Aarberg kündigt das Ende der laufenden Zuckerrüben-Kampagne an. Am Wochenende soll die letzte Rübe über das Förderband rollen und zu Zucker verarbeitet werden. Mit dem Ende der Kampagne kursieren fragwürdige Gerüchte die restlichen Rüben würden am Haufen und in den Bahnwägen verfaulen und am Ende würden sie nochmals von Aarberg nach Frauenfeld transportiert, weil in der Berner Fabrik die Tore schliessen.

«Das sind seltsame Informationen».

Raphael Wild, Kommunikation SZU.

«Das sind seltsame Informationen», sagt Raphael Wild. Der Kommunikationschef der Schweizer Zucker AG (SZU) wundert sich, wie vereinzelte Produzenten anscheinend, trotz der Bemühungen der Schweizer Zucker AG, der Logistikfirmen und des Verbandes der Zuckerrübenpflanzer, ungesicherte Informationen in Umlauf bringen.

0,5 % von 2 Millionen Tonnen landen in der Biogas-Anlage

Raphael Wild versichert am Telefon: Es würden alle Rüben abtransportiert, auch wenn sie nicht zu Zucker verarbeitet werden können. Und das sind laut ihm ungefähr 0,5 % der 2 Millionen Tonnen Zuckerrüben. Ganz genau lässt sich dies im Moment nicht sagen, weil in Frauenfeld die Kampagne noch läuft. «Dieser Anteil wird im Vergleich zur Gesamtmenge verschwindend gering bleiben», hält er fest. Diese Rüben würden abgeholt, am Werk gewaschen, gehäckselt und dann direkt zu einer Biogas-Anlage gebracht. Diese Verwertung funktioniere sehr gut, beteuert er.

«Es verfaulen keine Rüben in Bahnwägen»

Hinsichtlich der Bahntransporte winkt Raphael Wild ab. «Es verfaulen keine Schweizer Rüben in Bahnwägen, weil wir keine Bahntransporte mehr unternehmen», so Wild. Und sicher würden keine Rüben von Aarberg nach Frauenfeld gebracht. Von einer Katastrophe, wie sie ein Produzent geschildert hat, könne man aus seiner Sicht nicht sprechen, beruhigt Wild. «Der Produzent kommt in keiner Hinsicht zu Schaden die Rüben werden abgeholt, vergütet, verarbeitet oder in Ausnahmefällen anderweitig verwertet.»

«Es verfaulen keine Schweizer Rüben in Bahnwägen, weil wir keine Bahntransporte mehr unternehmen.»

Raphael Wild, Kommunikation SZU.

Wild vermutet, dass es in Zukunft häufiger zu solchen verlängerten Kampagnen kommen könnte. Grund dafür war in dieser Kampagne die gute Ernte, wie er sagt. Auch ohne den Ofenausfall in Frauenfeld hätte sich die Kampagne in Aarberg sicherlich bis in den Januar gezogen, schätzt Raphael Wild.

Verarbeitbarkeit hat abgenommen

Stand heute sind noch ungefähr 70000 Tonnen Zuckerrüben draussen. Die Verarbeitbarkeit der Rüben hat inzwischen in der ganzen Schweiz abgenommen. In Frauenfeld wie in Aarberg werden weiterhin Rüben unterschiedlicher Qualität gemischt, damit dem zunehmenden Problem von verstopften Filtern begegnet werden kann. Der Zuckergehalt im Westen liegt derzeit bei 14,9 % und hat sich damit gegenüber den Vorwochen nur unwesentlich verändert. Der Fremdbesatz habe um 8,1 % zugenommen.

In Frauenfeld läuft die Ersatzlösung für den Kalkofen laut der SZU stabil. Schwankungen in der Produktionsleistung gründen auch hier in der Qualität der Rüben. Die Zuckerwerte bewegen sich hier bei rund 15 %, und der Fremdbesatz steigt gegenüber letzter Woche leicht an.

Kampagnen-Ende nicht vor Mitte Februar

Da in der Ostschweiz noch mehr Rüben auf die Verarbeitung warten, wird mit einem Kampagnenende nicht vor Mitte Februar gerechnet, wie die Zuckerfabrik mitteilt. Die Pflanzerinnen und Pflanzer müssten sich indes keine Sorgen über verzögerte Abliefertermine machen, heisst es.