Der politisch und medial vermittelte Eindruck, dass sich ein grosser Teil der Bevölkerung vegan oder vegetarisch ernähre, täusche. Dies sagte Proviande-Präsident Markus Zemp letzte Woche an der Generalversammlung des Bauernverbands Nidwalden, wo er die Aufgaben der Branchenorganisation Fleisch und die aktuelle Marktsituation vorstellte. «96 Prozent der Schweizer Bevölkerung isst regelmässig Fleisch.» Ein «Protein-Boom bei den Jungen» lasse die Nachfrage nach Fleisch sogar steigen.
Weniger stabil, mehr Geflügel
Allerdings sei das Angebot im Wandel, so Zemp. Der Konsum von Schweinefleisch lege nach jahrelangem Sinkflug aktuell aber wieder leicht zu. Rindfleisch bleibe stabil, während deutlich mehr Geflügel konsumiert werde.
Die Inlandversorgung wird aber zunehmend zu einer Herausforderung: Bei Geflügel und bei Rindfleisch ist sie im Sinken begriffen. Das liege auch an den Rahmenbedingungen, gab Zemp zu bedenken. Trotz vorhandenem Bedarf sei es fast unmöglich, neue Ställe bewilligt zu kriegen. So müsse halt mehr Fleisch importiert werden. Auch fehle es zunehmend an Kühen. «Der Milchkuhbestand nimmt zweimal schneller ab, als der Bestand von Mutterkühen und anderen Rindern zunimmt», verdeutlichte Zemp. Die Konsequenz: der Importbedarf steigt, weil das inländische Angebot an Rindfleisch nicht ausreicht. Eigentlich bräuchte es weniger hohe Milchleistungen, aber mehr Kühe, meinte Zemp: «Wir haben viel zu wenig Schlachtkühe».
Mehr Fleisch, aber weniger aus der Schweiz
Am 19. März hatte Proviande bekannt gegeben, dass das gesamte Fleischangebot in der Schweiz letztes Jahr auf rund 470 000 t zugenommen hat – ein Anstieg um 3,5 Prozent. Der Inlandanteil sank dabei aber von 79,6 auf 77,3 Prozent. Deutlich mehr importiert wurde in den letzten Jahren Geflügel-, aber auch Rindfleisch.
Die Kehrseite der Medaille: Die Produzentenpreise haben sich in den letzten 15 Jahren gerade aufgrund dieser Marktsituation nach oben entwickelt. «Es wird wohl dieses Jahr einen neuen Rekord bei den Kuhpreisen geben», prognostizierte Zemp.
Zum Mercosur-Abkommen meinte er, dass dieses für die Fleischbranche gut verkraftbar sei. Grundsätzlich sei der Grenzschutz bei Fleisch – im Gegensatz zu Milch – ausgeprägt, auch wenn aufgrund von Abkommen 8,7 kg Fleisch pro Person importiert werden müssen. Aktuell sei das kein Problem, sagte Zemp. Denn derzeit werde wegen des hohen Bedarfs (neben Fleisch für die menschliche Ernährung wird auch jenes für Heimtiere immer bedeutender) mehr importiert als gemäss Zollkontingent nötig.