Der im Januar veröffentlichte Marktlagebericht der Schweizer Milchproduzenten SMP liefert wenig Anlass zur Hoffnung: Die Novemberzahlen zeigen eine Produktionssteigerung von 6.9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und die ersten Dezemberdaten deuten darauf hin, dass sich die Situation weiter verschärft hat. Im Dezember lag die Produktion sogar 10 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Kumulierte Jahreszahlen alarmierend

Von Januar bis November 2025 wurden 3 140 340 Tonnen Verkehrsmilch produziert -2,3 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Das entspricht einem Überschuss von knapp 70 000 Tonnen. Die Massnahmen, die die Branchenorganisation Milch (BOM) im Herbst beschlossen hatte, zeigten bisher keine Wirkung.

Butterlager explodieren

Besonders dramatisch präsentiert sich die Situation bei der Butter: Ende November lagen laut SMP-Bericht 4187 Tonnen in den Tiefkühllagern. Doch der Bericht hält fest: In de r zweiten Hälfte Januar – also zum Zeitpunkt der Veröffentlichung – waren es bereits über 6000 Tonnen.

Die Butterproduktion im November lag mit 2953 Tonnen um 30,8 Prozent über dem Vorjahr. Über die Feiertage kam es zu einer weiteren massiven Produktionssteigerung, was den Lagerbestand in die Höhe trieb.

Gleichzeitig stehen die Preise unter massivem Druck: Der Kieler Rohstoffwert, ein wichtiger Indikator für den europäischen Milchmarkt, stürzte im Dezember auf 30,8 Euro-Cents pro Kilogramm ab – 56 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Gute Milchqualität verschärft die Lage

Der Fettgehalt der Milch lag im November bei 4,27 Prozent, der Eiweissgehalt bei 3,52 Prozent – beides über den Vorjahreswerten. Das gute Grundfutter 2025 zeigt sich in der Milchqualität. Doch was für die einzelnen Produzenten positiv ist, verschärft die Gesamtsituation. Allein durch die höheren Gehalte wurden von Januar bis November 487 Tonnen mehr Fett und 1347 Tonnen mehr Eiweiss produziert.

Käseexport verliert an Schwung

Die Käseproduktion stieg kumuliert um 5 Prozent auf 197 403 Tonnen. Doch der Export wuchs nur um 1.5 Prozent – deutlich schwächer als die Produktion. Besonders betroffen sind die traditionellen Exportschlager: Le Gruyère AOP (-8 Prozent), Emmentaler AOP (-4.2 Prozent) und Raclette Suisse (-9.2 Prozent).

Parallel dazu legten die Käseimporte um 2 Prozent zu und liegen mit 73'509 Tonnen erstmals über den Exporten. Die Schweiz entwickelt sich zusehends vom Käseexport- zum Käseimportland.

Bio-Segment nicht verschont

Auch die Bio-Milchproduktion trägt zur Gesamtproblematik bei: Im November wurden 23 490 Tonnen Bio-Milch angeliefert – 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Kumuliert liegt das Plus bei 3 Prozent.

Produktivität steigt weiter

Der Milchkuhbestand sank bis Ende 2025 um 0.5 Prozent auf 524 535 Tiere. Die Mehrproduktion entsteht also vollständig durch höhere Leistungen pro Kuh – eine Entwicklung, die eine Mengensteuerung zusätzlich erschwert.

Internationale Märkte bieten keine Lösung

Der SMP-Bericht verweist auch auf die internationale Lage. Die EU produzierte von Januar bis November 1,6 Prozent mehr Milch als im Vorjahr. Gleichzeitig stagniert der internationale Handel mit Milchprodukten. Weltweit lastet ein Überangebot auf den Märkten.

Frühjahr wird entscheidend

Mit dem neuen Jahr treten die bereits im Dezember beschlossenen Massnahmen in Kraft: Ab 1. Februar sinkt der A-Richtpreis um 4 Rappen auf 78 Rappen. Zudem empfiehlt die BOM dringend, Mehrlieferungen ab 105 Prozent der Vorjahresmenge mit Preisen deutlich unter dem C-Richtpreis zu ahnden.

Die kritische Phase steht aber erst noch bevor: Die Frühjahrsproduktion im Februar, März und April wird zeigen, ob die Produzenten auf die verschärfte Marktlage reagieren – oder ob die Situation weiter eskaliert. Die im Januar vorgelegten Zahlen lassen wenig Spielraum für Optimismus.