«Der Aargau hat eine Notfallplanung für den Ausbruch einer Tierseuche erstellt und ist vorbereitet», informierte Kantonstierärztin Barbara Thür am Liebegger Agrarpolitikabend vom Donnerstag, 8. Januar. Sie hat verschiedene Seuchen auf dem Radar, aber der Fokus liegt auf der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wegen der hohen Haus- und Wildschweinbeständen im Kanton.

Nationale Koordination ist nötig

Zu den Vorbereitungen gehören Übungen mit Stallräumung und -reinigung. Kadaversuchhunde zum Auffinden von Wildschweinen wurden ausgebildet und die Zusammenarbeit mit externen Firmen und anderen Kantonen geübt. «Die Kantone müssen sich gemeinsam auf die ASP-Bekämpfung bei Wildschweinen vorbereiten. Es braucht nationale Koordination», kommentierte Barbara Thür. Für die Ressourcenbeschaffung wurden beim Aargauer Regierungsrat vorsorglich rund 3,3 Mio Franken beantragt und gesprochen – falls eine Seuche ausbricht, steht das Geld für die Bekämpfung zur Verfügung.

ASP ist eine von mehreren hochansteckenden Tierseuchen, die in Europa wieder aufgetaucht sind. Von der Blauzungenkrankheit über Lumpy Skin Disease bis zur Vogelgrippe traf es in den vergangenen Jahren alle möglichen Tiergattungen. Faktoren wie Globalisierung und Klimawandel begünstigen die Verbreitung dieser Krankheiten.

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Peter Seeger hat die Seuche selbst erlebt

Abo Von «weit weg» zu «mittendrin» Wie ein hessischer Schweinebetrieb mit der Afrikanischen Schweinepest leben muss Friday, 28. November 2025 Einer der Referenten am Liebegger Agrarpolitikabend war der deutsche Landwirt Peter Seeger. Er hat den Ernstfall durchgemacht: Die ASP verbreitete sich rund um seinen Veredelungsbetrieb in Darmstadt-Dieburg, zuerst in Wildschweinbeständen, später traf es auch Hausschweine. «Uns hat es aus der Bahn geworfen», schaute Peter Seeger zurück. Die Bekämpfung lief sofort an, Sperrzonen wurden definiert, das Schlachten war nur in bestimmten Betrieben möglich, was lange Transportwege bedeutete. Selbst der Ackerbau war betroffen, bis hin zu einem Ernteverbot, um die Wildschweine nicht aufzuscheuchen.

Immerhin: Heute gebe es in der Region nur noch wenig ASP-Fälle, bis in zwei Jahren sei das Thema hoffentlich beendet, so der Landwirt. Sein persönliches Fazit: «Eine Tierversicherung ist existenziell.» Problematisch sei die Haftzeit: Sie dauert in der Regel nur ein Jahr, die Schutzmassnahmen jedoch mehrere Jahre. 

Grosse finanzielle Einbussen würde es im Seuchenfall auch am Markt geben, stellte Peter Bosshard in Aussicht, Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändlerverbands. Allein durch den Exportstopp für tierische Nebenprodukte ginge sehr viel Geld verloren. Zudem sei ein Konsumeinbruch realistisch, trotz unbedenklicher Lebensmittel.

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Die Gefahrenlage nimmt laut BLV zu

Abo Schutzzaun um Schweine: Nicht nur die ASP, sondern auch die Enzootische Pneumonie (EP) reinfiziert immer wieder Betriebe. Frage an den Fachmann Wie kann ich meinen Betrieb gegen die Afrikanische Schweinepest absichern? Sunday, 19. May 2024 Daniela Hadorn vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) informierte über die aktuelle Seuchenlage in der Schweiz und in angrenzenden Regionen. Entwarnen konnte sie nicht: «Die Gefahrenlage nimmt nicht ab, sondern zu.» Aber die Landwirtinnen und Landwirte seien nicht einfach machtlos, sondern spielten eine zentrale Rolle bei der Früherkennung und dem raschen Eindämmen von Tierseuchen. «Auch bei der Biosicherheit habt ihr vieles selbst in der Hand, und Biosicherheit ist zentral für den Schutz vor Tierseuchen.»