Die Parkplätze rund um die Landwirtschaftsschule Grangeneuve sind überstellt und der Hörsaal randvoll. Französisch- und deutschsprachige Baufachleute aus der ganzen Schweiz strömen in den Saal der Landwirtschaftsschule des Kantons Freiburg. Das Bauen beschäftigt – und wird stets komplexer. Deshalb bilden sich die Baufachleute alle zwei Jahre im Rahmen der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für landwirtschaftliches Bauen und Hoftechnik (ALB-CH) weiter.

Das Programm des Kurses ist eng getaktet und reicht von agrarpolitischen Weichenstellungen, die das landwirtschaftliche Bauen betreffen, über Spielräume in der Gestaltung von Bauten in der Landwirtschaftszone bis hin zur Frage, ob sich Investitionen in einen Milchviehstall lohnen.

Neue Abstandsregelung

Um die erste Frage zu beantworten, wagte Marion Zufferey vom SBV einen Erklärungsversuch. In ihrem Referat erläuterte sie, warum die Verabschiedung der zweiten Teilrevision des Raumplanungsgesetzes (RPG2) und die neue Methode zur Berechnung der Abstände für Tierhaltungsanlagen einen Einfluss auf die tägliche Arbeit der Bauernfamilien haben. Denn RPG2 hat zum Ziel, die Bautätigkeit in der Landwirtschaftszone zu stabilisieren.

Aber welche konkreten Auswirkungen dies auf die landwirtschaftliche Bautätigkeit habe, lasse sich noch nicht abschliessend sagen, so Zufferey. Würden weniger Neubauten bewilligt? Würden grössere und multifunktionale Gebäude gefördert? Löst das RPG2 die Probleme im Zusammenhang mit den Emissionen? Das stehe momentan alles noch offen. Hinsichtlich der neuen Methode zur Berechnung der Abstände für Tierhaltungsanlagen fragte sich Zufferey, ob dies nicht ein Hemmnis für die strukturelle Entwicklung darstellen könnte. Der SBV vermute indes, dass das Tierwohl beeinträchtigt werde, da der Bau tiergerechter Ställe gegenüber geschlossenen Systemen benachteiligt werde. Zudem führe die Regelung eher zu einer Zersiedelung des Raums, so der Schweizer Bauernverband.

Im Anschluss schaltete Norbert Russi von Espace Suisse, dem Schweizer Verband für Raumplanung und Umweltfragen, seine Präsentation. Er stellte die rhetorische Frage, ob es beim Bauen in der Landwirtschaftszone wie im Wilden Westen zu und her gehe. Der Raumplaner bemerkte, dass Beteiligte von Bauprojekten oftmals nach dem «DAD»-Schema arbeiteten. Das heisst: Decide – Announce – Defend, also entscheiden, ankündigen, verteidigen, umsetzen. Das koste viel Energie, zumal Entscheidungsträger spät im Prozess eingeschaltet würden.

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Das Paradox, das alle kennen

Der Raumplaner Norbert Russi appelliere an Personen, die in Zukunft Bauvorhaben umsetzen wollen, Entscheidungsträger so früh wie möglich im Prozess zu involvieren. So arbeite man nach dem Schema «EDDe», was so viel bedeutet wie Engage – Deliberate – Decide. Also beteiligen und verhandeln, gemeinsam entscheiden, einigen, umsetzen. Das frühzeitige Mitwirken der einzelnen Interessensvertreter erleichtere den Planungsprozess massiv, betonte Russi. Denn heute liege oftmals das sogenannte Partizipations-Paradox vor: Je später Entscheidungsträger in den Prozess integriert werden, desto weniger ist es möglich, ihre Inputs noch umzusetzen. Umso schwieriger ist es, allen Interessensvertretern gerecht zu werden und somit ein Projekt bewilligt zu bekommen. Russi empfiehlt, das Engagement von Drittinstanzen und somit die Einfussnahme dieser Parteien möglichst früh im Prozess zuzulassen, nicht erst beim gesetzlich geforderten Zeitpunkt. Das spare Ärger, weiss Norbert Russi.

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«Nicht ausgelastete AMS sind nur dann tragbar, wenn sie quersubventioniert werden.»

Christian Gazzarin, Agronom, Unternehmensführung und Wertschöpfung, Agroscope.

Welche Strategie passt?

