Mit diesen einfachen und schnell umsetzbaren Tricks entstehen tolle Fotos von den Kühen, draussen auf der Weide oder im Stall. Dazu braucht es keine Topausrüstung, sondern lediglich das Smartphone mit schlierenfreien Linsen und den Blick, um auch während der Arbeit ab und zu einen Moment innezuhalten, um ein Foto zu machen. Besonders die Abwechslung in den Fotos ist das, was ein Newsfeed oder ein Whatsapp-Status spannend macht. Für die Bebilderung einer Webseite lohnt es sich aber, durch einen Profi entsprechende Fotos machen zu lassen.

1. Das Licht macht das Bild

Oder auch: weder die weisse Kuh im Schneesturm noch die Schwarze in der Nacht sind das, was von einem guten Foto erwartet wird. Das Licht, das der Kuh auf dem Bild schöne Formen und Farben beschert, kommt zweimal täglich vor. Denn es sind die Morgenstunden nach Sonnenaufgang und die Abendstunden vor dem Sonnenuntergang. Vorausgesetzt natürlich, die Sonne lässt sich blicken. Der Unterschied zum Mittagslicht ist, dass die Schatten länger und weicher werden, die Farben intensiver und die Stimmung schöner. Je nach Sonnenstand kann sogar mit der auf- oder untergehenden Sonne im Hintergrund ein schönes Bild im Gegenlicht aufgenommen werden.

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2. Vogel oder Käfer? Lupe oder Weitblick?

Die Perspektive ist das, was ein Bild spannend macht. Und vor allem auch das, was völlig unterschiedliche Wirkung erzielt. Möchte ich, dass ein Rind gross wirkt, dann gehe ich in die Knie, unterhalb Augenhöhe, und fotografiere es so, dass es entsprechend gross aussieht. Zudem können so auch störende Dinge im Hintergrund etwas reduziert werden. Soll eine Kuh eher kleiner wirken oder ein etwas grösserer Überblick gewonnen werden, so geht man in die Höhe, auf die Heubühne, auf einen Zaun oder auf die Leiter, das, was sich gerade anbietet. Aber Vorsicht, für das beste Motiv lohnt sich kein gebrochener Fuss! Gerade wenn man sich konzentriert, um das Motiv möglichst gut einzufangen, kann schnell ein Fehltritt passieren!

Auch mit der Nähe lässt es sich spielen, Detailaufnahmen von Hörnern, Nasen, Augen sind eine tolle Abwechslung. Es darf auch gerne etwas Lustiges sein, das die Perspektive in Richtung Cartoon schiebt, mit grossen Nasenlöchern und kleinen Köpfen. Der Gegensatz dazu ist, die Landschaft mit den Kühen einzufangen, sprich die Kühe sind ein Teil des Ganzen.

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3. Mit Bewegung Dynamik erzeugen

Statt, dass die Kuh oder die Rinder und Kälber nur da stehen, ist es genauso spannend, wenn sie sich bewegen. Auch beim Laufen, Grasen oder wenn sie sich gegenseitig der Fellpflege widmen. Das ergibt eine schöne Abwechslung zu statischen «Portraitfotos».

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4. Hintergrund

Hier unterscheidet es sich, ob ein Schnappschuss gemacht oder ob es eine gezielte Aufnahme wird. Bei einem Schnappschuss kann dem Hintergrund oft keine Beachtung geschenkt werden, weil dann kommt es auf den Moment an, der eingefangen wird. Fotografiert man aber gezielt, so ist es ideal, eher einen ruhigen Hintergrund zu wählen. Landschaft oder die Stallwand, andere Kühe oder den Himmel. So, dass die Kühe entsprechend gut zur Geltung kommen. Wichtig ist es, gerade falls die Aufnahmen auf Social Media verwendet werden, dennoch zu schauen, ob Autokennzeichen oder die Gesichter von Kindern sichtbar sind, die man nicht veröffentlichen möchte. Und zudem, ob man die Landwirtschaft auch entsprechend repräsentiert: Sind die Tiere sauber, gesund, ist der Stall in einem vorzeigbaren Zustand? Denn mit einem Schnappschuss, der vielleicht herzig ist, dann eine Steilvorlage für einen Shitstorm zu liefern, ist nicht das, was er bewirken soll. Denken Sie daran, nicht jede(r) weiss, dass sie eigentlich gerade am Stall ausmisten waren und darum kein frisches Stroh in der Liegebox ist. Oder dass die Herbstgrasung für etwas unsaubere Hinterteile verantwortlich ist.

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5. Ein Drittel, zwei Drittel

Und zuletzt ist die Drittel-Regel verantwortlich, dass ein Bild sofort harmonischer aussieht. Man ist sich – gerade mit dem Handy – oft gewohnt, dass das Motiv in der Mitte ist. Um jedoch ein harmonisches Bild zu erhalten, kann die Drittel-Regel angewendet werden. Das heisst, das Bild wird gedanklich horizontal und vertikal in drei gleiche Teile geteilt. Nun schaut man, dass das Motiv, entweder als Ganzes oder die Augen, der Horizont, die Gruppe, sich auf einem der sich überschneidenden Drittel befindet. Bei manchen Smartphones werden diese Drittel-Linien in der Bildbearbeitung unter «Zuschneiden» angezeigt, entsprechend kann das Bildformat angepasst werden. Und nicht nur im gesamten Bild, sondern auch die Kopfhaltung der Kuh, frontal, versus um einen Drittel gedreht, ergibt eine ganz andere Wirkung.

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Es lohnt sich, zwischendurch die Perspektive zu wechseln oder aufmerksam durch den Stall oder über die Weiden zu gehen. Plötzlich fallen einem Situationen auf, die man ansonsten vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte. Und dies gilt nicht nur für Kühe, die Fototipps lassen sich wunderbar mit allen anderen Hoftieren ebenso anwenden. Sowie auch mit Fotos vom Ackerbau bis zur Gartenblume. Mit diesen einfachen Tipps wünsche ich viel Freude beim Ausprobieren und Fotografieren.

Zum Instagram von Anita Märki