Ob Handy, Computer, Tierverkehr oder Buchhaltung: Auch die Landwirtschaft wird immer digitaler. «Die Nutzung digitaler Techniken beginnt bereits beim Mobiltelefon – und ein solches haben heute praktisch alle», stellte Thomas Anken von Agroscope am 15. Januar in Gais an der Januartagung des Bauernverbandes Appenzell Ausserrhoden fest. Die Entwicklung sei rasant: «Vor 30 Jahren kamen die ersten Melkroboter-Modelle auf den Markt, inzwischen haben wir in der Schweiz bereits über 3000 Melkroboter», führte der Agronom aus.

Die Digitalisierung entwickelt sich laufend weiter

Moderne Kriminalität Hacker schlagen zu: Cyberangriff bei Lemken Thursday, 16. May 2024 Thomas Anken zählte weitere Beispiele auf, unter anderem: KI-basierte Wetterprognosen, teilflächenspezifische Düngung, Drohneneinsatz für Pflanzenschutz, internetgesteuerte Bewässerung oder mobilfunkgesteuerte Zaunüberwachung. Zudem hätten auf zahlreichen Betrieben Farm-Management- und Informationssysteme (FMIS) wie etwa Barto Einzug gehalten.

Der Referent sieht grosse Vorteile in der fortschreitenden Digitalisierung. So würden bessere Daten zu besseren Entscheiden führen. Zudem sei eine administrative Vereinfachung ohne bessere Datenlage nicht möglich. Allerdings sei die Umstellung auf Neues nicht immer einfach, Ungewohntes brauche Routine, räumte er ein. 

Frage an den Fachmann Cyberangriff auf den Melkroboter – gibt es das wirklich? Monday, 25. April 2022 Er verglich die Entwicklung mit der Zeit vor rund 100 Jahren, als Dieseltraktoren allmählich die Pferdegespanne ersetzten. «Das löste damals nicht nur Euphorie, sondern auch Verunsicherung aus.» Auch heute sei man auf den Betrieben noch lange nicht am Ende der Entwicklung. Laut Anken geht es weiter. Daten werden die Zukunft noch viel stärker prägen. «Packen wir daher die Chancen an und nicht die Probleme», sagte er.

Anken wies allerdings darauf hin, dass das Internet auch Pforten für kriminelle Handlungen öffnet. Daher sei gut abzuwägen, welche Technologien auf den Betrieb passen. «Digitale Technologien sind nicht per se besser. Damit es sich lohnt, sollten sie einen deutlichen Mehrwert bringen», stellte er klar.

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Angriffe auf IT-Systeme als grosses Risiko

«Cyberkriminalität ist ein Riesenproblem geworden», sagte Rolf Buri, Unternehmensspezialist bei der Versicherung Mobiliar in Herisau. Diese verursache jährlich globale Kosten in der Höhe von rund 11 500 Mrd US-Dollar. Damit sei sie lukrativer als der weltweite Drogenmarkt – bei einer Aufklärungsquote von unter 1 Prozent. «Wäre die Cyberkriminalität ein Land, hätte sie weltweit das drittgrösste Bruttoinlandeinkommen (BIP)», so Buri. 

Ein grosses Risiko für Landwirtschaftsbetriebe sieht er in Angriffen auf IT-Systeme, die Daten und Software betreffen und einen Betriebsunterbruch nach sich ziehen. Daher habe sich jeder Betrieb die Frage zu stellen, was es bedeuten würde, wenn die IT ausfällt. Was wäre betroffen? Der Melkroboter, die Fütterung im Hühnerstall, was sonst noch? 

Abo Eine Sicherheitslücke und weg sind die sensiblen Daten: Im Internet lauern allenthalben Betrüger, sei es beim Warenhandel auf einem Kleinanzeigenportal, beim Buchen einer Reise oder auch beim Onlinedating.  Abzocke und Betrug im Internet «Dass Betrug auch über WhatsApp läuft, hat mich überrascht» Saturday, 2. November 2024 Laut dem Versicherungsfachmann könnten zudem Fremdschäden entstehen. Beispielsweise weil man einem Lieferanten unwissentlich eine kontaminierte E-Mail verschickt hat, die einen Datenverlust zur Folge hat. Daher wird zwischen Eigen- und Fremdschädenversicherungen unterschieden. In der Landwirtschaft ist es zudem häufig schwierig zu unterscheiden, was privat und was betrieblich ist. Daher empfiehlt es sich, auch eine private Versicherung abzuschliessen. 

