Linus Silvestri hat über Jahre seine "Linus Silvestri AG" aufgebaut. Weil er keinen familieninternen Nachfolger hat, verkaufte er das Unternehmen per 1. Juli 2019 an die Vianco AG. Die Firma Linus Silvestri AG bleibt als eigenständige Firma bestehen und ihre Tätigkeiten und besonders die graslandbasierten Weideprogramme werden weiter ausgebaut. Im Interview gibt Linus Silvestri Auskunft, ob und wie seine bisherigen Kunden vom Verkauf an die Vianco profitieren und wie er die Zukunft der Schweizer Rindfleischproduktion sieht.

BauernZeitung: Vor einem Monat kaufte Vianco die Linus Silvestri AG. Was bedeutet das für die bisherigen Kunden und Lieferanten Linus Silvestri AG?

Linus Silvestri: Ich habe keinen Nachfolger in der Familie und deshalb verkaufte ich die Linus Silvestri AG an die Vianco. Im Vordergrund ändert sich für die Kunden, sowohl Abnehmer- wie Produzentenseitig nichts. Die Linus Silvestri AG bleibt weiterhin bestehen und ist auch weiterhin der Ansprechspartner. Die Produktions- und Einkaufsbedingungen, die Kundenbeziehungen, die Zahlungsfristen, die Vertragsverhältnisse und die Vermarktungsreglemente sind aktuell und sie bleiben unverändert. Ich selbst und Jakob Spring bleiben im Verwaltungsrat der Linus Silvestri AG. Beide mit dem Ziel vor Augen, die Firma und die vielen bisher erfolgreichen Markenprogramme zum Nutzen der Abnehmer und der Produzenten weiterzuführen und auszubauen. Remo Ackermann übernimmt ab dem kommenden ersten Juli die Geschäftsführung. Er arbeitete bei Mutterkuh Schweiz sowie bei der Migros und kennt deshalb beide Seiten. Unsere Abnehmer werden grösser, da drängt es sich auf, dass sich auch die Anbieterseite bündelt. So bekommt der einzelne Anbieter ein grösseres Gewicht und die Angebots- Mengenverfügbarkeit wird so verbessert.

Bleiben die Labels von Silvestri wie Silvestri Bio Weiderind, Silvestri IP-Weiderind, Alpschwein, Silvestri Freiland Schwein erhalten?

Ja, sie bleiben erhalten. Wir bauen sie sogar weiter aus. Dank der geschickten Nutzung von Synergien bieten künftig die beiden Firmen Vianco AG (Natura-Beef, Natura-Veal, SwissPrimGourmet) und Linus Silvestri AG (Labels siehe oben) unter einem gemeinsamen Dach die wohl schweizweit breiteste und erfolgreichste Palette an Labelprogrammen an. Dies zum Wohle der Abnehmer und der Produzenten.

Hat der Kauf der Linus Silvestri AG Auswirkungen auf Vianco? Steigt jetzt Vianco auch in den Schweinehandel ein?

Der QM-Schweinehandel der Linus Silvestri AG haben wir an die Künzler AG in Richterswil ZH übergeben, aber der Handel mit Bio-, IPS-, Freiland- und Alpschweinen bleiben bei Linus Silvestri AG.

Bringt der Kauf der Linus Silvestri AG den Produzenten Vorteile?

Ja, ganz bestimmt. Das Angebot wird gebündelt und breiter abgestützt, es gibt zusätzliche Vermarkungsmöglichkeiten für die Bereiche Nutzvieh, Mastremonten und Label-Schlachttiere. Wie schon gesagt steigt die Mengenverfügbarkeit des Angebots, und das ist auch zum Vorteil der Produzenten. Mit der Vianco AG haben wir neu eine sehr gute Abdeckung auch im Aussendienst.

Ist der Labelmarkt gesättigt? Oder kann er noch wachsen?

Im Labelmarkt ist das grosse Wachstum zwar vorbei, punktuell sind aber nach wie vor interessante Entwicklungen möglich.

Haben Vianco und Linus Silvestri AG neu ein Monopol beim Label-Rindfleisch?

Nein, denn die Konkurrenz ist da und sie schläft nicht. Man darf nicht vergessen, wir sind in einer Situation mit zwei starken Abnehmern. Daher ist es nötig, dass auch auf der Anbieterseite innovative Kooperationsmodelle entwickelt werden, um die Strukturen schlanker und effizienter zu gestalten.

Hat die Schweizer Rindfleisch-Produktion eine Zukunft?

Im Gras- und Hügelland Schweiz drängt sich eine naturnahe Fleischproduktion mit Wiederkäuern auf und diese hat eine authentische Zukunft. Bezüglich Tierwohl ist und bleibt der Schweizer Konsument anspruchsvoll. Wir können hierzulande tiergerecht und naturnah aus Grasland produziertes Fleisch liefern und deshalb hat die Schweizer Fleischproduktion eine gute Zukunft.