, die sie sich um die extensiveren Flächen kümmern. Davon gibt es aber auf 540 m ü. M. nicht so viele. Die Strategie in der Milchproduktion ist deshalb klar: Die gute Futterbaugrundlage mit vielen Kunstwiesen und Maisflächen soll genutzt werden für hohe Leistungen. Eine ganzjährige «Vollgas-TMR» aus Mais, Gras, Zuckerrübenschnitzel (nur im Winter), Raps und Soja und wenig Heu, ergänzt mit Komponenten, sorgt für einen Stallschnitt von gegen 12 000 Kilo bei aktuell 4,09 % Fett und 3,43 % Eiweiss. Rund 750 000 Kilo werden jährlich über die Mittellandmilch an Milchverarbeiterin Emmi verkauft.
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Mit der heutigen Holstein-Genetik – Friedli hat rund 90 % HO und 10 % RH – sei dieser Stallschnitt keine Hexerei und funktioniere auch ohne Starterfutter oder teure Pulver. Im Sommer geht es morgens auf die Fitnessweide, um das RAUS-Programm zu erfüllen. Trotz 65 Kühen, Weide (ohne Tor) und hoher Leistung weise der Melkroboter noch genügend freie Melkzeiten aus. «Wenn der Pansen rund läuft, läuft auch die Kuh», ist Friedlis Motto in der Fütterung. Im Sommer, ohne die Zuckerrübenschnitzel, sei dies schwieriger als im Winter.
Verbesserungspotenzial gibt es viel auf dem Milchwirtschaftsbetrieb
Den Betrieb führen Friedlis als Familienbetrieb, auch der Vater von Andreas hilft noch mit. Das Betriebsleiterpaar hat vier Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren, Manuela Friedli arbeitet an zwei Tagen pro Woche auswärts. Eigentlich habe man ein wenig eine «dumme» Grösse, meint Andreas Friedli dazu. Ein Angestellter wäre kaum ausgelastet. Dass man laufend optimiert und investiert hat, macht sich beim Arbeitsanfall positiv bemerkbar. Bei der Fütterung und Einstreu könnten noch einige Arbeiten automatisiert werden.
Zuerst steht aber die Beschaffung eines Batteriespeichers für die ausgebaute PV-Anlage im Vordergrund. «Das Schöne an der Milchwirtschaft ist, dass immer etwas verbessert werden kann», sagt Friedli. Bei einfacheren Betriebszweigen sei das Potenzial irgendwann ausgeschöpft. Andreas Friedli arbeitet viel mit Berufskollegen zusammen, hat etwa eine ÖLN-Gemeinschaft mit dem Nachbar und kauft von drei bis vier weiteren Betrieben Mais zu, bzw. tauscht Flächen ab. Für seine Kühe braucht er um die 15 ha Mais jährlich. Auf den eigenen 40 ha LN gibt es rund 10 ha Kunstwiese, 6 ha Mais, 3 ha Winterweizen und 3 ha Zuckerrüben. Der Rest ist Naturwiese.
Serviceperiode von bis zu 200 Tagen
Sein Zuchtziel sei auf Leistung ausgerichtet. Die Genetik entscheide über so vieles, vor allem über die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion. Dazu kommen Management und Fütterung. Seit vergangenem Jahr ist Friedli Eigenbestandsbesamer. Der Besamungsindex liegt bei 1,7. Auch er setzt konsequent auf gesext für die Nachzucht oder eben Mastrassenbesamungen. Rund 20 Tiere werden jährlich nachgezogen. Melkrobotertauglichkeit, Milchleistung, Milchfluss, Zitzen und der Gesamtzuchtwert interessieren ihn vor allem. Zuchttierverkauf ist aber eher kein Thema. Das Angebot auf dem Markt sei bereits gut, und da müsse sehr viel stimmen für einen guten Preis. Diesen löst er mit seiner Vollgas-Fütterung fast einfacher im Schlachthof. Abgehende Kühe werden nach dem letzten Kalb noch eineinhalb bis zwei Jahre gemolken, bis sie in die Metzg gehen.
Recht lange sei bei ihm auch die Serviceperiode. «Teils werden Kühe erst nach 200 Tagen besamt», sagt er. Herausforderung bei dem System sind die vielen brünstigen Kühe im Stall. Das könne schon fast zur Plage werden, so Friedli. Und da die Herde auf Gummimatten unterwegs sei, tobten sich Brünstige entsprechend aus und zeigten während 24 Stunden zünftig an. Mit der Tiergesundheit ist der Milchbauer zufrieden. Allerdings sei er ein «Klebsiellen-Opfer». Aktuell sei es aber diesbezüglich ruhig im Stall. Und so bleibt Zeit für die letzten Vorbereitungen für die Eliteschau Aargau.
Betrieb Friedli, Schwabenberg
Betriebsleiterpaar: Andreas und Manuela Friedli
Flächen: 40 ha LN (NW, KW, Mais, WW, ZR)
Tiere: 65 Kühe (HO, RH) mit Nachzucht, 750 000 Kilo an Emmi jährlich. 35 Mutterschafe
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Vater und bei Arbeitsspitzen Familie