Zu Beginn der Coronakrise zeigte sich, dass plötzlich WC-Papier, Hefe, Mehl und andere Produkte Mangelware waren. Die Regale in vielen Läden waren leer. Im Sommer und Herbst 2022 erlebte man dasselbe mit Brennholz. Uns wurde wieder bewusst, wie wichtig es ist, Notvorrat anzulegen.
«Graglet voll»
Nun eröffnet das Stammertaler Museum die Sonderausstellung «Graglet voll – Vorräte früher und heute». Laut Susanne Grieder, Präsidentin des Museums Stammertal, wurde bereits im vergangenen Frühling das Thema für die Sonderausstellung festgelegt. So ist zur Saisoneröffnung eine umfangreiche und informative Sonderausstellung rund um die Vorratshaltung entstanden.
Die Ausstellung zeigt, wie bis noch vor wenigen Jahrzehnten selbst produzierte Lebensmittel aus dem Garten und Stall oftmals mit einfachen Gerätschaften verarbeitet und lagerfähig gemacht wurden. Dafür standen Einmachgläser, Krüge und Töpfe zur Verfügung. Je nach Einmach- und Konservierungsart wurden sie im kühlen Keller auf den Regalen oder im Dachgeschoss in den gut verschlossenen Schränken oder Truhen gelagert.
Getrocknet oder sterilisiert
Für die Generation der Babyboomer und für die ältere Generation gibt es beim Besuch viel Vertrautes zu entdecken. Alles, was die Bauern- und auch vielfach Privatgärten und Pünten im Rahmen der Selbstversorgung hergaben, wurde eingekocht, sterilisiert, getrocknet oder eingemacht und damit für den Winter haltbar gemacht.
Hausschlachtungen von Schweinen und die komplette Verarbeitung des Fleisches oder das Einmachen von Früchten in die Sterilisationsgläser gehörten zum Alltag. Dafür kamen Gerätschaften wie Sterilisationsapparate oder Dosenverschliesser zum Einsatz. Die Früchte wurden zusammen mit Zucker zu Gelee oder Konfitüre eingekocht und in Gläser abgefüllt.
Früchte und auch Bohnen oder Tomaten wurden getrocknet und sorgfältig gelagert. Äusserst beliebt waren und sind noch heute diese Dörrfrüchte und das Dörrgemüse. Im Keller lagerte das Gemüse im Sand-becken und Eier wurden in spezieller Gelatine eingelegt.
Dann eröffnete die Tiefkühlung neue Perspektiven. In allen vier Talgemeinden, in Ober- und Unterstammheim, Guntalingen und Waltalingen, entstanden Gemeinschaftskühlanlagen. Hier konnten die Leute in den gemieteten Fächern die eigenen Lebensmittel einlagern.
Saisonstart am 2. April
Ein Teil der Ausstellung zeigt die Einlagerung von Kartoffeln im Freien in grossen Mieten. In breiten Gräben wurden die Kartoffeln eingelagert, mit Stroh und Laub abgedeckt, so dass sie schadlos überwintern konnten.
Das Stammertaler Museum startet am Sonntag die Sonderausstellung mit einer Vernissage ab 14 Uhr. Jonas Nyffeler wird einen Vortrag mit dem Titel «Gut gelagert – Vorratshaltung von der Urgeschichte bis ins Mittelalter» halten.
Weitere Informationen:www.museumstammertal.ch