«Es war auch eine Gelegenheit, die Bubble zu verlassen und miteinander ins Gespräch zu kommen», hielt Mathias Forster rückblickend fest. Der Geschäftsführer der Biostiftung Schweiz zog an der Abschlusskonferenz des Pilotprojekts «Sieben Jahre Bodenfruchtbarkeitsfonds» (siehe Kasten), die kürzlich in Rheinau ZH stattfand, Bilanz. Austausch und Wissenstransfer unter den Partnerhöfen über die Landesgrenzen hinweg hätten sich als zentrale Elemente des Projektes erwiesen.

Hauptmassnahmen waren Bodenlockerung und Gründüngung

Die Vielfalt der 30 am Projekt beteiligten Höfe war gross: Die bewirtschafteten Flächen pro Betrieb reichen von 2,5 ha bis zu 218 ha. Mit den verschiedenen Höfen waren unterschiedliche Betriebszweige vertreten, von Milchwirtschaft, über vorwiegend Ackerbau, Gemüsebau über Schweine- oder Hühnerhaltung bis hin zu Obst- und Weinbau. 

Abo Häcksler im Einsatz Mit der Heckenpflege den Boden verbessern – so gehts Tuesday, 18. November 2025 Zentrale Aufgabe der Partnerhöfe im Rahmen des auf mehrere Jahre angelegten Pilotprojektes war es, die Bodenfruchtbarkeit ihrer Flächen zu verbessern. Dabei erhielten sie viel Freiraum: Nach Gesprächen mit dem Bodenexperten Ulrich Hampl vereinbarten sie für jedes Projektjahr ein individuelles Massnahmenpaket. Die Betriebsleiter(innen) reflektierten die Umsetzung und legten am Ende des Jahres einen Rechenschaftsbericht vor. «Als wirksamste Massnahmen erwiesen sich unter anderem eine angepasste Bodenlockerung sowie konsequent eingesetzte Gründüngung». Er nannte die deutlichsten Resultate im Laufe des Projekts:

Bodenstruktur: Die Böden in der Unterkrume (15-30 cm) zeigten eine bessere Gefügebewertung als in der Oberkrume (0-15 cm). Dies wirkt sich positiv auf Durchwurzelbarkeit, Luft- und Wasserspeichervermögen, Widerstandskraft gegen Erosion und Extremwetter sowie Nährstoffverfügbarkeit aus.

Krümeltiefe: Von 2018 bis 2024 hatte sich die durchschnittliche Krümeltiefe um fast 8 cm gesteigert.

Humusgehalt: In den vier Jahren der zweiten Pilotphase (2020 bis 2024) konnte der durchschnittliche Humusgehalt um 10,5 % gesteigert werden.

Resilienz bei Extremwetter: Viele Partnerhöfe berichteten über deutlich verbesserte Wasserhaltefähigkeit, geringere Verschlammung bei Starkregen sowie schnellere Erholung nach Trockenperioden.

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Zusammenarbeit mit Myclimate Schweiz

Abo Ohne Pflug Direktsaat: So bringt Armin Steiner mehr Luft in seine Böden Tuesday, 14. October 2025 Als Erfolg wertete Mathias Forster auch die öffentlichen Boden-Hoftage auf den Partnerbetrieben: Während eines Zeitraums von sieben Jahren fanden mehr als 230 dieser Veranstaltungen mit insgesamt rund 12 000 Teilnehmer(innen) statt. Zudem lobte Forster die Zusammenarbeit mit der Stiftung Myclimate Schweiz. Diese entwickelte ein Monitoring, um den Aufbau von Bodenkohlenstoff zu messen. Damit konnte die CO₂-Bindung der beteiligten Höfe berechnet und als Verified Emission Reductions (VERs) verkauft werden. Dies öffnete neue Finanzierungswege über Klimaschutzspenden.

Wertvoller Austausch unter den Partnerbetrieben

Das Fazit zum Projekt: Der Aufbau lebendiger Böden sei möglich, reproduzierbar und skalierbar, stellte Forster abschliessend fest. Die Bio-Stiftung Schweiz empfehle, die Erfahrungen des Fonds in künftige Programme und Politiken einzubeziehen. Als Vertreter eines der Partnerbetriebe äusserte sich Andi Vogel-Kappeler aus dem Thurgauischen Wäldi zum Pilotprojekt. Der Austausch untereinander habe ihm viel gebracht, hielt er fest. «Obwohl alle Betriebe sehr verschieden waren, beschäftigten uns doch dieselben Fragen».

Bodenfruchtbarkeit fördern

Der Bodenfruchtbarkeitsfonds wurde 2018 von der Bio-Stiftung Schweiz mit Sitz in Basel gegründet. Die Idee dahinter war es, im Rahmen eines Pilotprojekts in der Region um den Bodensee die Bodenfruchtbarkeit während mehreren Jahren zu erforschen und in der Gesellschaft das Bewusstsein für den Wert gesunder Böden zu fördern. Dazu beteiligten sich 30 Partnerhöfe aus der Schweiz, aus Deutschland, Österreich und Liechtenstein, mit dem Ziel, die Bodenfruchtbarkeit ihrer Flächen zu verbessern. Zudem fand die Biostiftung Schweiz mehr als 30 Institutionen und Einzelpersonen, welche sich mit vier Millionen Franken an dem Vorhaben beteiligten. Das Projekt wurde nach einer ersten dreijährigen Pilotphase auf insgesamt sieben Jahre erweitert und kam kürzlich zum Abschluss.