Pflanzenzucht gibt es schon solange wie den Menschen. Er sammelte Pflanzen mit gezielten Eigenschaften. Sehr bald schon entwickelten sich daraus Kreuzungszüchtungen, um mehrere gute Eigenschaften in einer Pflanze zu konzentrieren. Die Veränderung des Erbgutes heisst Mutagenese. Solche genetischen Veränderungen passieren in der Natur andauernd.
Gentechnik als Zuchtwerkzeug
Seit rund 45 Jahren arbeiten Forscher an Methoden der künstlichen Genveränderung, bei welcher diese Mutagenesen ausgelöst werden. Bekannt ist diese Arbeit unter dem Namen Gentechnik oder Gentechnologie. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestrahlen das Erbgut der Pflanze oder setzen es chemischen Stoffen aus.
So können sie Gene ausschalten. Die Veränderungen, die dabei entstehen sind aber zufällig und nicht zielgerichtet. Bei der Gentechnologie werden zudem arteigene oder artfremde Gene irgendwo in das Erbgut der Pflanze eingebaut. Auch dieser Vorgang geschieht ungezielt und ist daher unsicher in der Anwendung.
Neue Züchtungstechnologien, um Pflanzen nach Wunsch verändern zu können.
Am 13. Nationalen Ackerbautag, vom 15. Januar 2026 an der HAFL in Zollikofen informierten verschiedene Wissenschafterinnen und Wissenschaftler über die Möglichkeiten der Pflanzenzüchtungen. Bruno Studer, von der ETH Zürich, informierte über die Neuen Züchtungstechnologien (NZT).
Im Jahr 2020 wurden die Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier und die Biochemikerin Jennifer Doudna mit dem Chemienobelpreis ausgezeichnet. Sie entdeckten die Gen-Schere CRISPR-CAS und präzisierten so die Gentechnologie.
Die Genschere erlaubt gezielte Eingriffe ins Erbgut
Mit dieser Methode können nun einzelne Gene gezielt ausgeschaltet oder andere eingefügt werden. Das Ziel sei, diejenigen Gene ausschalten zu können, welche für die Krankheitsanfälligkeit verantwortlich sind, und zusätzlich Resistenz-Gene ins Erbgut einzubauen. Das tönt einfach, ist aber sehr zeit-, arbeits- und kostenaufwändig.
Bis heute hat die Gentech-Wissenschaft weltweit nur wenige Pflanzen mit einem Zusatznutzen auf den Markt gebracht. Ein Beispiel dafür ist «Roud-up-ready-Soja». Dabei ging es aber ironischerweise nicht darum, dass Landwirtinnen und Landwirte weniger Pflanzenschutz einsetzen müssen, sondern um mehr Herbizid-Einsatz.
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Was bedeuten das für die Biopflanzenzüchtung?
Amadeus Tschunke, von der Bio-Pflanzenzuchtfirma Sativa, wählt für seine Zuchtarbeit einen anderen Ansatz: Für ihn sind Pflanzen Teil eines gesamtheitlichen Systems aus Standort, Boden, Klima, Betriebsform und Konsumenten. Er sieht die neuen Züchtungstechnologien, wie die Gene-Schere CRISPR, eher kritisch.
Gerade das Ausschalten von Genen, könnte dazu führen, dass gewisse Eigenschaften von Pflanzen verschwinden. Der Grund dafür: Ein Gen, kann für mehrere Eigenschaften verantwortlich sein und es wurden bisher noch nicht alle entschlüsselt. Ein anderer Kritikpunkt an den NZT ist die Tatsache, dass nur hochspezialisierte Labore und keine Landwirtinnen und Landwirte diese Zuchtarbeit leisten können. Das so produzierte Pflanzgut ist unter Umständen dann nicht mehr für alle Produzenten verfügbar.
Robuste Pflanzen als Ziel
Für Amadeus Tschunke muss eine Pflanze nicht hochspezialisiert sein, aber gesamtheitlich so robust, dass sie mit den Umweltbedingungen umgehen kann. Daher setzt er bei der Zucht von Biopflanzen auf die herkömmlichen Methoden. Zu seinen Zuchtzielen gehört nicht nur ein möglichst hoher Ertrag, sondern auch die innere Qualität – wie unteranderem Backqualität, Geschmack oder Stickstoff-Effizienz.
Landwirtinnen und Landwirte sollen das Saatgut aller Sorte auch unter Bio-Bedingungen selbst produzieren können. Leider können sie das schon heute bei vielen Gemüsesorten nicht mehr.
Akzeptiert die Bevölkerung die neue Technologie?
Der Gentechnologie stehen sehr viele Leute kritisch gegenüber. Diese Kritik reicht von diffusen Ängsten bis zu geschärften Argumenten. Deshalb ist es in der Schweiz seit dem Jahr 2005 verboten gentechnisch veränderte Organismen freizusetzen. Das Volk nahm im Vorfeld die Gentechfrei-Initiative an und sprach sich klar dagegen aus.
Das Parlament verlängerte im März 2025 dieses Verbot bis 2030. So hat es genügend Zeit eine neue Rechtsgrundlage auszuarbeiten. Wegen der fehlenden Akzeptanz verzichten Pflanzenzüchter, wie der Kartoffelzüchter Justus Böhm aus Deutschland, bewusst auf den Einsatz der NZT.
Forscher fordern die Zulassung der NZT
Die meisten anwesenden Forscherinnen und Forscher sind der Meinung, dass die NZT – ausser beim Einfügen artfremder Gene – nicht mehr unter das Gentech-Moratorium fallen sollten. So soll die Schweiz diese zulassen.
Zudem argumentieren sie, dass mit den neu geschaffenen Pflanzensorten Landwirtinnen und Landwirte weniger Pflanzenschutzmittel PSM einsetzen müssen. Die Erträge seien dadurch planbarer und sicherer. Dafür fordern sie eine offene und transparente Kommunikation der NZT-Organisationen. So könnten skeptische Menschen mit Argumenten vom Nutzen der NZT überzeugt werden.
Generalversammlung PAG-CH
Die Plattform Ackerbau-Grandes cultures-Schweiz führte am gleichen Anlass ihre Generalversammlung durch. Die Plattform ist ein Zusammenschluss der grossen Ackerkultur-Verbände. Der Vorsitzende Stephan Scheuner (Swiss Granum) führte durch die Versammlung. Der Zweck der Vereinigung ist der Informations- und Wissensaustausch im Bereich Ackerbau. Dreimal im Jahr erscheint der Newsletter – in der Projektdatenbank sind 197 Einträge vorhanden. Neu in den Vorstand kommt Maike Krauss vom FIBL, sie übernimmt den Sitz von Tobias Gelencser, FIBL.