Im Anschluss ging Christian Gazzarin von Agroscope der Frage nach, inwieweit sich Investitionen in einen neuen Milchviehstall lohnen. Dafür zeigte er den Baufachleuten, wie sich der Kostendeckungsgrad für Milch und deren Produkte über die letzten zehn Jahre verhielt. Dieser habe sich bei einem typischen Schweizer Betrieb mit rund 20 Kühen im Jahr 2023 bei 55 % eingependelt. Im Vergleich zu Deutschland (85 %) und Frankreich (80 %), die über grössere Kuhbestände verfügen, ist das sehr tief. Ob sich eine Investition in grössere Bestände lohne, hänge in erster Linie vom Ist- und vom Ziel-Zustand ab. Hierfür rechnete Gazzarin drei verschiedene Modelle durch: mittlere Milchleistung, Hoch- und Niederleistung. Mit in diese Berechnung hinein spielt die Entwicklung des Baukostenindex, der in den letzten fünf Jahren massiv angestiegen ist, wie Gazzarin in seinem Vortrag aufzeigte. Letztlich stellte der Forscher fest, dass die Rechnung stark von der Milchpreisentwicklung und von der Auslastung der Automatisierung abhängt.

Ein automatisches Melksystem, das nicht ausgelastet ist, könne nur dann tragbar sein, wenn es durch einen anderen Betriebszweig oder gar durch einen Nebenerwerb quersubventioniert werde, so Gazzarin. Investitionen in Gebäude und Automatisierung würden sich aber grundsätzlich immer mehr lohnen als Investitionen in Landmaschinen, sofern für mehr Kühe gebaut werde. Aktuelle Prognosen zeigten, dass die globale Nachfrage nach Milch in Zukunft steigen wird. In diesem Zusammenhang rief er in Erinnerung, dass die Milchproduktion in der Schweiz standortangepasst ist und mehr komparative Kostenvorteile aufweist als der Ackerbau. Abschliessend hielt er fest, dass drei relevante Hürden die Strukturverbesserung ausbremsen:

  • Limitierte Fläche
  • hohe Baupreise
  • wenig Unternehmergeist

Low-Cost-Strategie kann das Verschuldungsrisiko reduzieren

Christian Gazzarin rät deshalb, vermehrt auch eine «Low-Cost»-Strategie zu prüfen. Das reduziere das Verschuldungs-Risiko massiv: «Auch bei tieferen Milchpreisen sind so ein positiver Free Cashflow und eine hohe Arbeitsverwertung zu erwarten», so Gazzarin. Auch betonte er, dass die Phase 1, in der Stallplätze und AMS nicht ausgelastet sind, so kurz wie möglich zu halten sei, denn nicht ausgelastete Strukturen (beispielsweise 30–50 Kühe mit AMS) riskierten in vielen Fällen ein «finanzielles Desaster» – oder könnten, wie oben erwähnt, nur mit Quersubventionierung überleben. Ausgelastete Investitionen stünden bereits in der Tilgungsphase besser da als vorher – sofern der Milchpreis «hoch» (71 Rp.) sei. Ein tieferer Milchpreis (60 Rp.) mache die Tilgungsphase auch in ausgelasteten Situationen zur finanziellen Herausforderung, so Gazzarin.

Mehr über das Bauen lesen

Zusammen mit der ALB-CH verschickt die Agridea in sporadischen Abständen einen Bau-Newsletter. Interessierte können sich damit informieren, was in der Baubranche aktuell läuft. Darin berichtet der Verein über aktuelle Projekte, Neuigkeiten aus dem In- und Ausland sowie Kurse und Anlässe zum Thema.

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60 Jahre ALB-CH

Integriert in die Weiterbildung der Baufachleute in Grangeneuve war die 60. Mitgliederversammlung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für landwirtschaftliches Bauen und Hoftechnik (ALB-CH). Dabei wurden vier neue Vorstandsmitglieder gewählt und einige Mitglieder verabschiedet. Beat Steiner, der Geschäftsführer, wird sein Mandat per 1. März 2026 an Michael Emmenegger übergeben. Präsident des Verbandes ist Pius Fölmli. Die neuen Mitglieder sind:

- Quentin Reichenbach (Landwir. Kreditkasse Kt. Bern),
- Oliver Silder (Strickhof),
- Lisa Würth (BFH – HAFL),
- Guillaume Morand (DeLaval)