«Wenn die Festwirtschaft komplett überrumpelt wird, weiss man: Es sind sehr viele Leute gekommen», sagt Christian Ruder, Inhaber der Ruder Traktoren AG. Der Grossandrang fand Anfang November am Stammsitz des Landtechnikunternehmens in Zihlschlacht TG statt. Anlass war das 50-jährige Jubiläum der Ruder Traktoren AG. Wie bleibt man 50 Jahre lang erfolgreich? Wie haben sich Umfeld und Anforderungen in der Landtechnik verändert? Die BauernZeitung hat mit Christian Ruder darüber gesprochen.
Herr Ruder, Gratulation zum 50-Jahre-Jubiläum. Was bedeutet Ihnen diese Zahl persönlich?
Christian Ruder: Es freut mich natürlich besonders. 50 Jahre sind eine lange Zeit, und man weiss nie, was die Zukunft bringt. Wir – die Belegschaft und meine Familie – freuen uns über das Erreichte.
Was zeichnet Ihre Firma aus?
Wir sind auf Same-Deutz-Fahr-Traktoren spezialisiert, führen ein grosses Ersatzteillager, pflegen enge Kontakte zu Kunden sowie umliegenden Händlern und sind stark vernetzt. Das sind unsere Vorteile.
Welche Meilensteine oder Umbrüche haben Ihr Unternehmen am stärksten geprägt?
Die Ruder Traktoren AG begann eigentlich mit meinem Vater, Fritz Ruder. Er lernte zuerst Landwirt und schraubte nebenbei immer wieder an Landmaschinen. Irgendwann musste er aus Platzgründen beim Schwiegervater wegziehen – so kam er schliesslich aus dem Zürcher Weinland nach Zihlschlacht in die Ostschweiz. Seit 1973 sind wir hier zu Hause. 2001 haben wir am heutigen Standort neu gebaut.
Was hat sich Ihrer Meinung nach in dieser Zeit stark gewandelt?
In der Mechanik ist vieles noch immer gleich wie früher. Grundsätzlich sind Maschinen und Traktoren auf eine deutlich längere Lebensdauer ausgelegt als etwa heutige Neuwagen, die man im Schnitt nach 12 Jahren ersetzt. Wir warten viele Traktoren, die 50 oder 60 Jahre alt sind und noch immer im Einsatz sind. Solange wir sie «am Leben» erhalten können, tun wir das auch. Neu dazu gekommen ist die Elektronik – die beschäftigt uns immer stärker.
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Wie gehen Sie damit um?
Das ist ein ständiger Lernprozess. Man muss dranbleiben, damit man nicht stehenbleibt. Zum Glück habe ich Freude an beidem – Mechanik und Elektronik – und beschäftige mich intensiv damit.
Sie haben die Firma von Ihrem Vater übernommen. Was war Ihr wichtigstes Ziel beim Einstieg?
Im ersten Moment wollte ich sie einfach so weiterführen wie bisher – auf finanziell gesunder Basis und mit dem Ziel, «im Spiel zu bleiben». Also weiterhin im Traktorenmarkt mitmischen, technisch à jour sein und mit den Kunden im Gespräch bleiben. Letzteres ist nicht immer einfach, aber ich finde, das ist uns ganz gut gelungen.
«Das Wichtigste: Ich muss dem Kunden eine Lösung anbieten können.»
Christian Ruder über die Anforderungen an einen Landmaschinenmechaniker.
Können Sie das näher erläutern?
Durch Globalisierung und Internet hat heute praktisch jeder unbegrenzten Zugriff auf Informationen und weiss auch viel, oder meint es zumindest. Der Markt ist globaler geworden, die Kunden mobiler. Entscheidend ist: Die Kundschaft erwartet von einem Landmaschinenmechaniker, dass er seine Materie beherrscht. Für mich als Mechaniker heisst das, ich muss genau wissen, worum es geht, dem Kunden bei Bedarf Auskunft geben, erreichbar sein, technisch auf der Höhe. Das Wichtigste ist: Ich muss dem Kunden eine Lösung anbieten können. Das ist unser tägliches «Business».
Ihr Erfolgsrezept für den immer dynamischeren Markt?
Wir bleiben unserer Linie treu – zum Beispiel bei Occasionstraktoren. Auf jede Occasion geben wir Garantie, weil wir hinter jedem Handel zu 100 % stehen. Der Traktor muss einen echten Wert haben.
«Globalisierung macht den Markt anspruchsvoller.»
Weil sie Marktdynamik und Erwartung an die Unternehmen erhöhe, sagt Christian Ruder.
Und Sie scheinen mit dieser Linie erfolgreich zu sein.
Ja, das hängt auch mit den örtlichen Betriebsstrukturen zusammen. Viele Landwirte in anderen Regionen verfügen heute über sehr gut ausgerüstete Werkstätten. In unserer Region setzen viele Landwirte auf den Obstbau oder die Milchwirtschaft, und sie wollen primär Obst oder Milch produzieren, und es fehlt ihnen an Zeit, Reparaturen selbst auszuführen.
Gibt es bei den Traktoren einen klaren Bestseller?
Am meisten Nachfrage sehen wir bei den Traktoren mit 90 bis 135 PS. Daneben verkaufen wir auch kleinere Modelle mit 70 PS oder Schmalspurtraktoren.
Wo steht die Ruder Traktoren AG im Jahr 2035?
Ich hoffe, dass wir dann immer noch ein gesundes Familienunternehmen sind. Wir haben in den letzten Jahren viel investiert und laufend gebaut. Ich wünsche mir, dass sich das weiterhin auszahlt – mit motivierten Mitarbeitenden und einer geregelten Nachfolge.
Das Thema Nachfolge beschäftigt viele Landmaschinenfirmen. Einige finden jemanden, andere werden übernommen. Wo stehen Sie?
Diese Entwicklung beobachten wir auch in unserem Umfeld. Viele Betriebe wurden weitergegeben, aber nicht in der Familie. Bei uns macht unser Junior, Stefan Ruder, aktuell die Lehre zum Landmaschinenmechaniker. Ich hoffe, dass er den Betrieb eines Tages übernimmt. Ich freue mich auf diesen Moment und das motiviert mich, auch in späteren Jahren noch einmal Vollgas für die Firma zu geben.