Die Luzerner Landwirtschaft ist vielfältig, unternehmerisch und produktiv. Sie versucht stets, neue Trends aufzunehmen. Mit der Stallherde auf dem Gutsbetrieb vom BBZ Natur und Ernährung soll die Entwicklung jener Milchwirtschaftsbetriebe unterstützt werden, die mit einer hohen Produktion wesentlich zur Ernährung und Versorgung der Bevölkerung beitragen. Dabei stehen die Wertschöpfung und die Nachhaltigkeit im Vordergrund.
Saisonale Abkalbung
Die Stallherde umfasst 45 Milchkühe der Rassen Braunvieh, Holstein und Swiss Fleckvieh. Die Weideherde mit saisonaler Abkalbung im Frühjahr und Vollweide besteht aus 16 Milchkühen. Die Herden werden wie während den Milchprojekten 2008–2010 und 2014–2016 im Stall und auf der Weide getrennt gehalten. Verschiedene Rassen auf dem Gutsbetrieb sind für die Ausbildung der Lernenden ein grosser Vorteil, da so praxisorientierte Übungen mit aktuellen Daten von verschiedenen Rassen gemacht werden können.
Die Stallherde im Detail
Für die Stallherde wurde ein Leistungsziel von 8500 kg bis 9500 kg Milch (Standardabschluss) definiert. Die Holsteinkühe haben die Leistungserwartung mit durchschnittlich 9453 kg über die letzten zwei Jahren erreicht. Das ist deutlich mehr als der Rassendurchschnitt von 9053 kg Milch. Die Braunviehkühe und Swiss-Fleckvieh-Kühe liegen im Durchschnitt noch unter dem Leistungsziel. Einzelne Braunviehkühe erbringen aber bereits gute Leistungen und bilden so die Grundlage für die Nachzucht. Erwähnenswert ist die Braunviehkuh Gracie, die kürzlich ihre 5. Standardlaktation mit 12 671 kg Milch abgeschlossen hat.
Angepasste Zuchtziele
In Absprache mit den Verantwortlichen wurden Zuchtziele definiert, die die ganze Herde zu erfüllen haben. Neben dem bereits erwähnten Leistungsziel von 8500 bis 9500 kg Milch wurden weitere Ziele definiert:
- Milchinhaltsstoffe: 4,0 % Fett, 3,5 % Eiweiss
- Eutergesundheit: Ø < 100 000 ZZ/ml
- Fruchtbarkeit: Ø < 1,6 Besamungsindex
- Fundament: Ø > 5 cm Klauensatz
- Nutzungsdauer: 4 Jahre (Ø 6-jährige Kuh)
Zusätzlich sollen die Tiere eine Widerristhöhe von 1,5 Metern möglichst nicht überschreiten und das Becken soll leicht abgezogen sein. Auf rassespezifische Zuchtziele wurde verzichtet.
Fütterung der Stallherde
Während der Winterperiode setzt sich die Fütterung aus je einem Drittel Maissilage, Grassilage und Dürrfutter in der Mischration zusammen. Die Anteile beziehen sich dabei auf die Trockensubstanz. Ergänzt wird das Grundfutter mit je 500 g Maiskleber und Raps-Extraktionsschrot pro Kuh und Tag. Aus dieser Mischration resultiert ein durchschnittlicher TS-Verzehr von 20,2 kg und ein Milchproduktionspotenzial von 28,1 kg Milch pro Kuh und Tag. Zusätzliche Leistungsfuttergaben werden tierindividuell an einer Kraftfutterstation verabreicht. Startphasenfutter werden keine eingesetzt.
Weide gehört dazu
Aus Gründen der Nachhaltigkeit wird auf den Einsatz von Soja verzichtet und auf andere Proteinträger ausgewichen. Zusätzlich ist das Ziel, die totale Kraftfuttergabe (inklusive Proteinausgleich) auf durchschnittlich 600 kg pro Tier und Jahr zu limitieren.
Während der Vegetationsperiode wird neben der Mischration auch der Weidegang gepflegt. Die Milchviehhaltung auf dem Gutsbetrieb bietet gute Bedingungen, um Vergleiche zwischen verschiedenen Produktionssystemen, Rassen oder Leistungsniveaus zu erarbeiten. Sowohl produktionstechnische als auch wirtschaftliche Vergleiche sind denkbar. Damit kann das BBZN seine Position in Bildung und Beratung weiter ausbauen.
Die Betreuer
Die Stallherde wird vom Team des Gutsbetriebs betreut. Von Seite BBZN werden sie von Raphael Albisser unterstützt. Er ist seit bald zwei Jahren am BBZN Hohenrain Lehrer und Berater in Tierproduktion und unterrichtet Fütterung und Rindfleischproduktion.