«Die genialsten Erfindungen macht die Natur – das sind Konzepte, die funktionieren.» Davon ist Marcus Pan überzeugt und deshalb baut der Permakultur-Fachmann Systeme, die sich an der Natur orientieren. Das hat sich in der Schweiz ebenso bewährt, wie in Afrika oder Pakistan. «Man kann auf der Welt fast überall Böden aufbauen», sagt Pan. Über seine Erfahrungen referierte er anlässlich des Symposiums Soil to Soul in Zürich.
Tiere mit Funktion auf dem Auenhof
Hierzulande bewirtschaftet Marcus Pan seit 2018 den Auenhof bei Feldbach ZH. Auf dem 3-ha-Betrieb, den der gebürtige Österreicher als Lern- und Demonstrationshof führt, liegt der Schwerpunkt auf der Gemüse- und Obstproduktion. Es leben dort aber auch Ziegen, Hühner, Enten, Schweine, Bienen und Tauben. «Die Tiere haben eine Funktion», hielt Pan fest. «Sie liefern Mist, bereiten den Boden auf oder picken Unkrautsamen auf», nannte er einige Beispiele.
Zuerst die Landschaft und die Topografie lesen
Für die Permakultur als Gestaltungsprinzip ist die Arbeit mit natürlichen Mustern zentral. Auf dem Auenhof heisst das, dass jede Pflanze exakt den Höhenlinien folgend gesetzt wird. Die Betriebsfläche sei bei der Übernahme mit Armenischen Brombeeren und Bambus überwuchert gewesen, schilderte Marcus Pan. Erst ging es daher ans Aufräumen, bevor das gesamte Gelände vermessen und die Beete sowie Hecken quer zum Hang angelegt werden konnten. «Nicht erst Pflanzen und dann über das Wassermanagement nachdenken, sondern zuerst das Land und die Topografie lesen», rät der Fachmann.
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Keyline-Design nicht nur an steilen Stellen
Das gelingt mit einem Nivelliergerät, einem selbstgebauten A-Rahmen oder mithilfe von Geokarten. So ergeben sich die Lage von Fahrwegen und Beeten. Die Sickergräben für das Regenwasser sind jeweils dort ausgehoben, wo eine steile in eine ebene Fläche übergeht (Scheitelpunkt der Höhenlinie). Aus Sicht von Marcus Pan macht ein solches Keyline-Design nicht nur auf stark abschüssigen Parzellen Sinn, sondern auch in der Ebene. «Früher war das Credo, das Wasser möglichst schnell wegzuführen», gab er zu bedenken. «Heute, mit dem geänderten Klima, müssen wir es in der Fläche behalten.» Bis zur ersten Pflanzung sei beim Auenhof etwa ein Jahr Vorbereitungszeit nötig gewesen.
Auch die mit Holzschnitzeln ausgestreuten Wege sind bei Marcus Pan kleine Sickergräben. «Der Aushub plus 10 cm Kompost ergibt das Beet.» Die Beete sind 75 cm (für einjähriges Gemüse, damit man darüberstehend arbeiten kann) bzw. 100 cm breit (für mehrjähriges Gemüse).
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Wasser halten, Kompost, Gründüngungen und Mulchen
Das Wasser auf der Fläche versickern zu lassen, ist für Marcus Pan eine Komponente seiner 4-teiligen Strategie zum Humusaufbau, die weltweit funktioniere. Hinzukommen das Kompostieren von Material, das vorhanden ist, um Kreisläufe zu schliessen, ebenso der Einsatz von regenerierenden Gründüngungspflanzen und das Mulchen zum Bedecken des Bodens. Was den Kompost angeht, empfiehlt der Österreicher eine geführte Heissrotte, bei der die Temperatur überwacht und die Miete möglichst selten gewendet wird. «Das ist meine Methode», bemerkte er. «Andere wenden gar nicht oder mischen häufig und haben ebenso guten Kompost.» Betriebseigene Pflanzenkohle aus einem Kon-Tiki-Ofen kommt zum Aufladen mit Nährstoffen und als späterer Wasserspeicher im Boden in den Kompost.
