Damit Daten künftig nur noch einmal eingegeben werden müssen – das angestrebte Once-Only-Prinzip also Realität wird – braucht es zwei Zutaten: eine Plattform für den Datenaustausch und ein einheitliches Datenformat. An beidem arbeite das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), erklärte Noémie Zink, die beim BLW den Direktionsbereich Digitalisierung und Datenmanagement leitet, an einem Webinar der Chartagemeinschaft Digitalisierung. Die sichere Datenaustauschplattform der Zukunft heisst agridata.ch und soll bis Ende Jahr in einer ersten Version online gehen.

Regeln, welche Daten zu welchem Zweck

«Ein gemeinsamer Datenraum ist aber kein gemeinsamer Datentopf», stellte Noémie Zink klar. Auf agridata.ch solle nichts gespeichert, sondern nur geschützt ausgetauscht werden. Man vergleicht die Plattform mit einem Schienennetz, auf dem dank Standardisierung die Züge überall verkehren können. Für den Datenverkehr sind klare Regeln und Zuständigkeiten vorgesehen. «Damit ein Bezüger – z. B. eine Labelorganisation – Daten erhalten kann, braucht es einen Vertrag», so Zink. Dieser regelt, welche Daten zu welchem Zweck eingesetzt werden sollen. Dazu braucht es das Einverständnis des Dateneigentümers, also der Landwirtin oder des Landwirts.

Digitale Selbstbestimmung dank Überblick

Agridata.ch soll zur Vereinfachung beitragen, aber auch die digitale Selbstbestimmung verbessern, fuhr die Direktionsleiterin fort. Landwirtinnen und Landwirte können darauf künftig einsehen, wo ihre Daten wofür hinfliessen. Bisher fehle dieser Überblick, gab Noémie Zink zu bedenken. Es sammelt sich ein Wust an Verträgen auf Papier oder in digitaler Form an. «Da hat man schon lange den Überblick verloren, wo man welcher Datenweitergabe zugestimmt hat.»

Labelorganisation für die erste Anwendung

Als erste Anwendung von agridata.ch ist eine Zusammenarbeit mit Bio Suisse geplant. Die Labelorganisation möchte Agis-Daten aus den kantonalen Systemen via die neue Bundesplattform beziehen. Ist der entsprechende Vertrag unterzeichnet, erhalten Biobäuerinnen und Biobauern eine Anfrage, die sie in der Webapp, auf dem Smartphone oder der Website von agridata.ch einsehen und mit Ja oder Nein quittieren können. «Man sieht dann: Bio Suisse möchte Agis-Daten zu dem und dem Zweck», beschrieb Noémie Zink. Das soll Sicherheit geben, wofür man seine Zustimmung erteilt. Die quittierte Anfrage bleibt danach einsehbar.

Es ist geplant, Schritt für Schritt weitere Systeme und Datenbezüger an agridata.ch anzuschliessen. Auch Digiflux werde sich anknüpfen können. «Sonst gibt es aber keinen Zusammenhang zwischen agridata.ch und Digiflux», so Zink.

«Es geht nicht nur um Technologien»

Der Schweizer Bauernverband (SBV) unterstützt die BLW-Plattform agridata.ch und die Agenda des Bundes zur Digitalisierung, sagte Nadine Trottmann. Die Agronomin ist Fachverantwortliche Digitalisierung, Forschung und Beratung beim SBV. «Wir hoffen, dass mit agridata.ch und der klaren Rollenverteilung viele Probleme gelöst werden können.» Vorhandene Daten sollen den Landwirtinnen und Landwirten Nutzen bringen – sei es im Sinne von Smart Farming oder durch administrative Entlastung und schlankere Prozesse. «Bei der Digitalisierung geht es aber nicht nur um Technologien», ergänzte Trottmann. «Man muss auch rechtliche und psychologische Faktoren einbeziehen.»