Für Nicolas Pavillard steht fest, dass eine Landwirtschaft mit Tieren viel nachhaltiger ist als eine ohne. «Tiere zu verteufeln, ist viel zu einfach.» In einem ausbalancierten System – ohne übertriebenen Fleischkonsum – seien sie perfekt. Seine Ansicht kann der Waadtländer mit eigenen Erfahrungen aus dem viehlosen Ackerbau untermauern.
Organische Substanz sinkt
Auf dem Betrieb der Familie Pavillard gab es nach der Aufgabe der Milchwirtschaft etwa 15 Jahre lang keine Tiere mehr. Auch die anderen Landwirte der Fruchtfolgegemeinschaft Le Grillon setzen nicht auf die Tierhaltung. Hinzukamen Pachtflächen, die z. T. bis zu 50 Jahre ohne Vieh bewirtschaftet worden waren. Kunstwiesen sind in solchen Systemen quasi wertlos und daher kaum oder gar nicht Teil der Fruchtfolge. Ebenso fehlt Hofdünger, die Nährstoffversorgung basiert auf mineralischem Kunstdünger.
«Die organische Substanz im Boden hat sichtbar abgenommen», fasst Nicolas Pavillard seine Beobachtungen zusammen. Solche Parzellen seien an Nährstoffen verarmt und bei Starkregen wie Beton. Die Erträge sanken.
Kunstwiesen als «Gesundungs-Kultur»
Im Gegensatz zu einer Gründüngung, die kurzfristig Nährstoffe bindet und den Boden durchwurzelt, bieten Kunstwiesen eine jahrelange Verschnaufpause. In dieser Zeit wurzeln die Pflanzen tief und helfen bei der Regeneration der Fläche. Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF) bezeichnet mehrjährige Kunstwiesen als «multifunktionale Gesundungs-Kultur».
Sie fördere eine gute Bodenstruktur und Regenwürmer, erhöhe – vor allem nach Jahren mit Hackfrüchten – den Humusgehalt durch die Zufuhr organischer Substanz in Form von Wurzeln, Stoppeln und abgestorbenem Pflanzenmaterial, reduziere Erosion und Auswaschung, unterbreche den Lebenszyklus von Krankheitserregern (z. B. Fusskrankheiten im Getreide) oder Schädlingen (z. B. Nematoden bei Rüben und Kartoffeln) und «sammle» Stickstoff für die Nachkultur. Der Umbruch einer Gras-Klee-Mischung nach drei Jahren Standzeit setze für die nächste Kultur 30 – 40 kg N/ha frei. Nicht zuletzt mindere eine Kunstwiese dank des Schnittregimes den Druck hartnäckiger Ackerunkräuter.
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Getreideproduzentenverband: «Nicht durchführbar»
Kunstwiesen sind längst ein Politikum geworden. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) schreibt in seiner «Strategie für einen nachhaltigen Schutz der Kulturen 2035», zur Verringerung des Unkrautdrucks im Ackerbau könnte zukünftig auch ein vermehrtes Miteinbeziehen von Kunstwiesen in der Fruchtfolge erforderlich sein. «Die Einbeziehung von Kunstwiesen in die Fruchtfolge ist kompliziert und widerspricht der von vielen Ackerbaubetrieben gewählten Strategie der Spezialisierung», entgegnet der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) in seiner Stellungnahme zur Strategie des BLW. Mehr Kunstwiesen seien zwar eine agronomisch sinnvolle Massnahme, aber aus wirtschaftlicher Sicht und im Hinblick auf die Rationalisierung der Arbeit nicht machbar.
