Tierseuchen Infizierte Graugans in Vinelz: Erster Vogelgrippe-Fall in der Schweiz Thursday, 6. November 2025 Während die Aviäre Influenza (AI), umgangssprachlich Vogelgrippe genannt, bereits seit einigen Monaten im Nachbarland Deutschland wütet, wurde vergangene Woche ein erster Fall im Kanton Bern bestätigt. Eine Woche später ein zweiter Fall im Kanton Zürich. Mittlerweile sind drei weitere Fälle im Kanton Schwyz und ein Fall im Kanton Thurgau (Stand 18. November) dazugekommen. Noch handle es sich um Einzelfälle, heisst es beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf Anfrage der BauernZeitung.

Dennoch bleibe die Lage aufgrund der aktuellen Zugvogelperiode und der Situation in den Nachbarländern dynamisch. Eine Einschleppung in Hausgeflügelbestände könne nicht ausgeschlossen werden.

Geflügelzüchter vermutet eine Zunahme der Fälle

[IMG 3]Gedanken über die aktuelle Vogelgrippe-Situation macht sich auch der gelernte Geflügelzüchter und Eierproduzent Maël Matile aus dem bernischen Kaltacker. Um die beiden Fundorte der positiv getesteten Wildvögeln wurden Kontrollgebiete eingerichtet.

Zudem hat das BLV nach dem zweiten Vogelgrippefall weitere Beobachtungsgebiete entlang der Ufer von Seen und Fliessgewässern des Mittellands festgelegt. In beiden Gebieten gelten strenge Schutz- und Hygienemassnahmen. Der Auslauf von Hausgeflügel beschränkt sich dort auf einen geschlossenen Aussenklimabereich, um einen Kontakt mit Wildvögeln zu verhindern.

«Ein Kollege von mir ist selbst davon betroffen», berichtet Maël Matile. Er selbst bisher noch nicht, geht aber davon aus, dass eine landesweite Stallpflicht schon in einigen Wochen Realität sein könnte. «Die Fälle werden sich in den nächsten Wochen häufen», vermutet Matile.

So sieht die Vogelgrippe-Situation im Ausland aus

Seit September spitzt sich die Vogelgrippe-Lage in Deutschland zu. Zwischen dem 1. September und 20. Oktober wurden in sieben Bundesländern 15 Ausbrüche in Beständen von Hausgeflügel registriert. Seither hat sich die Zahl mehr als vervierfacht. Insgesamt 66 Geflügelhaltungen mit über 1,19 Millionen Tieren waren laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zwischen dem 1. Oktober und 5. November betroffen. Der grösste betroffene Betrieb war ein Legehennenbestand in Niedersachsen mit über 170 000 Tieren. Auch bei Wildvögeln breitet sich das Virus aus: 406 infizierte Wildvögel wurden im gleichen Zeitraum gemeldet (Stand 5. November). Immer mehr Landkreise verhängen eine Stallpflicht.

Auch in anderen europäischen Ländern ist die Lage angespannt. Italien und Frankreich verzeichneten je 15 Ausbrüche bei Geflügel, Polen 13, Spanien 11, die Niederlande 7 – dort gilt seit dem 16. Oktober eine landesweite Stallpflicht.

Betroffen ist auch Österreich. Am Montag wurde ein erster Fall bei Hausgeflügel im Nordburgenland bestätigt, 170 Hühner, Enten und Gänse mussten vorsorglich gekeult werden, berichtet die österreichische landwirtschaftliche Fachzeitschrift «Landwirt Media». Zuvor verzeichnete das Nachbarland Ende September den ersten Fall bei einem Schwan. Seit Anfang Oktober folgten weitere Fälle bei Wildvögeln in anderen Bundesländern.

Stallpflicht ohne Einbussen im Tierwohl

Wie viele professionelle Betriebe ist auch der Legehennenstall von Maël Matile mit 6000 Legehennen mit einem Aussenklimabereich ausgestattet. «Durch die Vegetationsruhe waren die Hühner in letzter Zeit bereits freiwillig weniger draussen. Ehrlich gesagt, war ich ganz froh darüber», sagt er. Denn die grösste Einschleppgefahr sieht er klar im Kontakt mit Wildvögeln.

Eine schweizweite Stallpflicht würde der Geflügelhalter begrüssen. Man habe in der Schweiz gut eingerichtete Ställe, sodass die Tiere auch ohne Auslauf ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen können. Einbussen im Tierwohl erwartet der Geflügelhalter damit nicht.

Den Tieren mehr Platz als vorgeschrieben zur Verfügung stellen

Auch in Hobbyhaltungen gehört ein überdachter Aussenklimabereich für Maël Matile längst zur Grundausstattung – insbesondere auch aufgrund der vermehrten Vogelgrippeausbrüchen. Aber auch aus Sicht des Tierwohls und der Tiergesundheit. Er schütze die Tiere nicht nur vom Kontakt mit Wildvögeln, sondern biete ihnen auch die Möglichkeit, geschützt vor Wind und Regen nach draussen zu gehen. «Wer also noch keinen geschützten Aussenbereich hat, dem empfehle ich jetzt einen zu bauen», ermutigt der Geflügelzüchter.

