93 431 Tonnen mehr Milch als 2024 (obwohl das Jahr 2025 ein Tag kürzer war) – das ist die Bilanz des vergangenen Jahres. Laut dem Marktlagebericht Februar 2026 der SMP betrug die kumulierte Verkehrsmilchproduktion 2025 insgesamt 3,43 Millionen Tonnen, 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Und im Dezember legte die Produktion nochmals kräftig zu: plus 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist keine kleine Delle nach oben – das ist ein deutliches Signal.
Nicht nur mehr Milch, auch mehr Fett
Was die Lage zusätzlich verschärft: Nicht nur die Milchmengen sind gestiegen, auch die Milchfettgehalte lagen 2025 über dem Vorjahr. Im Klartext bedeutet das noch mehr Fett im System. Allein 2025 wurden deshalb rund 4459 Tonnen mehr Milchfett produziert als 2024 – davon 568 Tonnen allein aufgrund der höheren Gehalte.
Die Folge zeigt sich im Butterlager: Ende Dezember 2025 lagerten laut Daten der Branchenorganisation Butter 4888 Tonnen Butter in der Schweiz – 415 Tonnen oder 9,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Trotz Massnahmen zur Marktentlastung.
Käse als Ventil – aber nur bedingt
Die Verarbeitung hat mitgezogen. Gemäss TSM-Statistik vom 11. Februar 2026 stieg die Käseproduktion 2025 um 5,2 Prozent auf rund 215 000 Tonnen. Besonders gefragt waren Frischkäse (+3701 t), Industrieware (+2656 t) und Quark (+2285 t). Doch was auf den ersten Blick positiv aussieht, hat einen Haken.
Der Käseexport stieg mengenmässig leicht um 2,2 Prozent auf 81 084 Tonnen – das stimmt. Doch das Bild täuscht. Denn beim genaueren Hinschauen zeigt sich: Die traditionellen Schweizer Markenkäse mit silofreier Milch verloren im Export 4,5 Prozent oder 1388 Tonnen. Le Gruyère AOP büsste 7,4 Prozent ein, Raclette Suisse 6,1 Prozent, Emmentaler AOP 3,7 Prozent, Switzerland Swiss sogar 13,2 Prozent. Das Mengenwachstum kam also nicht aus den Premium-Käsen, sondern aus günstigeren Kategorien wie Frischkäse und Quark.
Noch deutlicher wird die Lage, wenn man alle Milchprodukte in Vollmilchäquivalenten (VMA) betrachtet: Die gesamten Milchprodukt-Exporte der Schweiz sanken 2025 um 4,1 Prozent auf 730,6 Mio. kg VMA. Besonders stark brach der Export von Lebensmittelzubereitungen ein: minus 40,7 Mio. kg VMA. Die Aussenhandelsbilanz bleibt zwar insgesamt positiv, hat sich aber gegenüber 2024 um 14,7 Mio. kg VMA verschlechtert.
Der A-Richtpreis sinkt
Was die Marktlage direkt im Portemonnaie der Produzenten spürbar macht: Der A-Richtpreis der BO Milch war 2025 stabil, aber er fällt ab Februar 2026 von 82 auf 78 Rappen pro Kilogramm (franko Rampe, exkl. MwSt., bei 4% Fett und 3,3% Eiweiss). Dieser Preis gilt bis Ende des Jahres (2026).
Auf dem C-Segment – also für Regulier- und Abräumprodukte – zeigt sich die Marktsituation noch deutlicher: Der C-Richtpreis sank von 40,9 Rappen im Januar 2025 auf 23,6 Rappen im Januar 2026. Im Februar 2026 liegt er bei 24,9 Rappen.
Was bedeutet das konkret?
Für Milchproduzenten ist die Botschaft der Zahlen klar: Das System ist voll. Mehr Milch, wachsende Lagerbestände und ein rückläufiger Export bei den wertschöpfungsstarken Käsesorten – das drückt auf die Preise. Der Milchkuhbestand sank laut Identitas AG zwar leicht auf 523 920 Tiere im Januar 2026 (minus 0,6 Prozent gegenüber Vorjahr), aber das reicht offensichtlich nicht, um den Produktionszuwachs zu bremsen.
International ist die Lage ebenfalls nicht entspannt: Die EU-Milchproduktion wuchs 2025 um schätzungsweise 1,9 Prozent auf 148,5 Millionen Tonnen. Und auch auf dem Weltmarkt gibt es mehr Angebot. Immerhin: Beim letzten Global Dairy Trade Tender vom 17. Februar 2026 zogen die Butterpreise kräftig an – plus 10,7 Prozent gegenüber dem Termin vom 3. Februar. Laut SMP war das der stärkste Preisanstieg seit März 2021. Ein kleines Hoffnungszeichen für überfüllte Butterlager, aber eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Frühling.
Vorerst aber gilt: Der Markt braucht Disziplin. Nicht nur in Brüssel oder Bern – auch auf jedem einzelnen Betrieb.
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