Blühende Gründüngungen im Herbst sind ein schöner Anblick, aber auch ein zweischneidiges Schwert. Denn sobald die Pflanzen in die Blüte gehen, ändern sie gemäss Fachleuten für die Regenerative Landwirtschaft die Abgabe von Wurzelausscheidungen in den Boden. Meist steht aber im Vordergrund, dass bei blühenden Gründüngungen bald ein Versamen der Pflanzen droht.

Ist ein Abstoppen überhaupt nötig?

Um dies zu verhindern, wird generell ein Abstoppen vor der Samenreife empfohlen. Bernhard Streit, Dozent für Verfahrenstechnik im Pflanzenbau an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), sieht das nicht so eng. «Ich würde mich auch immer fragen, ob ein Abstoppen überhaupt nötig ist», meint er. Bei Kreuzblütlern und Buchweizen sehe er die Notwendigkeit noch. «Bei allen anderen Arten eher nicht.» Anders sehe es allerdings aus, wenn eine Verholzung der Gründüngung verhindert werden soll.

Für eine Flächenrotte sind unverholzte Pflanzen von Vorteil

Je weicher und frischer das Pflanzenmaterial, desto geringer ist der Kohlenstoffanteil und umso mehr Stickstoff steht zur Verfügung, wie die UFA Samen AG in ihrer Gründüngungsbroschüre festhält. Je älter die Pflanzen werden, desto breiter wird das C/N-Verhältnis, was für den Humusaufbau förderlich sei.

Hingegen gilt Pflanzenmaterial mit geringem Kohlenstoffanteil als schneller zersetzbar. Beim Abbau wird kurzfristig Stickstoff freigesetzt. Ist vor einer zweiten Gründüngung oder der Saat einer Folgekultur eine Flächenrotte geplant, ist ein tieferes C/N-Verhältnis daher von Vorteil. Schliesslich soll die Rotte innerhalb von etwa zehn Tagen – je nach Witterung – abgeschlossen sein, was sich durch einen süsslichen Geruch der Erde zeigt.

«Da täte mir der Kreiselheuer leid»

Wenn es darum geht, das Verholzen einer Gründüngung zu verhindern, rät Bernhard Streit zur Walze. Er ist skeptisch, was den Einsatz des Kreiselheuers in Gründüngungen angeht. Zwar liest man je nach Quelle, dieses Gerät sei eine zeitlich und finanziell attraktive Alternative zu Messerwalze oder Mulcher. Hoch eingestellt seien damit die blühenden Gründüngungsarten wieder in den vegetativen Zustand zu bringen, beschreibt etwa UFA. Das funktioniere allerdings besonders gut bei schnell wachsenden, strukturarmen und wasserreichen Pflanzen wie Phazelia, Guizotia, Buchweizen oder Gelbsenf, heisst es beim Arenenberg. 

«Es kann sein, dass das bei einzelnen Arten funktioniert», bestätigt Streit und ergänzt: «Ich sehe aber wenig Potenzial für die Methode.» Stehe ein ausgewachsener, mindestens 60 cm hoher Gründüngungsbestand auf der Fläche, weise der etwa 4 t TS auf. «Da täte mir ein Kreiselheuer leid, der da durchgewürgt wird.» Gräser liessen sich seiner Meinung nach mit ziemlicher Sicherheit nicht genügend quetschen und stark verzweigte, blattintensive Arte wie Felderbsen oder Wicken würden den Kreiselheuer ruinieren.

Besser keine kritischen Arten in die Mischung nehmen

Eine Walze sei besser und überdies ebenso billig und überall verfügbar. Das Argument, ein Kreiselheuer sei allenfalls gewichtsmässig die bodenschonendere Variante, lässt Bernhard Streit nicht gelten. «Das ist eine interessante Argumentation. Aber Achtung: ein Kreiselheuer ist heutzutage auch kein Leichtgewicht mehr.» 

Der Ansatz des HAFL-Dozenten lautet, keine kritischen Arten in der Gründüngung zu säen. «Dann muss auch nichts im Herbst abgestoppt werden.» Stattdessen lässt man entweder – im Fall abfrierender Arten – den Frost für sich arbeiten. Oder es kommen überwinternde Mischungen zum Zug, die im Frühling den Boden noch lange decken und vor der Saat mechanisch oder chemisch terminiert werden.