Das Begleitdokument direkt auf dem Handy im Stall ausstellen, ohne es ausdrucken zu müssen – was bisher eine Wunschvorstellung war, ist seit Dienstag, 11. November 2025, Realität. Statt am Computer können Landwirtinnen und Landwirte mit der neuen TVD-App der Identitas AG Geburten, Zugangs- und Abgangsmeldungen sowie das Begleitdokument von Rindern bequem und von überall direkt auf dem Handy erfassen.
Labelprüfungen sind in der App inbegriffen
Statt das Dokument auszudrucken, werden die Daten über das Scannen eines QR-Codes vom Handy des Landwirts an den Transporteur übergeben, der mit einer zweiten App, «E-Transit», arbeitet. Am Umlade- oder Bestimmungsort angekommen, gibt der Transporteur die Daten wiederum via QR-Code weiter. Auch mobile Kontrolleure sind mit der «E-Transit»-App ausgestattet und können den QR-Code scannen. Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Tiere selbst transportieren, können ebenfalls den ganzen Prozess mit der TVD-App handhaben.
«Labelprüfungen können neu direkt durch die Tierhaltenden in der TVD-App durchgeführt werden», erklärt Projektleiter Thomas Studer. So erkennen Tierhaltende bereits vor der Lieferung der Tiere, falls bestimmte Label-Richtlinien nicht eingehalten werden.
Bislang nimmt nur Bell digitale Begleitdokumente entgegen
Die Nutzung der TVD-App ist freiwillig und steht derzeit nur Rinderhaltenden zur Verfügung. Schafe, Ziegen und weitere Nutztiere sollen in einem späteren Schritt folgen. Bislang ist der neue Schlachthof Bell in Oensingen SO der einzige Betrieb, der digitale Begleitdokumente entgegennimmt. «Wir sind aber positiv gestimmt, dass sich weitere Schlachtbetriebe anschliessen werden», so Studer.
Vonseiten der Händler waren die Vianco AG und Anicom AG in die Praxistests involviert. «Wichtig ist, vorgängig abzuklären, ob alle Beteiligten digital arbeiten», rät der Projektleiter. Zwar sei ein Wechsel vom elektronischen Dokument auf Papierform möglich, jedoch umständlicher und ineffizient.
Derzeit kann das digitale Begleitdokument noch nicht genutzt werden, wenn die Tiere an öffentliche Märkte geliefert werden. «Hier werden wir uns schrittweise herantasten», erklärt Thomas Studer.
Ueli Vögtli und Andrea Kaiser waren einer von 17 Testbetrieben
Seit Februar dieses Jahres wurde die TVD-App inklusive digitalem Begleitdokument bereits auf 17 Betrieben in der Praxis getestet. Mit dabei waren auch Ueli Vögtli und seine Partnerin Andrea Kaiser. Sie führen im solothurnischen Hochwald einen Ackerbau- und Mutterkuhbetrieb. Die Natura Beef ihrer rund 37 Mutterkühe liefern sie über die Vianco AG an den Bell-Schlachthof in Oensingen SO.[IMG 2]
«Als uns der Disponent der Vianco anfragte, waren wir sofort dabei. Wir haben schon länger auf ein solches System gewartet», berichtet Ueli Vögtli. «Zudem finde ich die App sehr praxistauglich; das ist für mich entscheidend.» Auch Partnerin Andrea Kaiser, die für die Büroarbeit auf dem Betrieb zuständig ist, ist von der App überzeugt: «Das Handy hat man immer dabei. So kann die Meldung noch direkt im Stall gemacht werden und geht nicht vergessen.»
«Super wäre natürlich, wenn das Behandlungsjournal und der Brunstkalender direkt in derselben App integriert wären», ergänzt Kaiser und zwinkert.
Übersichtlicher als am Computer
Auf dem Computer sei sie teils vor lauter Informationen fast ein wenig verloren gewesen. In der App hingegen werde sie beim Erstellen des Begleitdokuments Schritt für Schritt angeleitet. Wird ein Feld nicht ausgefüllt oder ist eine Angabe fehlerhaft, weist das System direkt darauf hin.
Der Umgang mit der App sei sehr selbsterklärend, so Andrea Kaiser, und zeigt, wie sie das Begleitdokument für zwei Naturabeef, die den Betrieb am nächsten Morgen verlassen, innert kürzester Zeit erstellt. Über einen gemeinsamen Zugriff auf dieselbe Tierhaltung steht der von seiner Partnerin erstellte QR-Code auch Ueli Vögtli, der die Tiere am nächsten Tag verladen wird, unmittelbar zur Verfügung. «Gerade für Landwirte, die die Büroarbeit nicht abgeben können, stellt die neue App eine wesentliche Erleichterung dar», so Kaiser.
Vorteile im Seuchenfall, da bessere Rückverfolgbarkeit
Wurde für den Transport eines verletzten Tieres vom Tierarzt ein tierärztliches Zeugnis ausgestellt, kann dieses als Foto direkt im digitalen Begleitdokument hinterlegt werden. «Für alle Fälle sollte das Zeugnis aber trotzdem in physischer Form aufbewahrt werden», hält Projektleiter Thomas Studer fest.
Bereits vor der offiziellen Lancierung diese Woche konnten interessierte Betriebe seit Juli eine Testversion nutzen. Die App sei bereits 800-mal heruntergeladen worden, berichtet Studer. «Ziel ist, dass sie einmal flächendeckend eingesetzt wird», erklärt er weiter. Auch im Seuchenfall biete die Digitalisierung Vorteile, da sie die Rückverfolgbarkeit verbessere.