Fehler durch Unvorsicht und Nachlässigkeit

Buri nannte Beispiele für Risiken, welche sich durch eine Versicherung abdecken lassen:

Missbrauch von Zahlungssystemen: E-Banking Zugang gehackt, Kreditkarten missbraucht

Internetbetrug: Onlineshop liefert nicht, Fake-Angebot auf Auktionsplattform, Abofallen, Enkeltrick.

Persönlichkeitsverletzungen: Unwahrheiten in den sozialen Medien, Fake-Accounts.

Behebungskosten: Software neu aufsetzen, Daten von Backup laden.

Cybererpressung: Daten werden verschlüsselt, Lösegeldforderungen, Verhandlungen.

Laut Rolf Buri setzen Versicherungen zudem Obliegenheiten (Verhaltenspflichten) voraus, damit sie im Schadenfall bezahlen. So braucht es beispielsweise regelmässige Backups (externe Sicherheitskopien), Anti-Virus-Programme sowie eine Firewall (digitales Sicherheitssystem). Die Systeme selbst seien relativ sicher, stellte er fest. «Passiert etwas, liegt der Fehler meistens beim Menschen, der nachlässig oder unvorsichtig ist». 

Was sagt die Polizei dazu?

Fast 460 000 Straftaten werden in der Schweiz jährlich begangen. «Davon haben rund 33 000 Fälle digitale Komponenten, wobei mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen ist», sagte Ernst Zellweger von der Kriminalpolizei Appenzell Ausserrhoden an der Januartagung. Auch er verwies auf die Tatsache, dass das Internet heute ein Teil des Alltags ist – mit PC, Handy, E-Bike, Fahrzeugen mit digitalen Komponenten, Küchengeräten oder Heizungen, um einige Beispiele zu nennen. Auf zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben kommen unter anderem PV-Anlagen, Melkanlagen, Ernteroboter oder Steueranlagen dazu. Ernst Zellweger nannte Beispiele für Gefahren, die sich dadurch ergeben:

- betrügerische E-Mails.
- Schockanrufe (z.B. sei ein Familienmitglied in Gefahr, Geld wird verlangt).
- Anrufe, die sich als Support getarnt seien, jedoch darauf abzielen, Schadsoftware weiterzugeben.
- Anrufe von angeblichen Verwandten.
- Erpressung mit angeblichen oder echten Bildern des Opfers.
- Ware wird beim Online-Kauf nicht geliefert, ist aber bereits bezahlt.

Erschwerend sei, dass Sprachaufnahmen, Bilder und Videos bereits täuschend echt verändert werden können. «Das Alter der Opfer spielt keine Rolle, betroffen sind jung und alt», sagte Zellweger. «Letztlich geht es immer um Geld». Die Täter seien häufig sehr gut organisiert und kaum zu fassen. «Dazu kommt, dass KI die Ermittlungen erschwert», so der Kriminaltechniker. Er nannte Vorsichtsmassnahmen, um Cyber-Delikte vorzubeugen:

- generell aufmerksam sein.
- bargeldlos bezahlen (die Polizei empfiehlt TWINT).
- weder familiäre oder finanzielle Informationen noch Bargeld oder Wertsachen an fremde Personen weitergeben.
- Aufpassen, was man das soziale Medien über sich preisgibt.
- Erhält man einen Anruf, der auf Telefonbetrug hinweist: den Telefonhörer auflegen, die Nummer sperren und die Polizei (117) anrufen.
- Bei verdächtigen E-Mails den Absender kontrollieren. «Aber auch hier werden Fälschungen immer raffinierter», so Zellweger.

Was, wenn es trotz aller Vorsichtsmassnahmen zu einem Betrug kommt? «Ruhe bewahren, den Kontakt abbrechen, keine E-Mails (Spuren) löschen und die Zugänge von aussen (z.B. zum Computer) schliessen und die Polizei kontaktieren», sagte Zellweger. Zudem: Im Fall einer Erpressung dürfe man keinesfalls zahlen. «Dann würde es erst recht losgehen mit Forderungen» 

Webseite der Schweizerischen Kriminalprävention

Informationen zur Cyberkriminalität