Der Bauernverein Region Grauholz blickt auf ein spannendes Vereinsjahr zurück. Zu denken gab besonders, dass das Bundesgericht eine Beschwerde der Gemeinde Fraubrunnen BE sowie mehrerer Flurgenossenschaften und Vereine gegen die Unterschutzstellung des Fraubrunnenmooses abwies. Der Grund ist, dass in diesem Gebiet die zweitgrösste Kiebitz-Kolonie der Schweiz brütet.
«Für uns war nicht nur die Begründung, sondern vor allem die Urteilslänge bemerkenswert», sagt Thomas Steiner, Präsident des Bauernvereins Region Grauholz. Der Verein beteiligte sich auch finanziell an der Beschwerde, was bei der Präsentation der Rechnung zum Vorschein kam. In den statutarischen Geschäften wurde Martin Jenni im Vorstand bestätigt.
Die neuen Fahnen werden präsentiert
Sorgen bereitet Thomas Steiner auch die Initiative «Für eine sichere Ernährung» von Franziska Herren. «Diese sieht eine staatlich verordnete vegane Ernährung der Schweizer Bevölkerung vor, die wir mit aller Macht bekämpfen müssen», so der Präsident. Das sieht auch der Berner Bauernverband so: Dessen Präsident Jürg Iseli und Leana Waber, Mitglied der Geschäftsführung, präsentierten an der Hauptversammlung die neuen Fahnen, mit denen man gegen die Initiative kämpfen will. Im Weiteren erläuterten Waber und Iseli die Neuigkeiten aus dem Verbandshaus.
Hier beschäftigen vor allem die AP 2030, Digiflux und die Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG 2). «Ein wichtiges Anliegen ist, dass innerhalb von Landwirtschaftszonen weiterhin zeitgemässe Gebäude und Anlagen für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion gebaut werden können», sagte Iseli. So müssten sich die Landwirtschaftsbetriebe weiterhin an die ständig ändernden Herausforderungen auf dem Markt innovativ anpassen können. «Dafür braucht es bei der Bewilligung der Bauten auch die nötige Flexibilität», führte Waber weiter aus.
Qualitätsmängel bei den Kartoffeln bereiten Sorgen
Martin Häberli, Landwirt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Agronomie, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), sprach an der Versammlung über das Projekt «Ungenügende Backtests bei Verarbeitungskartoffeln». Denn seit einigen Jahren würden im Handel bei der Annahme von Verarbeitungskartoffeln zunehmend ungenügende Backtests beobachtet. «Beim Frittieren der Kartoffeln treten Verbräunungen der Gefässbündel auf», sagte Häberli.
In einem gemeinsamen Projekt in Zusammenarbeit mit der gesamten Kartoffelbranche erforscht die HAFL zusammen mit Agroscope die Ursachen der beobachteten Qualitätsmängel. Die ersten Ergebnisse des Monitorings der Ernteproben aus der ganzen Schweiz würden darauf hindeuten, dass ein Bakterium die Hauptursache für die ungenügenden Backtests sei. «Es überrascht nicht, dass die Qualitätsmängel bei Kartoffeln bisher auf den westlichen Teil der Schweiz beschränkt sind, wo die Rübenkrankheit SBR, die ebenfalls von Arsenophonus verursacht wird, seit mehreren Jahren für Probleme sorgt», führte Häberli aus.
Der Schwerpunkt liege bei der Prüfung der Anfälligkeit der Sorten und dem Einfluss von Fruchtfolge und Anbautechnik. Häberli empfiehlt deshalb, nach Rüben kein Wintergetreide zu säen. «Sämtliche Wintergetreide-Arten bieten beste Bedingungen für die Entwicklung der Zikade. Wird aber nach Zuckerrüben die Parzelle brach belassen und im Anschluss erst mit einer Sommerkultur wie Mais oder Sonnenblumen – kein Sommergetreide – bestellt, fehlt den Larven die Nahrung und sie sterben in der Folge ab», so der Fachmann.
Bald stehen die nächsten Grossratswahlen an
Nach der Versammlung durften sich auch die kandidierenden Grossrätinnen und Grossräte aus der Region kurz vorstellen. «Es ist wichtig, dass wir landwirtschaftliche Vertreterinnen und Vertreter wählen», sagte Thomas Steiner. Alle Kandidierenden versicherten, dass sie bei einer möglichen Wahl die Landwirtschaft im Berner Parlament unterstützen würden. Der Tenor war bei allen gleich: Sie befürworten eine einheimische Landwirtschaft.