Gar nicht, nur mit Frostschutz oder problemlos: Die Bandbreite, ob und wie Gartenkräuter die hiesigen Winter überstehen, ist gross. Ernten ist bei kaum einem Kraut noch möglich, ausser beim Schnittlauch – wenn man ihn ins Haus nimmt. «Dafür muss man aber den ersten Frost abwarten», weiss Alexandra Milesi. «Das aktiviert das Wachstum der Pflanze.» Die Biotechnologin betreibt in Grabs SG einen grossen Schau- und Kräutergarten und gibt ihr Wissen unter anderem an der «Kräuterakademie» weiter.
Wer im Winter drinnen Schnittlauch ernten möchte, scheidet das Kraut jetzt im Herbst kurz ab. Nach dem ersten Frost lässt sich mit einem Spaten ein Teil des Wurzelballens abstechen und in einen Topf mit guter Blumenerde umsiedeln. Drinnen braucht der Schnittlauch einen hellen, nicht zu warmen Platz. «Das ist meistens das Problem», sagt Alexandra Milesi. «Oft ist es der Pflanze zu dunkel und zu warm.» Ideal sei ein sonniges Fensterbrett. Aber auch dann hält sich die Winterernte in Grenzen. «Meist gibt es nur ein paar Hälmchen.»
Ein Kraut, das auch im Winter drinnen gut wächst, ist Kresse. Sie kann bei Bedarf jeweils frisch angesät werden. Kresse ist ein Lichtkeimer, kann also einfach auf feuchte Erde oder Watte gegeben werden. Nach rund einer Woche kann man das aromatische Kraut ernten.
Viele Kräuter überwintern im Boden
Im Garten ist eine ganze Reihe von mehrjährigen Kräutern winterhart, sie ziehen sich aber im Herbst ganz in den Boden zurück. Dazu gehören unter anderem Liebstöckel, Pfefferminze, Zitronenmelisse oder Dost, auch bekannt als Oregano. Sie treiben im Frühling wieder frisch aus.
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Zurückhalten sollte man sich mit der Winterernte von mediterranen, immergrünen Pflanzen wie Rosmarin, Thymian oder Salbei. «Werden sie zu stark geschnitten, haben sie nicht selten zu wenig Blätter, um an Sonnentagen im Winter Wasser verdunsten zu können, und sie sterben ab», erklärt Alexandra Milesi. Sie rät, die Pflanzen jeweils letztmals im September zu ernten, also deutlich vor dem ersten Frost. Dann soll man ihnen eine Winterpause gönnen. Im Sommer dürfen und sollen die Kräuter hingegen fleissig geerntet werden, damit sie buschig wachsen.
Oft ist der Boden zu nass und zu nährstoffreich
Dazu kommt, dass viele mediterrane Pflanzen in unseren Hausgärten in zu nährstoffreiche Böden gepflanzt werden. Das schwächt sie. «Im Winter ist der Gartenboden zudem oft zu nass», so Alexandra Milesi. «Dann werden die Wurzeln faulig.» Besser sei es, die Kräuter in mit Kies oder Sand abgemagerten Boden zu setzen und auf eine ausreichende Drainage zu achten. «Oder man pflanzt die Pflanzen in einer Kräuterspirale, dort läuft das Wasser ebenfalls gut ab.»
Wie sieht es mit Kräutern aus, die man draussen in Töpfen hat? Die ganze Pflanze einzupacken, findet Alexandra Milesi heikel. «Unter luftabschliessenden Schichten kann sich Staufeuchigkeit bilden, dann vermehren sich Pilze oder Schädlinge.» Wenn man die Pflanzen abdeckt, dann so «luftig» wie möglich. Eine Möglichkeit ist etwa, Tannenzweige wie ein Zelt in die Erde rund um Pflanzen zu stecken.
Die Wurzeln möglichst warm halten
«Sinnvoll kann es sein, die Töpfe auf ein Stück Styropor zu stellen, etwas zu verpacken und an eine Hauswand zu stellen, damit die Wurzeln nicht erfrieren», so Alexandra Milesi: «Die Erdoberfläche muss man dabei aber offen lassen und regelmässig etwas giessen – so manche Pflanze im Topf erfriert nicht im Winter, sondern sie verdurstet.»
Mit moderater Kälte kommen einige Kräuter wie die aus Südamerika stammende Zitronenverbene klar. Alexandra Milesi, in deren Garten 300 verschiedene Pflanzen wachsen, gräbt sie jeweils aus, setzt sie in einen Topf und lässt sie im ungeheizten Gewächshaus überwintern. «Keine Bange, wenn sie sämtliche Blätter fallen lässt und wie tot aussieht. Sie erholt sich wieder», weiss sie aus Erfahrung. Auch der Rosmarin kann, wenn man im Freiland mit dem Überwintern einfach kein Glück hat, als Topfpflanze im Gewächshaus überwintern.
Gar keine Kälte vertragen Alexandra Milesis «Tropenkinder», wie sie sie nennt: Dazu gehören etwa Räuchersalbei, Zitronengras, Ingwer, Galgant oder auch Duft-Patschuli-Pflanzen. «Ich nehme sie im Herbst aus dem Boden, setze sie in Töpfe und bringe sie in den frostfreien Keller», erklärt die Garten-Fachfrau. Zusätzlich würden diese Kräuter von «einer Batterie» von Pflanzenlampen beleuchtet. «Denn ohne dieses Licht überleben sie die hiesigen Winter nicht.»