Vor einem halben Jahr haben Sie die Swiss Skills als beste Landwirtin EFZ gewonnen. Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an diesen Moment zurückdenken?
Melanie Ackermann: Die Siegerehrung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Das war ein schöner und spezieller Moment. Auch an den Wettbewerb selbst denke ich gerne zurück – und an all die Menschen, die ich in diesem Zusammenhang kennenlernen durfte.
Hatten Sie sich etwas für den Wettbewerb vorgenommen?
Ja, ich wollte ins Finale kommen, ich bin schon etwas ehrgeizig. Dass es gleich bis zum Sieg reichen würde, damit habe ich natürlich nicht gerechnet.
Sie sind die erste Frau, die den Wettbewerb im Beruf Landwirtin EFZ gewonnen hat. Ist das für Sie etwas Spezielles oder war das für Sie nebensächlich?
Doch, für mich war der Sieg dadurch noch ein Stück «cooler», weil generell vielleicht eher erwartet wird, dass ein Mann gewinnt, da Männer immer noch einen Grossteil der Landwirtschaftslernenden ausmachen. So konnte ich allen zeigen, dass auch eine Frau das erreichen kann.
Gingen denn auch die Reaktionen in diese Richtung? Wurde diese Tatsache besonders betont?
Bei Leuten, die ich kenne, spielte das eher keine Rolle. Es gab aber auch immer noch Menschen, die dachten, ich hätte irgendwelche hauswirtschaftlichen Aufgaben erfüllen müssen.
Ernsthaft?
Ja, das habe ich oft erlebt. Es hiess zum Beispiel einige Male, ich hätte als «Bäuerin» gewonnen. Der Unterschied zwischen den Ausbildungen zur Bäuerin und zur Landwirtin scheint einigen Menschen noch nicht ganz klar zu sein, vor allem älteren. Da erlebe ich immer wieder überraschte Reaktionen darauf, dass ich beruflich Traktor fahre und Kühe melke. Da muss ich viel erklären.
Gibt es auch heute noch Reaktionen auf Ihren Sieg?
Ja, ich werde immer noch gelegentlich darauf angesprochen oder Leute haben Fragen dazu.
Würden Sie denn jedem Lernenden empfehlen, mitzumachen, wenn er oder sie die Chance dazu hat?
Ja, auf jeden Fall! Diese Chance hat man nur einmal im Leben.
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Ich habe gelesen, dass die Aufgabe, Tiere zu beurteilen, nicht so einfach für Sie war – dafür waren andere voll Ihr Ding?
Ja, Fleischrinder zu taxieren, war für mich nicht so einfach, weil wir weder zu Hause noch auf einem meiner Lehrbetriebe Mutterkühe hatten oder haben. Wären es Milchkühe gewesen, hätte es etwas anders ausgesehen. Dafür lag es mir, einen Düngerplan zu berechnen und mich mit einer Betriebsumstellung zu beschäftigen. In solchen planerischen Dingen bin ich gut.
Sie haben das Gymnasium angefangen und sich dann doch für die Lehre zur Landwirtin entschieden.
Ja, für mich war früh klar, dass mich die Landwirtschaft als Beruf reizt. Mein Umfeld hat mir jedoch eher zu einem Studium geraten. Im Gymi hat mich ein Mitschüler gefragt, was für mich der schönste Beruf sei – die Antwort war klar. Er meinte dann: «Warum tust du das dann nicht einfach?» Daraufhin habe ich die Lehre zur Landwirtin in Angriff genommen. Ich hatte noch überlegt, nach der Lehre vielleicht ein Studium an der HAFL zu beginnen, aber vier weitere Jahre Schule nach der Berufsmatura waren mir dann doch zu viel. Deshalb arbeite ich seit dem Lehrabschluss im Sommer in unserem Nachbardorf Kestenholz SO auf einem Betrieb mit Ackerbau und Milchproduktion. Im kommenden Sommer möchte ich die Weiterbildung zur Agrotechnikerin beginnen.
Würden Sie gerne eines Tages einen eigenen Hof führen?
Ja, das wäre ein möglicher Traum, aber konkrete Pläne schmiede ich noch nicht. Ich bin offen dafür, was die Zukunft bringt. Mein Vater ist erst 47 Jahre alt und mein Bruder lernt ebenfalls Landwirt. Deshalb haben wir bisher noch nicht über eine allfällige Übernahme des elterlichen Hofs gesprochen.
Gehören Milchkühe für Sie auf einen Betrieb, auf dem Sie arbeiten möchten?
Ja, eigentlich schon – allerdings habe ich lieber Melkroboter als Melkstände.
Was ist Ihre Lieblingsrasse?
(Überlegt lange) Gar nicht so einfach. Am schönsten finde ich Red Holstein. Auf dem elterlichen Betrieb sind wir jedoch Bio, da fände ich Swiss Fleckvieh besser, weil diese Rasse nicht ganz so intensiv ist.
Und welche Traktorenmarke fahren Sie am liebsten?
Fendt.
Im Moment ist die Situation bei der Milch schwierig, Übermengen drücken auf den Markt. Beschäftigen Sie sich schon mit solchen Themen oder ist das mit Anfang 20 noch nicht so wichtig?
Doch, auf jeden Fall. Mich interessieren aktuelle Entwicklungen sehr, und die Situation ist auch immer wieder Thema – sowohl auf dem Betrieb, auf dem ich arbeite, als auch bei uns zu Hause.
Glauben Sie grundsätzlich an eine gute Zukunft für die Schweizer Landwirtschaft?
Ja. Das Land in der Schweiz wird immer bewirtschaftet werden müssen, und es gibt auch genug Leute, die Schweizer Produkte kaufen wollen. Das wird meiner Meinung nach auch künftig so sein, selbst wenn sich die Nachfrage nach Milch oder Fleisch eines Tages verändern sollte.
Sie sind auf einem Biobetrieb zu Hause – ist das das Label, das Ihnen am nächsten ist, oder könnten Sie sich auch vorstellen, IP-Suisse oder konventionell zu produzieren?
Mit Bio kann ich mich gut identifizieren. Aber natürlich muss es immer zum Betrieb passen. Auch im Ackerbau beschäftige ich mich gerne mit regenerativen Methoden. Ich denke, der Einsatz von zu viel Chemie wird keine Zukunft haben.
Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich mache gerne Sport und gehe gerne wandern. Zudem möchte ich künftig mehr fotografieren – das habe ich mir vorgenommen.