Einfache Beschäftigungsmöglichkeiten während der Stallpflicht

Wie man seine Hühner trotz Stallpflicht trotzdem beschäftigen kann, zeigt die deutsche Geflügelhalterin Alicia Kuckuck aus Frankershausen im Bundesland Hessen auf ihrem Instagramkanal. Seit Ende Oktober gilt in ihrem Landkreis die Stallpflicht. Ihre einfachen Ideen: Salat oder Gemüse an einer Schnur im Stall aufhängen, Klettertürme aus Brettern bauen, bereits das Befüllen des Sandbads mit frischem Sand, sorgt bei den Hühnern der Deutschen für Abwechslung. Auch Pommes-Girlanden erwiesen sich laut der Hühnerhalterin als perfekte Beschäftigung. Im Post schreibt sie dazu: «Wir hatten vom Mittagessen noch ein paar Pommes übrig – und irgendwie kam dann dieser spontane Einfall: Warum nicht einfach an einen Bindfaden und in den Hühnerstall damit? Und Leute … Es war das Highlight des Tages.»

Komme es zu einer Auslaufsperre, sei es wichtig, dass Halterinnen und Halter den Tieren im Stall und dem gedeckten Aussenbereich genügend Platz – mehr als die gesetzlichen Vorgaben – zur Verfügung stellen. So können sie Stress und den daraus entstehenden Kannibalismus verhindern.

Auch genügend Beschäftigungsmaterial, also Einstreumaterial, sei wichtig. «Hinzu kommen verschiedene Etagen, sodass sich einige Tiere in die Höhe zurückziehen können», ergänzt der Geflügelzüchter. Der Stall müsse gut ausgeleuchtet sein, direkte Sonneneinstrahlung hingegen sei zu vermeiden. Dies kann die Tiere nervös machen. Nicht zu vergessen sind gute Futter- und Wasserversorgung.

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Auch in Hobbyhaltungen die Schuhe wechseln

Abo Tierseuche Vogelgrippe erreicht die Schweiz – welche Schutzmassnahmen sind jetzt wichtig? Monday, 22. December 2025 Neben dem Vermeiden des Kontakts zwischen Wild- und Hausgeflügel spielen für Maël Matile weitere Biosicherheitsmassnahmen eine zentrale Rolle. Dazu gehören für ihn stallinterne Stiefel, die nur im Geflügelstall getragen werden. «Noch besser ist es, zusätzlich stalleigene Kleidung zu tragen», fügt er hinzu. Nicht nur für grosse Betriebe sind Schuhe relevant, die nur im Geflügelstall getragen werden.

Auch in Hobbyhaltungen sei es wichtig, nicht mit den gleichen Schuhen, mit denen man den ganzen Tag herumläuft, zu den Hühnern zu gehen. Denn an diesen könnte Kot von einem infizierten Wildvogel kleben und so in den Hühnerstall gebracht werden. Matile ist der Meinung, dass Geflügelhalterinnen und -halter nur erfolgreich gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe vorgehen können, wenn sie sich schweizweit konsequent an die Biosicherheitsmassnahmen halten. Dazu gehöre auch eine allfällige landesweite Stallpflicht. «Nur wenn wirklich alle mitziehen, können die Massnahmen ihren gewünschten Effekt zeigen», hält Matile fest.

«Das Angebot an Eiern und Poulet würde sinken»

Im Hinterkopf hat Maël Matile auch die wirtschaftlichen Folgen eines Seuchenausbruchs beim Nutzgeflügel. Derzeit ist die Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch hoch. Würden im schlimmsten Fall Nutzgeflügel erkranken, könnte als Folge das Angebot an Schweizer Eiern und Geflügelfleisch sinken. «Die Frage ist auch, wie die Konsumenten reagieren würden. Vor zwanzig Jahren, erinnere ich mich, kam es zu einem deutlichen Einbruch der Nachfrage», so der Direktvermarkter.

So erkenne ich Vogelgrippe

Die Vogelgrippe ist eine hochansteckende Tierseuche. Besteht ein Verdacht auf das Virus im Bestand, muss unverzüglich der Tierarzt oder die Tierärztin informiert werden.
Folgende Symptome können auftreten:
- Atembeschwerden
- Schwellungen im Kopfbereich
- deutlicher Rückgang der Legeleistung
- dünne oder fehlende Eischalen
- Apathie
- erhöhte Sterblichkeit

Eine Übertragung des Virus auf den Menschen ist laut BLV selten und wurde bis jetzt nur im Einzelfällen nach engem, ungeschütztem Kontakt mit infizierten Vögeln beobachtet. Geflügelprodukte, wie Pouletfleisch und Eier, können weiterhin ohne Bedenken konsumiert werden.