Etwa so gross wie eine Walnuss. Das ist die KI-Antwort auf die Frage, wie gross das Gehirn eines Huhns ist. Dumm ist das Geflügel aber trotz der geringen Gehirngrösse keineswegs, wie Melissa Caughey in ihrem neuen Buch beschreibt. 

Sie lebt mit ihrer Familie am Cap Cod im Südosten des US-Bundesstaates Massachusetts und hält seit 15 Jahren in ihrem Garten eine Schar Hühner. Weil es damals in den USA nur Informationen über Hühner als Nutztiere gab, begann sie selbst zu recherchieren und zu forschen und schrieb mittlerweile fünf Bücher rund um die Hühnerhaltung. Das neuste heisst «How to read a chickens’s mind», was, frei übersetzt, heisst: «wie man die Gedanken eines Huhnes liest.»   

Kluge Eierleger

Denn Melissa Caughy lernte im Laufe der Jahre, wie clever Hühner sind. «Nur weil sie Vögel sind, heisst das nicht, dass Hühner nicht intelligent sind», stellt Melisssa Caughey im E-Mail-Interview klar. Doch den meisten Menschen würde das Wissen darüber fehlen, weil sie kaum Zeit mit Hühnern verbringen. Sie möchte mit ihren Büchern dazu beitragen, dass mehr Menschen realisieren, dass «Hühner zu komplexen Gedanken und Emotionen fähig sind.»  

Wie eine Fremdsprache

«Ich liebe es, ihre Körpersprache zu beobachten und ihrem Gackern und den Geräuschen zu lauschen, die sie machen, wenn sie miteinander interagieren», antwortet Melissa Caughey auf die Frage, welche Tiersignale sie besonders aufschlussreich findet. «Ich vergleiche das mit dem Anschauen eines Videos oder einer Fernsehsendung in einer anderen Sprache. Trotz der Sprachbarriere kann man sich in der Regel ein Bild davon machen, was gerade passiert, indem man einfach mit seinen Sinnen beobachtet. Das macht übrigens ziemlich viel Spass.»  [IMG 2]

Ihr sei bewusst, dass die meisten Menschen Hühner vor allem als Nahrungsquelle betrachten, schreibt sie in ihrem jüngsten Buch. Doch wer Hühner im Garten halte, könne eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Um das Vertrauen der Tiere zu gewinnen, helfen folgende Punkte: 

  • Geduld und die Zeit, sich an einem sicheren, ruhigen Ort mit den Tieren zu beschäftigen
  • Mit den Hühnern reden, sie werden mit der Zeit auf die Stimme reagieren
  • Die Hühner die Interaktion mit dem Menschen bestimmen lassen: «Warte, bis sie herankommen, statt dich ihnen zu nähern», schreibt Melissa Caughey
  • Und nicht zuletzt: «Das Verteilen von Leckerbissen ist eine gute Möglichkeit, eine Verbindung zu den Hühnern aufzubauen und ihr Vertrauen zu stärken.»   

Noch zu wenig Wissen

«Ich habe immer mehr darüber gelernt, dass es so viel mehr gibt, was wir als Menschen über Hühner nicht wissen und nicht verstehen», antwortet Melissa Caughey auf die Frage, was sie bei den Recherchen am meisten überrascht hat. «Wir fangen gerade erst an, an der Oberfläche ihrer Komplexität zu kratzen. Wenn wir uns die Zeit nehmen würden, zu beobachten, ohne zu urteilen, und voneinander zu lernen, würden wir erkennen, dass wir als Gesellschaften viele Gemeinsamkeiten haben. Selbst, wenn es um Hühner geht.»  

Buchtipp

Melissa Caughey, How to Read a Chicken’s Mind: Wie deine Hühner denken, fühlen, lernen und sich mitteilen, Haupt Verlag, 128 Seiten