Es ist ein kalter, nasser Wintermorgen. Auf dem Betrieb von Marcel Luder im aargauischen Oftringen herrscht bereits reger Betrieb. Wir treffen den Betriebsleiter im Pferdestall an. Mit einem Holzbalken unter dem Arm geht es rüber zum Milchviehstall. Den Balken beim Schwager abgestellt, geht es für uns die Treppe hoch ins Stallbüro. Unten liegen und fressen die 60 Milchkühe. 2016 sind die Kühe in den neu gebauten Boxenlaufstall eingezogen.
Alle Mastkälber bleiben auf dem Betrieb
Neben Acker- und Futterbau, Lohnarbeiten auf dem Feld und im Wald, mästet der Meisterlandwirt seit dem Neubau alle 20 bis 25 Mastkälber pro Jahr auf dem eigenen Betrieb aus. Bereits im alten Anbindestall wurden einzelne Tiere für den Eigengebrauch gemästet. «Der Grundgedanke ist für uns die Veredelung des Produkts auf dem eigenen Hof. Zudem bietet die Kälbermast einen Zusatzverdienst», erklärt Marcel Luder. Für Betriebe mit qualitativ schlechter Milch biete es zudem die Möglichkeit, diese über die Kälber zu verwerten.
Der Roboter soll über das ganze Jahr gleichmässig ausgelastet sein
Die Abkalbungen auf dem Betrieb sind bewusst über das ganze Jahr verteilt. «Ich möchte eine gleichmässige Auslastung des Melkroboters und eine möglichst gleiche Futtermenge über das ganze Jahr», erklärt Marcel Luder.
Wirtschaftlich hängt die Kälbermast für den Betriebsleiter vom Milchpreis und der Menge an nicht ablieferbarer Milch ab. «Mit dem Milchpreis der letzten Monate wäre der Erlös aus der Tankmilch wahrscheinlich höher gewesen, das ändert sich aber laufend. Mit der aktuellen Diskussion über C-Milch kann es zusätzlich interessant sein, weniger Milch abzuliefern und dafür die Kälber auf dem eigenen Betrieb zu mästen», so Luder.
Kolostrum direkt ab dem Euter der Mutter
Nach der Geburt bleiben die Kälber den ersten Tag bei der Mutter in der Abkalbebox. Das Kolostrum nehmen die Jungtiere in den meisten Fällen direkt vom Euter. Das hat für den Landwirt nicht nur Vorteile. «Meistens wollen sie beim ersten Mal nicht aus dem Kessel saufen – beim zweiten Mal klappt es dann aber meistens», erklärt er.
Um den Infektionsdruck tief zu halten, kommen die Kälber anschliessend für mindestens eine Woche in Einzeliglus. Dort werden sie morgens und abends von Hand mit dem Kessel getränkt. «Die Milchmenge passe ich individuell auf das Kalb an», erklärt der Betriebsleiter. Nicht ganz fitte Kälber hält der Landwirt zur Sicherheit einige Tage länger im Einzeliglu. Im Winter werden die Kälber häufig statt im Iglu in einem abgetrennten Bereich der Abkalbebox gehalten. Dort sind sie besser vor Feuchtigkeit und Nässe geschützt. «Bei Regen kann es sein, dass Wasser unter das Iglu läuft und so das Stroh von unten nass wird, was wiederum das Krankheitsrisiko erhöht. Darum nehme ich sie lieber in die Abkalbebox», erklärt er.
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Mast- und Aufzuchttiere zu Beginn im gleichen Stall
Nach der Einzelhaltung kommen die Kälber in den Gruppenstall. Dieser ist in zwei Tiefstreubuchten mit Fressachse und Auslauf unterteilt. Zu Beginn werden die Mast- und Aufzuchttiere gemeinsam gehalten und erhalten neben Heu auch die Futtermischung der Kühe. «Wir hatten anstelle der Mischung auch schon Kälbermüesli. Damit haben wir auch gute Erfahrungen gemacht, arbeitstechnisch haben wir uns aber für die Mischung der Kühe entschieden», erklärt er.
