Im Jahr 2009 gründeten die zwei Büetiger Landwirte Roland Kunz und Stefan Arn eine Wärmeverbund GmbH. Auf dem Betrieb Arn errichteten sie eine Heizzentrale mit 550 Kilowatt Leistung und planten Fernwärmeleitungen für zehn Liegenschaften.

Die hohe Nachfrage machte bald eine Erhöhung der Leistung nötig. Darum baute die GmbH im alten Schweinestall eine grössere Heizung mit 550 kW Leistung. Der Mawera-Heizkessel ist mit einer Rauchgaswäsche zum Abscheiden der Feinstäube ausgerüstet. Diese Abgasanlage entzieht dem Rauch auch Wärme und liefert diese zurück in den Heizkreislauf. Als im Jahr 2013 das Bauernhaus von Arns vollständig abbrannte, überstand ausgerechnet die Heizzentrale, geschützt durch die strengen Brandschutzmassnahmen, den Vollbrand fast unbeschadet.

Zur Sicherstellung der Wärmelieferfähigkeit installierten Arn und Kunz daraufhin einen hohen Wärmespeicher mit 35 000 Liter Inhalt und einen Reserve-Ölofen mit einer Leistung von 800 kW. Der Ölofen läuft aber nur bei extremem Leistungsbedarf oder bei Störungen der Hackschnitzelanlagen. In einem neuen Anbau steht auch ein zweiter Mawera-Kessel mit einem Elektro-Filter. In der neuen Zentrale wurde mit grossem Aufwand auch eine neue Schiebeboden-Austragung eingebaut. Diese versorgt beide Heizkessel zuverlässig mit Hackschnitzeln und ersetzt die vorherige Rundaustragung.  Alle dafür nötigen Bauarbeiten haben die beiden rührigen Bauern praktisch vollständig in Eigenleistung erbracht.

Die Fernwärmeversorgung im Dorf

Heute versorgt die Wärmeverbund Büetigen GmbH einen Drittel der Gebäude von Büetigen mit Wärmeenergie. Bei der ersten Planung wurde ein Kreis definiert, in welchem das Fernwärmenetz ausgebaut werden sollte. Schon bald zeigte sich, dass es innerhalb des Kreises Liegenschaftsbesitzer gab, die keinen Anschluss wünschten; dagegen wohnten auch ausserhalb des Kreises Menschen, die vom Fernwärmekonzept überzeugt waren. Dadurch kam es zur rollenden Planung. Roland Kunz sagt dazu: «Die Häuser von Überzeugten sollten mit einem Haken ausgerüstet sein, um sie in den Perimeter des Fernwärmenetzes ziehen zu können». Er versucht aber alle Hausbesitzer auf einer geplanten Leitungs-Linie als Wärmekunden zu gewinnen. Wärmekunden stimmen dem Durchleitungsrecht auf ihrer Parzelle mit dem Wärmeliefervertrag automatisch zu. Auf Parzellen von Aussenstehenden lässt die GmbH sich das Durchleitungsrecht mit einem einfachen Vertrag bestätigen. Der Anschluss an das Fernwärmenetz kostet eine vom Anschlusswert abhängige einmalige Anschlusspauschale.

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Alle Arbeiten des Leitungsbaus macht die GmbH selbst, so können die Erstellungskosten tiefgehalten werden. Heute besteht das Fernwärmenetz aus mehreren Kilometer Leitungen. Da einige alte Leitungsrohre zu kleine Durchmesser aufwiesen, mussten sie durch grössere ersetzt werden. Roland Kunz sagt dazu: «Lieber Anlagen und Technik voll brauchen, als übergross dimensionieren und die Kapazität nicht ausnützen können».

Die Steuerung und Kommunikation der Anlagen sind topmodern

Jede angeschlossene Liegenschaft ist über ein M-BUS-Kabel mit der Heizzentrale verbunden. Sämtliche Daten der Anlage und der angeschlossenen Liegenschaften können am Computer in der Heizzentrale abgelesen werden. Der jeweilige Anlagenführer kann alle Kundenheizungen kontrollieren und ihre Einstellungen direkt steuern. Ziel ist eine möglichst grosse Spreizung zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur (Delta T). Die Fernablesung des Wärmezählers erleichtert die Abrechnungen mit den Kunden, diese bekommen am 30. Juni die Jahresabrechnung und Ende November erhalten sie eine Akontorechnung für die neue Heizperiode. Der Fernwärmepreis ist von Holzenergie Schweiz festgelegt und indexiert. Die Wärmeverbund Büetigen GmbH verrechnet ihren Kunden einen leicht tieferen Energiepreis von 12,5 Rp/kWh. Dazu kommt der jährliche Grundpreis, der abhängig ist vom Anschlusswert der Liegenschaft.

Die Arbeit mit der Heizung teilen sich Roland Kunz und Tobias Arn, der Sohn von Stefan Arn, gleichmässig auf. «Die Anlage muss gefüttert werden wie eine Kuh, wenn man viel herausholen will, braucht sie auch regelmässig gutes Futter». Jeweils eine Woche lang schaut einer von ihnen zum Rechten. Dafür zahlen sie sich einen Pauschallohn pro Jahr. Beim Befüllen des Schnitzellagers lassen sie das Holz im Wald von einem Lohnunternehmen hacken; den Transport und das Aufstossen der Hackschnitzel übernehmen sie selbst. Für die Traktor-Arbeit mit den Hackschnitzeln haben die beiden einen Pauschalpreis pro Kubikmeter festgelegt. So müssen sie nicht jede Traktorstunde einzeln erfassen. Für alle anderen Arbeiten, an der Zentrale und beim Leitungsbau, bezahlt die GmbH ihren Mitgliedern einen bescheidenen Stundenlohn.

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Heizmaterial aus der Umgebung

Die Hackholzschnitzel kommen aus der näheren Umgebung, sei es aus dem eigenen Wald, von Waldparzellen der Wärmekunden oder aus dem Naturschutzgebiet der alten Aare. Die Qualität bestimmt den Preis, für Fichte bezahlen sie achtzehn Franken pro Schnitzelraummeter, für Buche einundzwanzig bis zweiundzwanzig Franken. Das Holz aus dem Naturschutzgebiet kostet sie weniger, ist aber qualitativ auch weniger wert. Die Heizkessel sind robust und gross genug, sodass sie auch mit nassen oder weniger guten Hackschnitzeln ohne Probleme laufen.

Roland Kunz, als Unternehmer, denkt gross. So sagt er: «Wie wir in Zukunft heizen ist noch nicht sicher, ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es auch mit Unterstützung von Geothermie sein kann». Die Ideen sind da, und als Pioniere werden Arn und Kunz nicht warten, bis es andere tun, sondern auch bei diesem Thema die Nase vorn haben wollen.