In Zeiten von Fleischrückstaus und einem Überangebot von Labelfleisch fragt sich manch ein Tierhalter und manch eine Tierhalterin, welchen Absatzkanal er oder sie anvisieren soll. Gerade gibt in Bio-Kreisen aber längst nicht nur da die Weidemast als potenzielle Lösung zu reden.

Die BauernZeitung hat kürzlich ausführlich darüber berichtet:

Ende Januar 26 fand im aargauischen Frick eine Weidemast-Tagung statt. Mit dabei waren Forschende, Expertinnen und Experten aus der Weidemast, interessierte Produzentinnen und Produzenten, Mutterkuh Schweiz, die IG Bio Weidebeef, Dozentinnen für Graslandmanagement und Wiederkäuersysteme, Marktexperten und Umstellerbetriebe.

Wie könnten Vermarktungsmöglichkeiten aussehen?

Eine bunte Mischung aus diversen Marktteilnehmenden also. Alle beschäftigt aktuell dieselbe Frage: Wie kann die Branche vor allem im Bio-Bereich den Milchkreislauf besser mit dem Fleischkreislauf verbinden?

Und wenn man diesen Zusammenschluss denn in der Praxis schaffen würde: Wie sähen die Vermarktungsmöglichkeiten von Weidebeef, das älter und schwerer ist als beispielsweise ein Naturabeef oder ein Veal, in der Realität aus?

Marktpotenzial wäre eigentlich vorhanden 

«Gut», zeigte sich Elmar Barmettler überzeugt. Er ist Verkaufsleiter der IG Bio Weidebeef und in der Absatzförderung von graslandbasiertem Fleisch tätig. Barmettler ist auch Mitbegründer und Inhaber der Bella Bio AG. Der frühere Gastronom weiss also, wie es um den aktuellen Fleischmarkt steht. 

Die Nachfrage nach Weidebeef sei momentan relativ gut und auch verlässlich, sagte er. Allerdings herrsche auf der Produzentenseite ein «recht unklares Angebot». Genaue Zahlen würden bislang fehlen. Das Marktpotenzial für den Detailhandel sei aktuell gross. 500 Tiere mehr hätten darin Platz, im Gastro-Kanal weitere 500 Tiere und in der Verarbeitung weitere 1000, rechnete Barmettler vor.

Der Fachmann appellierte an der Tagung an die Selbstverantwortung der Bauern und Bäuerinnen: Wenn man bereits auf dem Hof eine saubere Triage vornehme, verliere man weniger Geld. Regelmässiges Wägen mit einer Waage oder mit einem Messband helfe dabei, die Tiere richtig einzuschätzen und in den richtigen Kanal zu geben.

Selbst taxieren und wieder «mehr Bauer sein»

Aus dem Publikum ertönte Zustimmung: Ja, der Bauer müsse halt wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen, statt mit seinen nichtkonformen Tieren «Geld zu verschenken». Durch das Taxieren auf dem Betrieb könne man auch wieder «mehr Bauer» und «mehr Bäuerin» sein.

Als Produzent müsse man diesen politischen Druck nutzen, anstatt darunter zu zerbrechen, so der Tenor aus dem Publikum. Die schrittweise Integration der Bioernährung in Kantinen und im Gastrobereich sei auf Produzentenseite langsam spürbar, so Elmar Barmettler.

Die Herausforderungen dabei sind laut Elmar Barmettler:

  • Preisbildung in der Gastronomie
  • Aufbau Ganztierverwertung
  • Bedarfsgerechte Produktion
  • Triage ab Hof nach Absatzkanal
  • Allgemeiner Absatz und Imageförderung des Bio-Weiderindes
  • Aufbau effektiver Strukturen auf dem Milchviehbetrieb, dem Mastbetrieb und beim Endkunden

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Die Idee des Grasrindes:

  • Schlachten im Alter von mindestens 999 Tagen
  • Schlachtgewicht 400 kg
  • Angestrebte Fettklassen 3 und 4
  • Produktion nach den Richtlinien Bio-Weiderind
  • Preis 11.50kg/SG T3 als Fixpreis
  • keine Gewichtsabzüge
  • Keine Abzüge für Tiere der Fettklasse 4
  • Lokale Schlachtung, keine weiten Transportwege

Keine Gewichtsabzüge mehr hinnehmen

Grundsätzlich werde der Preis für die Lieferung in den Gastrokanal tiefer sein als im herkömmlichen Sektor. Dafür müsse der Produzent keine happigen Gewichtsabzüge hinnehmen – das sind laut den Vertretern des Grasrindes die grossen Vorteile für die Tierhaltenden.

Die zentrale Frage an der Tagung: Wie können wir die Nachfrage an Gastro- und Verarbeitungstieren gewinnbringend aufbauen?

  • Ein möglicher Lösungsansatz ist das Gewinnen neuer Bio-Weidemastbetriebe (+ 2000 Tiere bis 2028).
  • Bessere Triage ab Hof.
  • Davon würden 90 % als konforme Bio-Weiderinder eingestuft, 3 % als Graslandrind (beispielsweise) für die Gastronomie und 7 % für die Verarbeitung.

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Saisonalität besser nutzen

Elmar Barmettler hielt fest: Seit Jahren bestehe von Juli bis September ein zu geringes Angebot, inklusive vieler nichtkonformer Tiere. Diese Saisonalität könne man mit der individuellen Vermarktung nutzen. Generell solle man die Vermarktung der Schlachttiere gesamtheitlich anschauen. Die Rechnung müsse demnach immer mit den konformen Tieren, den Gastro-Tieren sowie den Verarbeitungstieren gemacht werden, dann gehe sie auf.

Website der IG Bioweidebeef