Hecken sind wahre Hotspots für die Biodiversität, in denen es kreucht, fleucht und flattert. Im Herbst und Winter wird es ruhiger in den Gehölzen. Jetzt – zwischen November und März – ist der richtige Zeitpunkt, Hecken zu pflegen.

Frisches Astmaterial für den Häcksler

Bei Eva Kollmann in Beinwil AG wachsen Hecken auf insgesamt 1,2 km Länge. «Darin leben Feldhasen, Wiesel und sehr viele Vögel», schildert die Betriebsleiterin. Sie schätzt insbesondere auch den Gesang der Vögel, «für mich gehört der Klang einer Landschaft dazu.»

An diesem kalten Novembertag hängt der Nebel tief, das Gras ist triefend nass und Vogelgezwitscher ist keines zu hören. Dafür aber das dumpfe Rumpeln eines Häckslers, der mit frischem Astmaterial gefüttert wird.

Für den Wasserhaushalt in der Anlage

So viele und vielfältige Hecken haben einen hohen Wert für die Biodiversität – bedeuten aber auch viel Arbeit. Und es fallen bei der Pflege grössere Mengen Schnittgut an. Eva Kollmann schichtet daraus Asthaufen auf, diesen Herbst startet sie aber auch einen Versuch mit fragmentiertem Zweigholz – das ist der Grund, weshalb nun ein voll elektrischer Häcksler der Firma Eliet, zur Verfügung gestellt von der Paul Forrer AG, auf ihrem Landgut Weitsicht im Einsatz ist. Vom fragmentierten Zweigholz erhofft sich Kollmann insbesondere eine bessere Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Zu Versuchszwecken verteilt sie das Material in einem Teil ihrer Edelkornell-Anlage.

[IMG 4]

Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in einem

Die Holzfragmente stellen auch eine Kohlenstoffsenke dar, sofern sie – wie in diesem Fall – vom Betrieb stammen. «Klimaschutzmassnahmen sind sechsmal günstiger als Nichtstun», hält Eva Kollmann fest und zitiert damit eine 2024 erschienene internationale Studie. Die österreichische Ökonomin Sigrid Stadel kam heuer zu dem Schluss, dass der EU bei fehlendem Klimaschutz bis 2050 Produktionsausfälle von mehr als fünf Billionen Euro durch Hitzestress drohen. «Jedes eingesparte Zehntelgrad kann die Auswirkungen auf die Schweizer Natur, Gesellschaft und Wirtschaft reduzieren», sagte ETH-Klimaforscher Reto Knutti kürzlich zu den aktualisierten Klimaszenarien für die Schweiz. Sie bescheinigen hierzulande einen besonders ausgeprägten Klimawandel.

Fragmentiertes Zweigholz könnte beides sein – sowohl eine Massnahme für den Klimaschutz als auch ein Weg, die landwirtschaftliche Produktion gegenüber den Folgen des Klimawandels resilienter zu machen. Nicht zuletzt helfen sinnvoll in der Landschaft platzierte Hecken – die Rohmaterial für das fragmentierte Zweigholz liefern können – dabei, Wasser in der Fläche zu halten.

Fragmentiertes Zweigholz ist anders als Holzschnitzel

Im Gegensatz zu klassischen Schnitzeln besteht fragmentiertes Zweigholz per Definition aus (jungen) Ästen, die nicht nur kleingeschnitten, sondern zusätzlich gequetscht bzw. aufgespalten werden. Dadurch sind die Stücke schneller zersetzbar und sollen wachstumsfördernde Stoffe enthalten. Auf den Boden ausgebracht bzw. in die oberste Schicht eingearbeitet, verspricht man sich davon ein Ankurbeln der biologischen Aktivität im Untergrund, Vorteile für Kulturen (Gemüse, Obst, Reben, aber auch Ackerfrüchte) und nicht zuletzt weniger Verdunstung, Erosion und Erhitzung des Bodens. Das Material bringt organische Substanz in die Böden und kann so deren Fruchtbarkeit erhöhen.

[IMG 3]

Bei guter Qualität droht keine Stickstoffblockade

«Fragmentiertes Zweigholz ist eine gute Verwendungsart für Heckenschnittreste», sagt Agroscope-Forscher Luca Bragazza auf Anfrage. Es sei allerdings darauf zu achten, dass es sich um gute Qualität handelt (tiefes C/N-Verhältnis, nicht mehr als 20% Nadelholzanteil). «Wenn das C/N-Verhältnis unter 200 liegt, droht kein Stickstoffmangel in der Hauptkultur.» Insbesondere dann nicht, wenn zusätzlich zum Ausbringen des fragmentierten Zweigholzes vor der Aussaat der Hauptkultur eine leguminosenreiche Gründüngung gesät werde.

Vielversprechende Resultate im Ackerbau

Derzeit führt Agroscope Nyon ein Agroforstprojekt mit Weidenhecken zur Herstellung von fragmentiertem Zweigholz durch, das Material soll auf landwirtschaftlich genutzte Böden ausgebracht werden. «Dabei stellt sich die wichtige Frage, welche Mindestmenge fragmentiertes Zweigholz als Bodenverbesserungsmittel zuzugeben ist, um die Bodenfruchtbarkeit signifikant zu verbessern», so Bragazza. Diese Frage wolle man im Forschungsprojekt angehen. Bereits gibt es von Agroscope-Studienergebnisse zu fragmentiertem Zweigholz im Ackerbau. «Die Resultate zeigen einen Anstieg des Gehalts an organischer Substanz und eine Verbesserung der Bodenstruktur bzw. der Porosität, ohne dass es zu Produktionsverlusten bei den Folgekulturen kommt», erläutert der Forscher.

[IMG 2]

Ausdauernder Akku, aber er braucht Starkstrom

Der vollelektrische Prof 6 E-Power von Eliet zerkleinert Äste mit bis zu 10 cm Durchmesser und ist selbstfahrend auf Rädern oder Raupen. So lässt sich der Häcksler strategisch platzieren, um lange Wege beim Schleppen des Schnittguts zu vermeiden. In Beinwil kommt das Gerät mit dem nassen Gras zum Fahren gut zurecht und der Akku erweist sich als ausdauernd. Er lässt sich allerdings nur mit einem Starkstromstecker laden. Eva Kollmann würde den Häcksler gerne zusammen mit einem benachbarten Gärtner für die gemeinsame Nutzung kaufen, sobald dessen bisheriges, fossil betriebenes Modell den Geist aufgibt.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich das fragmentierte Zweigholz in der Praxis unter den Edelkornell-Sträuchern bewährt. Agroscope plant 2026 ausserdem eine weitere Publikation von Ergebnissen aus ihrem Forschungsprojekt mit fragmentiertem Zweigholz aus Weidenhecken im Ackerbau.