Ein letztes Mal begrüsste Präsident Fredi Siegrist am 24. Oktober die Anwesenden an der Delegiertenversammlung des Kälbergesundheitsdienstes (KGD).
2017 wurde das auf acht Jahre angelegte Ressourcenprojekt des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) gestartet. Ziel war die Verbesserung der Gesundheit und des Tierwohls, sowie die Reduktion des Antibiotikaverbrauchs in der Aufzucht und Mast von Kälbern.
«Mitglieder zu gewinnen ist kein Selbstläufer»
In den vergangenen Jahren ist laut Siegrist viel erreicht worden: Der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Kälbergesundheit, die Ausbildung von Tierärztinnen, Tierärzten, sowie Landwirtinnen und Landwirten, über 1300 Bestandesbesuche und einiges mehr. «Klar wäre auch mehr möglich gewesen. Stellen Sie sich vor, alle Player hätten am gleichen Strick gezogen und dann noch in die gleiche Richtung. Die Interessen sind doch immer verschieden und man ist nicht immer bereit, alte Zöpfe abzuschneiden», so der Präsident. Dennoch habe man als Vorstand richtig gehandelt.
Nicht erreicht habe man die Mitgliederanzahl. «Wir wissen jetzt: Mitglieder für eine gute Sache zu gewinnen ist kein Selbstläufer», sagt er. «Diejenigen, die es gut machen, sehen keinen Bedarf. Und wer Probleme hat, meldet sich erst, wenn es nicht mehr anders geht.» Gerade in der Landwirtschaft spüre man den allgemeinen Frust gegenüber vielen Besserwissern, die einem gerne unter die Nase reiben, was man alles falsch mache. Trotzdem habe das Projekt viel bewegt, betont Siegrist.
Der KGD ist tot, aber lebt weiter
Zwar wurde der Verein in der anschliessenden ausserordentlichen Delegiertenversammlung aufgelöst, das Ende des KGD bedeutet dies aber nicht. Bereits 2023 wurden die Tätigkeiten und Errungenschaften in Rindergesundheit Schweiz (RGS) überführt. Ein Grossteil der Mitglieder ist inzwischen dorthin gewechselt. Auch visuell bleibt der KGD mit seinem Logo auf der gemeinsamen Webseite, Merkblättern und bei öffentlichen Auftritten sichtbar.
Dass es an der Arbeit für den KGD auch in Zukunft nicht fehlen wird, machte Projektleiter Martin Kaske deutlich: «Wir haben etliche Punkte, die angegangen werden können und sollten», so Kaske. Schwierigkeiten bereiten hier laut Kaske jedoch festgefahrene Denk- und Handlungsweisen, «ausgefahrene Spuren» wie er sie nennt. «Je ausgefahrener die Wege sind, desto weniger ist man in der Lage, sie zu verlassen», so der Tierarzt.
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Es bleiben noch viele Herausforderungen
Ein Punkt sei das Alter und Gewicht der Tiere bei der Vermarktung. Zwar habe man über die Veränderung der Gewichtslimite schon einiges erreicht, trotzdem würden die Kälber nicht abgetränkt vermarktet – in einer Zeit mit geringer Abwehrbereitschaft. «Ist es ein Naturgesetz, dass wir Kälber zu diesem Zeitpunkt vermarkten und sie teils über Sammelstationen und Kälbermärkte vermarktet werden?», fragt sich Kaske. In diesem Zusammenhang warnt der Tierarzt vor der Maul- und Klauenseuche (MKS) vor Wien und der Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) in Frankreich vor den Kantonen Genf und Waadt.
«Wir haben viele Bedrohungen durch Tierseuchen, die nur durch eine Verbesserung der Biosicherheit in den Griff zu bekommen sind. Ich glaube, ich brauche nicht zu betonen, dass das Zusammenführen von Tieren in grossen Gruppen, ganz egal welche Spezies, auf entsprechenden Veranstaltungen ein hohes Risiko darstellt», sagt er. Auch die Aufstallung auf den Mastbetrieben in grösseren Gruppen mit teilweise ungünstigen Stallverhältnissen seien Baustellen, die es anzugehen gelte.
Flächendeckende Lösungen sind entscheidend
Einer der wichtigsten Punkte, der Veränderungen im Hinblick auf den Kälbermarkt im Wege steht, ist laut Martin Kaske die Saisonalität der Abkalbung. «Wenn es in sieben Monaten nur halb so viele Kalbungen gibt wie im Oktober und November, wo die Mastställe mehr oder weniger voll sind, weil die Landwirte die Erlöse der Weihnachtsgeschäfte anpeilen, ist die Saisonalität ein zentrales Problem, sowohl für die Kälbergesundheit als auch für die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes», so der Tierarzt.
Entscheidend für den Erfolg sind laut Kaske flächendeckende Lösungen. Ein erster Erfolg ist das seit diesem Juli in einer Pilotphase geltende Impfobligatorium der Marktkälber gegen Kälbergrippe bereits auf dem Geburtsbetrieb in Zusammenarbeit mit Produzenten- und Interessenverbänden.
Die Delegiertenversammlung machte deutlich: Trotz der Auflösung des Vereins wird der KGD dank der Integration in RGS auch künftig weiterleben und sich für die Verbesserung der Kälbergesundheit einsetzen.