Dass es mit einem Elektrotraktor angenehmer zu fahren ist als mit meinem 30-jährigen Zweiachsmäher, überraschte mich nicht wirklich. Dennoch war die Testfahrt mit dem Rigitrac SKE 40 e-direct, notabene dem ersten serienreifen Elektrotraktor mit einer europäischen Typengenehmigung, ein besonderes Erlebnis. 

Der Traktor ist sehr kompakt gebaut, trotzdem findet man in der Kabine genügend Platz und mit konventionellen Traktoren vergleichbaren Komfort. Dazu kommt die überzeugende Rundumsicht. Bei etwas mehr Druck auf das Gaspedal wird sofort spürbar, dass etwas kommt. Die Leistungsdaten beziffert die Firma Sepp Knüsel AG mit einer Nennleistung von 40 kW und einer Spitzenleistung von 64 kW.

Eigenes Batteriekonzept ermöglicht ganztägige Arbeit

«Die Batterie ist zwischen den Rädern unter der Kabine angeordnet, was für einen tiefen Schwerpunkt sorgt», erklärt Geschäftsführerin Theres Beutler-Knüsel bei der Vorstellung ihres Elektrotraktors. Der SKE 40 e-direct sei bisher vor allem bei Kommunalbetrieben, Gemeinden und Städten in der Schweiz und in Nachbarländern im Einsatz. 

Für Arbeiten wie Salz streuen oder Rasen mähen reiche die vollgeladene 58 kWh-Batterie für einen ganzen Arbeitstag. Der Rigitrac SKE 40 e-direct verfüge über fünf Elektromotoren, welche die beiden Zapfwellen, die Hydraulik, den Fahrantrieb und die Wärmepumpe antreiben. Dadurch laufe immer nur derjenige Bereich, der auch benötigt wird, was zu einer sehr hohen Effizienz führe.

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Niedrige Betriebskosten relativieren Investition

Grosse Pluspunkte des Traktors seien die niedrigen Betriebskosten, der geringe Wartungsbedarf und die lange Lebensdauer, was die grosse Investitionssumme von rund 200 000 Franken in Relation setze. 

Bei jährlich 400 Stunden sei das Fahrzeug nach sieben Jahren refinanziert, so Theres Beutler-Knüsel und betont: «Die aktuell steigenden Kosten für fossile Energieträger machen Elektrofahrzeuge natürlich noch attraktiver.»

Transporter von italienischem Geräteträger-Spezialisten

Ebenfalls zur Testfahrt bereitstand auf dem Firmengelände in Küssnacht am Rigi der Prototyp des vollelektrischen Transporters EC70. Entwickelt und konstruiert wurde das Gerät vom italienischen Geräteträger-Spezialisten Caron.

«Voraussichtlich wird der EC70 ab 2027 verfügbar sein», so Theres Beutler-Knüsel. Sein direkter Elektroantrieb mit Permanentmagnet-Synchronmotor liefert bis zu 50 kW Leistung und ein Spitzendrehmoment von 280 Nm. 

Die moderne 40 kWh-Batterie sorgt für kurze Ladezeiten und hohe Einsatzbereitschaft. Dank eines Neigungssensors sowie einer serienmässigen Klimaanlage punktet er auch im Bereich Sicherheit und Komfort.

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Strom vom eigenen Dach nutzen

Wie einfach zu bedienen der vollelektrische Caron Transporter ist, zeigt die Firmenchefin gleich selber. «Wie die meisten Elektrofahrzeuge ist auch der Caron EC70 sehr angenehm und ruhig zu fahren. Zudem ist er einfach zu bedienen», so Theres Beutler-Knüsel am Steuer des Elektro-Transporters. 

Sie ist überzeugt, dass sich elektrische Fahrzeuge in Zukunft auch in der Landwirtschaft vermehrt durchsetzen werden. «Mittels Elektromobilität können wir die Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern. Die Landwirtschaftsbetriebe haben die Möglichkeit, den Strom auf dem eigenen Stalldach nutzen und so auch Geld einzusparen», erklärt die Unternehmerin überzeugt. 

Schweiz ist prädestiniert für erneuerbare Energien

Mit den mittlerweile bedeutend günstiger gewordenen stationären Batteriespeichern sei diese Strategie noch attraktiver geworden. «Die Schweiz ist prädestiniert für erneuerbare Energien. Die Technik überzeugt nicht nur mit ihrer Nachhaltigkeit, sie schafft auch lokale Arbeitsplätze», so Theres Beutler-Knüsel. 

Gemeinsam mit ihrer Familie und ihren rund 50 Mitarbeitenden feiert sie heuer den 50. Geburtstag der Sepp Knüsel AG. Am 28. August wird dieses Jubiläum mit einem Fest gebührend gefeiert.