Abo Lukas Kilcher (links) und Alfred Schädeli im Bio-Weizen. Wir haben die beiden zum Austausch – mit Blick in die Zukunft – getroffen. Resilienz Zwischen Hamsterrad und Paradies – was Höfe zukunftsfähig macht Tuesday, 29. July 2025 Die Budgetdebatten im Parlament sind typischerweise ein Kampf. Die Planung der Finanzen für 2026 bis 2029 war indes angesichts des bekannten Lochs in der Bundeskasse besonders umstritten. Trotzdem haben sich die Parlamentarier(innen) dazu entschlossen, die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea im Zeitraum von 2026 bis 2029 mit 1,2 Millionen mehr Bundesgeld zu unterstützen. Agridea-Direktor Lukas Kilcher erklärt im Interview die Hintergründe und Konsequenzen dieses Entscheids.

Wie kam es dazu, dass beide Räte eine Aufstockung der finanziellen Mittel für die Agridea beschlossen haben?

Lukas Kilcher: Das Thema Sparen kennt Agridea leider nur zu gut: Seit 2014 hat der Bund die jährlichen Beiträge an die Agridea – das sogenannte Grundmandat – schrittweise gekürzt von 9,5 Mio. Franken auf 8,036 Mio. Franken im 2025, jeweils gegen den Willen der Kantone. Dies bei gleichzeitig wachsendem Aufgabenportfolio für die Agridea von Seiten Bund und Kantonen. Diese Kürzungen widersprechen zudem der vereinbarten Arbeitsteilung zwischen Bund und Kantonen in der landwirtschaftlichen Beratung.

Inwiefern hat der Bund hier seine Pflicht nicht wahrgenommen?

Seit 2008 finanzieren die Kantone die landwirtschaftlichen Beratungsdienste in ihren Bildungs- und Beratungszentren. Der Bund dagegen hat sich damals verpflichtet, die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea zu finanzieren, welche die kantonalen Beratungsdienste schweizweit laufend mit aktuellem Wissen versorgt. Die Kantone bestehen auf einer starken Agridea, weshalb die Landwirtschaftsdirektorenkonferenz (LDK) die Anpassung des Budgets im Parlament lanciert hat. Dabei fordern die Kantone die Wiederherstellung des ursprünglichen Agridea-Budgets in der Höhe von 9.5 Mio. Franken pro Jahr. Es handelt sich also nicht um eine Budgetaufstockung, sondern um eine teilweise Rückgängigmachung von früheren Kürzungen.

Welche Argumente konnten sowohl den National- als auch den Ständerat überzeugen?

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Wissen und unternehmerischem Erfolg der Landwirtschaftsbetriebe. Nur wer sich in produktionstechnischen, ökologischen, betriebswirtschaftlichen sowie Marktfragen gut auskennt und laufend mit aktuellem Wissen versorgt wird, kann seinen Betrieb erfolgreich führen. Umgekehrt haben Kürzungen der Mittel für den Wissenstransfer in der Landwirtschaft unmittelbar negative Folgen für die Einkommen der Landwirtschaftsbetriebe und die Nachhaltigkeit in der Produktion. Zudem widersprechen die Kürzungen wie erwähnt den Verpflichtungen des Bundes gegenüber den Kantonen. Deshalb hat eine Mehrheit im National- wie auch im Ständerat für eine leistungsfähige Agridea gestimmt.

Was soll  Agridea konkret leisten?

Sie sorgt landesweit für die Wissensaufbereitung und den -transfer der Forschungsresultate in die Beratung, Bildung und Praxis. Dies mit dem Ziel einer nachhaltigen Produktion von Nahrungsmitteln. Ausserdem unterstützen wir die landwirtschaftliche Beratung und Praxis darin, die Herausforderungen der Zukunft konstruktiv zu meistern und unternehmerische Chancen erfolgreich zu packen. Mit Praxiswissen trägt Agridea weiter zu einer wirksamen Umsetzung der Agrarpolitik des Bundes bei.