Je nach Platzbedarf wechseln die Masttiere früher oder später in die direkt daneben liegende Mastgruppe. «Ideal wären drei Gruppen – eine für die Aufzucht und je eine für die jüngeren und älteren Masttiere. Dafür fehlt uns aber der Platz, und auch die Kapazität des Tränkeautomaten reicht nur für zwei Nuggis.»
Umstellung auf den Tränkeautomat meist kein Problem
Seit 2020 werden die Kälber im Gruppenstall mit einem Förster-Tränkeautomat getränkt. Während den ersten 40 Tage stehen den Masttieren alle zwei Stunden zwei Liter Milch zur Verfügung. Die Umstellung vom Kessel auf den Automaten funktioniere gut. «Nach einem Tag haben es die meisten verstanden, mit einigen muss man ein bisschen mehr Geduld haben», so Luder und lächelt. «Die Kälber merken relativ schnell, dass sie am Automaten viel Milch saufen können und holen sich ihre Milchmenge fleissig ab.»
Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Milchmenge und parallel dazu auch der Milchpulveranteil. Rund 18 Liter pro Tag saufen die Kälber Ende Mast. Die Investition in einen Tränkeautomaten hat sich für den Landwirt auf alle Fälle gelohnt. «Ohne Automat würde ich heute nicht mehr mästen», sagt Luder. Neben der Zeitersparnis habe sich vor allem auch die Mastleistung und die Kälbergesundheit verbessert.
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Ein schönes Schlachtgewicht und eine gute Fleischigkeit
Mit rund vier bis fünf Monaten und einem Schlachtgewicht zwischen 120 und 130 kg verkauft Luder die Tiere an seinen Händler, der sie grösstenteils an regionale Metzgereien liefert. «Bei der Fleischigkeit erreichen wir ein T+ bis C, bei der Fettklasse meist eine 3. Vor dem Tränkeautomat hatten wir öfters Mühe mit der Fleischfarbe, seit dem Automaten gar nicht mehr.»
Seine Holstein- und Red-Holstein-Kühe besamt Marcel Luder überwiegend mit Limousin-Stieren. Gelegentlich setzt er auch Silian ein. Gute Kühe werden mit gesextem Holstein-Sperma belegt – maximal zweimal, danach kommt Mastgenetik zum Einsatz.
Wetter und Stallklima sind entscheidend für die Kälbergesundheit
Grosse gesundheitliche Probleme mit den Kälbern hat Luder nicht. Vereinzelt treten Lungenentzündungen auf, Durchfall sei seit dem Tränkeautomaten kaum mehr ein Thema. «Bei den Kälbern spielen das Wetter und Stallklima eine wichtige Rolle», erklärt Luder. Ein zentraler Punkt ist für ihn das Einstreuen: «Das Stroh darf einen nicht reuen.» Einmal pro Tag wird auf dem Betrieb grosszügig eingestreut. «Wir sagen immer: Bei den Kälbern muss man selbst gerne ins Stroh liegen wollen. Wenn man selbst wirklich darin schlafen würde, hat man genug eingestreut.»
Ebenso wichtig sei das häufige Ausmisten. Ungefähr einmal im Monat mistet der Landwirt mit dem Hoflader den Stall aus. Anschliessend wird er mit heissem Wasser ausgewaschen. Auf den Einsatz eines Desinfektionsmittels verzichtet Luder, solange die Tiergesundheit gut ist. Das Misten, Waschen und Einstreuen nehme jeweils rund drei Stunden Zeit in Anspruch. Diese Zeit nimmt sich Luder aber gerne, denn sie sei gut investiert: «Man merkt richtig, wie sich das regelmässige Misten positiv auf die Tiergesundheit auswirkt.»
Generationengemeinschaft Luder
Marcel und Andrea Luder und Käthi und Willi Luder
Ort: Oftringen AG
LN: 34 ha
Viehbestand: 60 Milchkühe, 30 Aufzuchttiere, 20 bis 25 Mastkälber
Durchschnittliche Milchleistung: 10 500 kg
Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaare, ein Angestellter, zwei Lernende (1. Lehrjahr und berufsbegleitende Ausbildung), ein Angestellter
Weitere Betriebszweige: Lohnarbeiten auf dem Feld und im Wald, Brennholzverkauf, Vater Willi ist als Klauenschneider tätig