Die Betriebe Pavillard, Brand und Wenger haben dieses Dilemma durch ihre Zusammenarbeit gelöst. Für ihre Fruchtfolgegemeinschaft Le Grillon sind dreijährige Kunstwiesen dank der ebenfalls gemeinsam geführten La Ferme Champ du Bois wirtschaftlich sinnvoll geworden. Im viehlosen Ackerbau hätten die Probleme mit Unkraut seit der Extensivierung stark zugenommen, erinnert sich Nicolas Pavillard. Problematische Arten wie Disteln, Blacken und Gräser nahmen zu, ebenso der Aufwand, um sie unter Kontrolle zu behalten. Die Bekämpfung der unerwünschten Pflanzen in Gründüngungen und Kunstwiesen brachte die Wende. Die aktuelle Strategie ist je nach Kultur ein Mix aus chemischer und mechanischer Unkrautbekämpfung, ergänzt durch die KI-gestützte ARA-Feldspritze.
Etwas tun, weil es nötig ist, «nicht, weil es Bern sagt»
«Wir mussten im Zuge der Extensivierung mit dem neuen Risiko der Verunkrautung zu leben lernen», berichtet der Waadtländer. Le Grillon verfolgt nun die Strategie, den PSM-Einsatz in der ganzen Fruchtfolge zu reduzieren, statt in einzelnen Kulturen. Nicolas Pavillard findet, dieser Weg sollte von der Agrarpolitik unterstützt werden. Die gut ausgebildeten Fachleute in der Landwirtschaft sollten genügend Freiheit erhalten, ihr Wissen anzuwenden und bei den Konsumenten Vertrauen zu schaffen, statt starren Programmen zu folgen. «Nur so gelingt die dauerhafte Reduktion. Sonst läuft es ein, zwei Jahre vielleicht super und dann muss man doppelt so viel spritzen, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen.» Sein Credo: Etwas tun, weil es nötig ist, «nicht, weil es Bern sagt.»
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Den Pflug nicht verteufeln
Zusammen mit der breiter aufgestellten Fruchtfolge machten Kunstwiesen das Anbausystem von Le Grillon stabiler. «Heute haben wir auf 15 % unserer LN Kunstwiesen», so Nicolas Pavillard. Die Technik für den Umbruch und die Zusammensetzung der Kunstwiese bestimmen die jeweilige Vor- und Nachkultur. «Wir nutzen Klee-Gras-Mischungen oder auch Luzerne», zählt der Agronom auf. Meist folge auf eine Kunstwiese pestizidfreier IP-Suisse-Weizen. Da dort der Herbizidverzicht gilt, erfolgt der Umbruch in diesem Fall mit dem Pflug. Eine andere Möglichkeit wäre die Direktsaat, etwa von Futtergetreide.
Mit reduzierter Bodenbearbeitung und durch Gründüngungen oder Untersaaten ständig bedecktem Boden arbeitet Le Grillon möglichst nach den Prinzipien der Konservierenden Landwirtschaft. «Man sollte aber nichts verteufeln», findet Pavillard. Der Pflug könne ebenso die richtige Wahl sein wie der gezielte Einsatz eines PSM. Vor allem die Verunkrautung durch Gräser werde durch die reduzierte Bodenbearbeitung gefördert. Dafür beobachtet der Agronom, dass die mit Zwischenkulturen dauerhaft bedeckten und möglichst reduziert bearbeiteten Flächen mit der Zeit auch leichter zu bearbeiten werden. Früher seien nach dem Pflug meist zwei Durchgänge mit der Kreiselegge nötig gewesen.
Noch nicht am Ziel
«40 ha unserer LN sind nicht für den Ackerbau geeignet», fügt Nicolas Pavillard an. Dort sei es zu steil oder die Böden zu flachgründig. «Das gibt es auch im Flachland, auch im Kanton Waadt», betont er. Diese Flächen können die Salers-Rinder der Ferme Champ du Bois nutzen. Der Hofdünger aus der Tierhaltung landet wieder auf Wiesen, Weiden und Feldern.
Am Ziel sieht sich Pavillard allerdings nicht. So arbeitet er derzeit daran, die Suisse-Bilanz mit 90 % abzuschliessen. Das laufe dem anderen Ziel, die Erträge nach der Extensivierung wieder zu steigern, nicht zuwider. Vielmehr gehöre es zur Effizienzstrategie. «Mit mehr Stickstoff macht man Fehler nicht wieder wett», ist er überzeugt.