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Die Agridea-Kurse sind kostenpflichtig, die Beratungszentrale ist als Verein organisiert und erhält zusätzlich Finanzhilfen vom Staat. Warum braucht es Letzteres und wie viel Geld fliesst da jährlich?

Die Agridea bietet eine breite Palette an Leistungen im Wissenstransfer: Kurse, Dokumentationsmaterialien, Webseiten, Wissensplattformen, Softwaretools bis und mit Projekten, Mandaten und Entwicklung von Beratungsmethoden für die Kantone und den Bund. Die Agridea ist dabei grundsätzlich verpflichtet, ihre Dienstleistungen zu marktüblichen Preisen anzubieten. Das heisst aber nicht, dass diese kostendeckend angeboten werden können. Je nach Dienstleistung ist der Kostendeckungsgrad unterschiedlich. Bei den Kursen reicht der marktübliche Preis gerade mal dafür, Referentenkosten, Kursunterlagen, das Kurslokal und die Verpflegung zu finanzieren. Die gesamte Arbeit der Agridea, wie die Kursorganisation, finanziert sich weitgehend über das Grundmandat. Viele Dienstleistungen der Agridea sind auf ähnliche Weise gemischt finanziert. Das Grundmandat beträgt ab 2026 jährlich 9.236 Millionen Franken und macht etwas mehr als die Hälfte des Gesamtbudgets der Agridea aus.

Steht bereits fest, wo die neuen Bundesgelder investiert werden?

Bereits bei der Formulierung des Antrags an das Parlament haben wir uns gemeinsam mit der LDK gut überlegt, wozu wir die zusätzlichen Mittel beantragen. Das Parlament unterstützt mit der Annahme des Antrags diese Ausrichtung, weshalb bereits klar ist, wofür wir sie einsetzen werden. Natürlich ist der Antrag kein Tätigkeitsprogramm, dieses entwickeln wir jährlich unter Einbezug unserer Partner im landwirtschaftlichen Innovations- und Wissenssystem (LIWIS). Massgebend sind dabei ihre Bedürfnisse, allen voran die der kantonalen Bildungs- und Beratungszentren sowie die der landwirtschaftlichen Praxis, wohin das Wissen schlussendlich fliessen soll. Wir richten unsere Arbeit auch am Wissenszuwachs der Agrarforschung aus, denn eine zentrale Aufgabe der Agridea ist die Aufbereitung der Erkenntnisse aus der Forschung für die Beratung, Bildung und Praxis.

Wie wird Agridea die zusätzlichen finanziellen Mittel einsetzen?

Inhaltlich fokussieren wir uns auf die diversen neuen Herausforderungen, die die Praxis und damit die landwirtschaftliche Beratung in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen. Insbesondere die Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft der Landwirtschaftsbetriebe.

Wie wollen Sie die wirtschaftliche Zukunft der Betriebe sichern?

Es ist ein wichtiges Ziel, dass die Landwirtschaftsbetriebe ihre Einkommen aus der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln sichern und ihre unternehmerische Leistungsfähigkeit stärken. Der Schlüssel dazu sind Up-to-date Wissen und Werkzeuge für strategisches Betriebsmanagement, unternehmerische Entscheide bis hin zu Planungshilfen für Landwirtschaftsbetriebe wie zum Beispiel Richtpreise auf Basis von Vollkosten, digitale Werkzeuge für die ökonomische Betriebsanalyse sowie Planungshilfen für Investitionen.

Und ganz konkret: Wo wird ausgebaut?

Das Leistungsfeld der Agridea im Bereich Betriebsorganisation, Betriebswirtschaft, Wertschöpfung und Märkte wird ausgebaut. Agridea investiert aber auch in Wissen zum Klimaschutz und zur Bewältigung des Wandels, zur Sicherung der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln oder zur Digitalisierung und Smart Farming. Digitale Tools sind eine grosse Chance für die Landwirtschaft, sie erfordern aber viel neues Fachwissen in der Entwicklung und in der Praxisanwendung.