Pflanzenarten für guten Kompost und als Mulchmaterial
Guter Kompost braucht gutes Ausgangsmaterial. Marcus Pan bessert ihn z. B. mit Beinwell und Brennnesseln oder auch Schafgarbe und Rainfarn auf. Das Laub von Haselsträuchern fördere das Bodenleben, das schnell nachwachsende Holz kommt auch in den Kon-Tiki zur Pyrolyse. Holz und Blätter von Holunder empfiehlt Pan ebenfalls für den Kompost, den er primär für einjähriges Gemüse nutzt.
Als Mulch setzt der Österreicher Beinwell ein – «wir hauen 10–20-mal pro Saison Blätter davon ab» – und aufgespaltene Holzschnitzel etwa vom Rückschnitt einer Erle auf dem Auenhof. «Holzige Biomasse fördert Pilze», erklärte Marcus Pan. Das richtige Mulchmanagement sei aber standort- und betriebsspezifisch, sowohl was das geeignete Material als auch die Dicke der Schicht oder allenfalls auch den Verzicht wegen hohen Schneckendrucks angeht. Global gesehen müsse die Mulchschicht umso dicker sein, je näher man zum Äquator kommt.
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«Mäusefutter für 30 000 Franken» – es kam anders
Wie in der Permakultur üblich, wachsen die Pflanzen auf dem Auenhof eng beieinander und durcheinander: Erle und Ölweide stehen als Stickstofffixierer zwischen Obstbäumen, einen halben Meter weiter sind Beinwell und eine Rebe platziert, die von dem Baum als Rankgerüst profitiert. Kultur- und Wildpflanzen sind kombiniert.
Er habe anfangs rund 30'000 Franken für (Wild-)Obstbäume diverser Sorten ausgegeben, erinnert sich Marcus Pan. Ein Fachmann vom Kanton habe sich über die Vielfalt gefreut, ihm aber eröffnet, die vielen Mäuse auf der Fläche würden sämtliche Bäume über den Winter umbringen. «Ich hatte schlaflose Nächte, ich habe nur noch überall Mäuse gesehen – Mäusefutter für 30'000 Franken», schilderte Pan. Am Ende verlor er drei Bäume, wovon einer der ausgebüxten Ziegenherde zum Opfer gefallen sei.
Der Permakultur-Designer führt dies darauf zurück, dass er auch die Krautschicht unter den Bäumen bepflanzte. «Es war Oktober, aber wir haben Wurzelstücke bzw. Stecklinge von Alant, Beinwell, Meerrettich, Minze oder Holunder in die Erde gedrückt.» Beeren bilden auf dem Auenhof die Strauchschicht, darüber strecken sich Grossbäume wie Ahorn oder die erwähnte Erle. Viele verschiedene Pflanzen auf einer Fläche, das entspreche dem Vorbild der Natur und bilde daher ein beständiges System, das auf Dauer selbst funktionieren könne.
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Nach sieben Jahren in der Phase der Anreicherung und der Fülle
Im Verständnis von Marcus Pan kann man durch das Schichten von Pflanzen und gezieltes Gestalten die natürliche Sukzession beschleunigen. «Wir haben vor sieben Jahren auf dem Auenhof mit der Pionierphase gestartet und sind nun in der Anreicherungs-, teilweise in der Phase der Fülle», sagte er. Während der Anreicherung steigt der Humusgehalt im Boden, die Fülle ermöglicht Ernten. Im Pionierstadium hingegen gibt es noch wenig fruchtbaren Untergrund und typische Pflanzen wie Winden.
Er gehe in den nächsten Tagen nach Spanien, bemerkte Marcus Pan am Ende seines Referats. «Dort sieht es gar nicht rosig aus.» Heftige Regenfälle hätten die fruchtbare Erde des Hinterlands in die Städte geschwemmt. In diesen Anbaugebieten werde er Höhenlinien ausmessen und zum Aufbau eines neuen Systems beraten. «Denn der nächste Regen kommt bestimmt.»