Heute gibt es im Kanton Luzern 32 gewerbliche und landwirtschaftliche Biogasanlagen, mit einer Produktion von 135 GWh Energie jährlich. Davon sind 13 landwirtschaftliche Biogasanlagen, diese liefern 50 GWh Energie jährlich. Aktuell werden nur fünf Prozent des Hofdüngers in Biogasanlagen verwertet.

Tiefes Ausbauziel für Biogas

In seiner Biogasstrategie von 2025 hat der Kanton Luzern allerdings festgestellt, dass das «realistische Potenzial» bei rund 400 GWh/Jahr liegen würde, davon 300 GWh aus Hofdüngern. Dies aufgrund der hohen Tierintensität. Im Sinne einer Interessenabwägung habe sich der Kanton allerdings nur ein Ausbauziel von 250 GWh gesetzt, das heisst weniger als eine Verdoppelung gegenüber heute. Und die Kapazität von landwirtschaftlichen Biogasanlagen soll nur gering um 31 GWh erweitert werden.

In einer Anfrage forderte der Luzerner Kantonsrat Samuel Zbinden deshalb letztes Jahr, das Potenzial in der Landwirtschaft besser zu nutzen. So könnten die Methanemissionen von Hofdünger und der Kunstdüngereinsatz reduziert werden. Er bedauerte, dass der Kanton in seiner Biogasstrategie zum Schluss komme, dass landwirtschaftliche Biogasanlagen keine grosse Rolle spielen würden, und deshalb auch keine kantonalen Förderbeiträge vorgesehen seien.

In ihrer Antwort erachtet die Luzerner Regierung allerdings den Beitrag von Biogasanlagen zur Ammoniakreduktion als gering, andere Massnahmen wie Schleppschlauch oder Güllelagerabdeckung seien dafür viel wirkungsvoller. Trotz theoretisch grossem Potenzial für landwirtschaftliche Biogasanlagen sei das vom Kanton erarbeitete Zubau-Szenario aber klein. So wegen der geringen Wirtschaftlichkeit der Energieproduktion aus Hofdüngern. Zudem sei der Markt für Co-Substrate begrenzt und die Abhängigkeit von Fördergeldern gross. «Landwirtschaftliche Biogasanlagen weisen ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf.»

Machbarkeitsstudie wird mitfinanziert

Um das Potenzial von Hofdüngern besser zu nutzen, wäre eine regionale Erschliessung von lokalen Substraten durch gemeinschaftliche Anlagen erstrebenswert, schrieb die Regierung in ihrer Antwort. In Aussicht gestellt wurde, dass die Förderung von Machbarkeitsstudien geprüft werden soll, für Anlagen, welche eine Einspeisung von Biomethan ins Gasnetz vorsehen. Diese Förderung wurde nun beschlossen, wie der Kanton Ende Februar mitteilte. Neu zahlt der Kanton 30 Prozent der Kosten an Machbarkeitsstudien, bis maximal 25 000 Franken. Damit soll der Zubau von verschiedenen Vergärungsanlagen, landwirtschaftliche und gewerbliche, auf Kantonsgebiet gefördert werden.

Kanton ist zu zögerlich

In der Kantonsratsdebatte vom Januar 2026 zur Anfrage Zbinden kam allerdings zum Ausdruck, dass die Parlamentarier mit der zögerlichen und bremsenden Haltung der Regierung für landwirtschaftliche Biogasanlagen nicht einverstanden sind. Solche Anlagen könnten sehr wohl eine grössere Rolle spielen für mehr Klimaschutz und zur Energieproduktion sowie für weniger Emissionen. Erwartet wurde in den Voten, dass der Kanton seinen Spielraum besser nutzen und bei der Zulassungspraxis für solche Anlagen grosszügiger sein sollte. Auch der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband sieht durchaus mehr Potenzial bei den Rahmenbedingungen und zur Förderung  von solchen Biogasanlagen.

Langwierige Bewilligungspraxis

Gemäss neuem Raumplanungsgesetz sind nun Anlagen bis 45 000 t in der Landwirtschaftszone zonenkonform. Und die Auflage, dass sich Bauten zur Energiegewinnung aus Biomasse dem Landwirtschaftsbetrieb unterordnen müssen, wurde fallengelassen. In seiner Biogas-Strategie stellte der Kanton Luzern in Aussicht, die Bewilligungsverfahren zu optimieren.

Biogas für das Gasnetz

Davon spüren die Landwirte Meinrad Pfister und Michael Hunkeler aus Altishofen LU allerdings derzeit wenig. Auf dem Wiggerhof wird bereits seit 20 Jahren Biogas produziert. Nun soll die Anlage ausgebaut werden, von 27 000 t auf die zulässigen 45 000 t. Vergärt werden Gülle und Mist sowie Substrate aus der Lebensmittelindustrie. Bisher wurde das Biogas verstromt, produziert wurden jährlich 4,7 Mio. kWh Strom. Die Wärme wurde für den eigenen Betrieb mit Schweinehaltung und Kartoffelproduktion genutzt, und auch für Holztrocknungen. Künftig soll das Biogas ins Gasnetz eingespeist werden, so auch weil die bisherige Anlage künftig nicht mehr von der kostendeckenden Einspeisevergütung profitieren kann, da der Vertrag ausläuft. Die künftige Förderung für Strom sei ungewiss, wie Meinrad Pfister gegenüber dem «Willisauer Bote» erklärte. Zudem passe die Einspeisung von Biogas ins Netz zur Strategie des Kantons. Vorgesehen ist, dass die Erweiterung der Anlage bis 2028 realisiert sei.

Steiniger Weg

Der Weg dazu scheint allerdings steinig. Luzern tue sich im interkantonalen Vergleich sehr schwer mit der Förderung von Biogas, stellt Stefan Mutzner von Ökostrom Schweiz fest. Der Fachverband für landwirtschaftliche Biogasanlagen unterstützt Pfister bei der Vermarktung der Energie. Derzeit sei das Projekt auf dem Wiggerhof blockiert. «Luzern will offenbar gar keine zusätzlichen landwirtschaftlichen Biogasanlagen, sondern in erster Linie die Tierbestände abbauen», nervt sich Mutzner.

Immer mehr Auflagen

Meinrad Pfister bestätigt, dass gegen das Baugesuch zwar keine Einsprache eingegangen sei, durch die Dienststelle Umwelt und Energie (Uwe) das Projekt Anfang März aber sistiert wurde. Die grössten Hürden scheinen deutlich strengere Geruchsauflagen, und gegenüber dem letzten Ausbauschritt 2016 auf dem Wiggerhof müssten heute viel mehr Auflagen eingehalten und kostspielige Gutachten eingereicht werden. Man werde den Eindruck nicht los, dass die Verwaltung versuche, solche Projekte grundsätzlich zu verhindern und Bauherren zu zermürben. Klar gebe es jeweils auch Zielkonflikte, aber die Behörden würden sich nicht bemühen, Lösungen aufzuzeigen. Und beim Kanton vermisst Pfister grundsätzlich eine Strategie zur Zukunft der Landwirtschaft. Wie es mit dem Ausbauprojekt auf dem Wiggerhof weitergehen soll, sei derzeit noch völlig offen.