An der letzten DV hat Agridea sechs neue Handlungsfelder definiert. Nun tritt per 1. Januar 2026 im Rahmen des Verordnungspakets 2025 eine Governance-Änderung in Kraft: Neu gibt es statt einer Leistungsvereinbarung eine Rahmenvereinbarung zwischen Agridea, BLW und LDK. Was bedeutet das für die Beratungszentrale und ihre Ausrichtung?

Abo Sechs Handlungsfelder, die die Landwirtschaft fit für die Zukunft machen: Wandel, Innovation, Ressourcen, Klima, Digitalisierung und nachhaltige Ernährung. Agridea Agridea: «Die Landwirtschaft ist im Wandel – wir wollen ihn aktiv mitgestalten» Wednesday, 30. July 2025 Die neue Rahmenvereinbarung zwischen Agridea, BLW und LDK definiert die inhaltliche Ausrichtung der Agridea für die soeben gestartete Vertragsperiode 2026–2029. Im Zentrum stehen dabei die sechs neuen Handlungsfelder, die die LDK Ende Juni 2025 an der Delegiertenversammlung der Agridea verabschiedet hat (die Bauernzeitung berichtete).

Die Handlungsfelder haben wir in enger Zusammenarbeit mit der LDK, dem BLW, dem Beratungsforum Schweiz sowie weiteren Partnern des Landwirtschaftlichen Innovations- und Wissenssystems (LIWIS) in einem ko-kreativen Prozess erarbeitet. Zusätzlich haben wir nach dem Parlamentsentscheid vom 18. Dezember 2025 den Finanzhilfevertrag zwischen BLW und Agridea für die Periode 2026–2029 unterzeichnet. Dieser regelt die Finanzen und definiert die neuen Beiträge für das Grundmandat.

Wie beurteilen Sie diese Änderung?

Diese Aufteilung in eine inhaltliche Rahmenvereinbarung und in einen finanziellen Vertrag ist für die Agridea zweckmässig. Wichtig ist uns, dass die LDK weiterhin stark involviert ist und sich an der strategischen, thematischen und operativen Steuerung der Agridea inklusive des Einsatzes der finanziellen Mittel beteiligt und dazu entsprechende Mitsprache erhält.

Agridea legt Wert darauf, nah an dem zu arbeiten, was die Landwirt(innen) und Bäuer(innen) beschäftigt. Gibt es eine Möglichkeit, als Landwirt oder Bäuerin mögliche Kursthemen oder Themenfelder vorzuschlagen?

Ja, wir orientieren uns an den Anliegen und Themen der bäuerlichen Praxis. Denn es ist die Aufgabe der Beratung, die Landwirtschaftsbetriebe darin zu unterstützen, Chancen erfolgreich zu nutzen und Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen für eine nachhaltige Zukunft. Es ist daher nur logisch, dass wir in der Entwicklung unserer Handlungsfelder und unserer jährlichen Tätigkeitsprogramme bis und mit konkreten Dienstleistungen wie Kursen die bäuerliche Praxis einbeziehen. Ihre Bedürfnisse diskutieren wir auch im Vorstand der Agridea, wo u. a. der Schweizer Bauernverband, der Bäuerinnen- und Landfrauenverband, die Junglandwirtinnen und Junglandwirte sowie Prométerre vertreten sind. An unseren Kursen nehmen immer wieder auch Bäuerinnen und Landwirte teil, unsere Kurse richten sich jedoch in erster Linie an Beratungskräfte in den Kantonen. Mit dem so gewonnenen Wissen entwickeln sie ihrerseits Kurse für die Landwirtschaftsbetriebe im Einzugsgebiet ihrer kantonalen Beratungsdienste. Landwirte oder Bäuerinnen sind dennoch jederzeit herzlich eingeladen, der Agridea direkt Themen vorzuschlagen und Anliegen einzubringen für unsere Kurse und genauso für unsere weiteren Dienstleistungen. Das hilft uns, unsere Arbeit noch besser zugunsten der landwirtschaftlichen Praxis auszurichten.