Im Januar und Februar notiert die Plattform Global Dairy Trend (GDT) einen um 6,3 Prozent bzw. 6,7 Prozent höheren Preisindex. An der globalen Handelsbörse ist die Milch also wieder mehr wert, nachdem es seit letztem Sommer nur abwärts gegangen ist. «Es sieht tatsächlich so aus, dass die sehr negative Entwicklung der letzten sechs Monate Mitte Dezember 2025 ein Ende gefunden hat und die Preise wieder ansteigen», bestätigt Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM).

Rohstoff-Preise sind sehr tief

Es gibt aber einen Unterschied zwischen «Milchpreisen» und «Preisen für Milchprodukte» wie z. B. Butter, Rahm, Käse oder Milchpulver, erklärt Stefan Kohler. Deren Entwicklung verlaufe nicht parallel. In Deutschland etwa liegt ihm zufolge der Milchpreis noch bei etwa 40 Rappen, der Rohstoffwert Milch – also der Wert der Milch auf der Basis der Butter- und Magermilchpulverpreise – aber bei unter 30 Rappen. «Wenn nun die Rohstoff-Preise steigen, dann ist das ein Ansteigen auf sehr tiefem Niveau und bedeutet noch nicht automatisch, dass dann auch die ausbezahlten Milchpreise steigen.»

0,5 Rappen höhere Richtpreise für C- und B-Milch

Trotzdem, der Richtpreis für C-Milch in der Schweiz entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver und Butter für den Export auf den Weltmarkt (in US-Dollar). Laut GDT ist Magermilchpulver derzeit 10,6 Prozent mehr wert, Butter immerhin 8,8 Prozent. Das hat eine Wirkung auf die Richtpreise der BOM für Schweizer C- und auch B-Milch: Sie sind per Februar um 0,5 Rappen auf 53 Rp./kg bzw. 24,9 Rp./kg gestiegen. Stefan Kohler gibt allerdings zu bedenken, dass die internationalen Preise für Milchprodukte im vergangenen Jahr stark gesunken sind. «Beim Magermilchpulver ist das Niveau vom Vorjahr bereits wieder erreicht. Das ist erfreulich, aber das Preisniveau hier ist immer noch sehr weit unter dem Wert von vor ein paar Jahren.» Weil der US-Dollar-Kurs stark unter Druck sei, habe sich der Anstieg zudem noch etwas abgedämpft.

Für höhere Durchschnittspreise weniger melken

Die BOM rechnet für die laufenden Monate mit insgesamt 77 Millionen kg C-Milch. Die Regelungen der Branchenorganisation schreiben vor, dass C-Milch auf allen Stufen des Milchhandels freiwillig sein muss. «Jedem Lieferanten ist frühzeitig bekanntzugeben, wie viel C-Milch ihm in den kommenden Monaten abgerechnet werden», schreibt die BOM. Der Lieferant müsse dann entscheiden können, diese nicht zu liefern, ohne dass es Konsequenzen in den anderen Segmenten für ihn gibt. «Wir publizieren im Marktlagenbericht monatlich die Milchmengen in den drei Segmenten», bemerkt Stefan Kohler und erinnert an die obligatorische Freiwilligkeit der C-Milch. «Wenn diese Milch also gar nicht produziert werden wird, gibt es auch weniger Reguliermilch.» Die Produzentenpreise hätten es in der Hand, mit einer Drosselung der Produktion ihren Durchschnittspreis anzuheben, so Kohler. «Allerdings muss dafür weniger gemolken werden.» 

Weitere Entwicklung der Preise völlig offen

C-Milch ist und bleibt preislich enorm unattraktiv. Trotz der minimalen Erholung der Weltmarktpreise wird das auch so bleiben. Der BOM-Geschäftsführer hält fest, der Markt sei sehr volatil. Die Nachfrage nach Milch hinke weltweit derzeit der Produktion etwas hinterher. «Westeuropa hat eine ähnliche Situation wie die Schweiz, mit exzellentem Futter und die USA sowie Neuseeland produzieren ebenfalls überdurchschnittlich viel Milch.» Die Entwicklung der internationalen Produzentenpreise für das zweite Halbjahr 2026 bezeichnet Stefan Kohler als «völlig offen».

Neuland für alle Beteiligten und offene Fragen

Die Schweizer Milchbranche muss sich seit September 2025 mit einem Novum befassen, denn zuvor gab es mehrere Jahre keine C-Milch. Die Verknüpfung mit der Auszahlung von Geldern aus dem Fonds Regulierung wurde sogar noch nie praktiziert. Sie soll dafür sorgen, dass alle im Milchmarkt ein finanzielles Engagement bei der Regulierung leisten. Da die Beteiligten regulatorisches Neuland betreten, führt die Branchenorganisation eine Liste mit Erläuterungen. Sie wird laufend ergänzt und soll die Regelungen rund um die C-Milch klären. Eine offene Frage, die im Dokument vermerkt ist, dreht sich um die Zuführung von Milchprotein oder Milchfett in eine Biogasanlage: Soll das – oder eine anderweitige Entsorgung – auch als «Exportnachweis» angegeben werden? Exportnachweise sind eine Voraussetzung für den Erhalt von Fondsgeldern. Gibt es also Versuche, Milchprotein bzw. Fett gestützt mit Fondsgeldern zu entsorgen? «Nein», versichert Stefan Kohler. Erstens handle es sich um eine noch offene Frage und zweitens gehe es nur ums Milchprotein. Das ist nicht gestützt. «Wir stützen seit Januar 2026 nur das Milchfett und dieses muss immer zwingend exportiert werden.» 

Auf keinen Fall sei das Zuführen von Magermilch in die Biogasanlage interessanter als das Trocknen und Exportieren. «In Einzelfällen kann es in diesen Wochen sein, dass wegen fehlender Verarbeitungskapazitäten das Trocknen von Magermilch nicht mehr möglich ist», räumt Stefan Kohler ein: «Es ist eine technische Frage und keine Frage der Bequemlichkeit.»